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Former Cell Mates - Who's Dead And What's To Pay
Geschrieben von: Dark   
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Former Cell Mates - Who's Dead And What's To Pay

VÖ: 14.05.2008

An Selbstvertrauen mangelt es den Fomer Cell Mates ganz sicher nicht. Als selbsternannte Ikonen des Regressive Rock Movements stehen die vier Musiker jedenfalls seit 2002 in der Pflicht diesen Titel gegen jeden Möchtegern-Rocker zu verteidigen. Seit ihrem 2005 erschienenen Album Hustle hat sich die britische Band in so ziemlich jeder willigen Kaschemme den Arsch abgespielt und ihren rauen und ziemlich alkoholgeschwängerten Sound weiter kultiviert. Da haben wir auch gleich zwei ganz hervorragende Adjektive, die hier eigentlich die Sache auf den Punkt bringen. Oder um es mit den Worten von Sänger und Songwriter David Lee Burdon zu sagen: We get drunk, make music and don't mean to sound so sad ... it just turns out that way. Ein solch dreistes Understatement verdient einfach Respekt, denn was die Former Cell Mates mit der neuen Platte Who's Dead And What's To Pay abliefern - ist gelinde gesagt - weit davon entfernt "nicht so schlecht zu klingen". David Lee Burdon, der früher übrigens seine Brötchen bei Leatherface verdient hat, weiss offenbar sehr genau wovon er redet. Die Kollaboration mit David Lyon von den Coyote Men, Neil Basset von den Golden Virgins und dem Neuzugang Greg Robson, der zuvor bei den Harcore Thrashern von The Mercury League spielte, war wohl dann auch mit das Beste, was den Former Cell Mates passieren konnte.

Bei den elf Songs dieses Longplayers hat sich das Quartett dann förmlich selbst übertroffen. Stilistisch spielen die Former Cell Mates ganz eindeutig in einer Liga mit Hot Water Music oder The Draft. Kompromissloser Rock'n'Roll mit melodischen Punk-Einflüssen der guten Art. Der Opener Party Tricks weist den Weg, rotzig-röhriger Garagenrock mit grossartigem Refrain und einer Reibeisen-Stimme, die sogar leicht an Lemmy von Motörhead erinnert. Das macht Laune auf einen Kasten Bier und geht mitten auf die 12! Auch das nicht weniger (punk-) rockende Always steht dem beeindruckenden ersten Track quasi in Nichts nach, sodass die Erwartungskurve schnurstracks weiter gen Himmel steigt. Mit Come January wechselt man dann zwar in ruhigere, aber zugleich noch viel melodischer Gefilde, und die Ahnung verdichtet sich allmählich, dass in dieser Band ein noch weit grösseres Potential schlummert. Put the soul into Rock'n'Roll liest man hier in der beiliegenden Info, und spätestens bei der vierten Nummer Here's The Pretty Girls weiss man auch, was damit gemeint ist. Die Band offenbart ihre raue und grundehrliche Seele, und man spürt: Das ist echt und ohne Umschweife einfach geradeaus. Rock'n'Roll in seiner unverfälschtesten Art. Das folgende Stück Adverse Chamber zieht dann schon beinahe in bester Queens Of The Stone Age Manier über einen her, bevor ein blues-lastiges Child Proof Cap den Bogen eher in Richting Singer/Songwriter spannt, während sich nun sogar ein leicht countryeskes Gefühl einstellt. Dies dient - wie sich kurz darauf bei Does He Make You Laugh? zeigt - offenbar als tatsächlich als eine Art Intro. Ein atmosphärisch perfekt inszenierter Folk-Song, bei dem man sogleich seinen Truck aus der Garage holen möchte, um sich auf den nächstbesten Highway zu begeben. Why Would You Pray For Me? ist dann wieder so ein Gassenhauer, der vor Melodie nur so strotzt - grandios zweistimmiger Gesang, der von sehr entspannten Gitarren-Hooks flankiert wird, und dessen ein Finale viel zu schnell vorbei ist.

Während vielen Alben nach der ersten Hälfte schon deutlich die Luft ausgeht, legen die Former Cell Mates auf Who's Dead And What's To Pay hier sogar noch einen nach, und beim straight durchgerockten Gypsy's Curse angekommen, zieht die Band das Tempo hier noch einmal richtig an. Unglaubliche Hook, Stakkato Riffs, geradeaus gespielt macht die Band keine Gefangenen - der Song spricht für einfach sich selbst und geht nicht mehr aus dem Ohr. Zwei absolute Hits hat man sich sogar noch für ganz zum Schluss aufgehoben: Für Songs Stolen Car Keys und I'm Sorry, Lucy sind dermassen grossartige Stücke, dass man sich hier einfach nur reinsetzen möchte! Zwei wunderbare Balladen über das Leid und den Abschied, die einen gleichzeitig das erstaunliche breitgefächerte Spektrum dieser Band erkennen lassen, während über allem mal wieder diese wahnsinnig markante Stimme schwebt. Überhaupt klingen die Former Cell Mates weniger wie eine britische, sondern eher wie eine amerikanische Kapelle. Wollte man dies alles in einem Wort zusammen fassen, dann wäre der Begriff authentisch wohl zutreffendsten. Mit der wärmsten Empfehlung an diese Welt, darf diese Platte wohl ohne Untertreibung als eine der grossen Veröffentlichungen des Jahres 2008 gelten. Sollte er jemals weg gewesen sein, dann ist der Rock'n'Roll hiermit definitiv wieder zurück gekehrt. Respekt für soviel schnörkellose Gradlinigkeit in Verbindung mit solch wunderbarem Songwriting!

Website: Former Cell Mates

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Rating: 90%
 
Fidget - Ashes & Dust
Geschrieben von: Dark   
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Fidget - Ashes & Dust

VÖ: 14.03.2008

Alternative Rock aus Düsseldorf - das muss man wohl erst einmal verdauen. Ausser mit den Toten Hosen verbindet man ja nicht gerade allzu viele musikalische Auffälligkeiten mit dieser Stadt. Sicher früher gab es da noch Kraftwerk oder später die Fehlfarben, aber dass ist ehrlich gesagt schon so lange her, dass es langsam Zeit für etwas Neues wird, ...und hier kommen jetzt Fidget in's Spiel.

Fidget passen zum Glück nicht so ganz in das übliche Altrock-Schema und fallen dem Album Ashes & Dust schon ein wenig aus dem Rahmen. Aber die Band kultiviert ihren ungewöhnlichem Stil offenbar schon seit einigen Jahren recht erfolgreich, und allein die Tatsache, dass sich hier ein gemischtes Doppel an den Mikros austobt, hebt Fidget von der unübersichtlichen Masse in diesem Genre ab. In Verbindung mit der klassischen Kombination aus Gitarre, Bass und Drums kommen dabei am Ende dann solche Songs wie All Seems Meaningless heraus, bei dem die Gitarren-Hook alles regelrecht an die Wand spielt und der Rhythmus einfach unbarmherzig nach vorne stampft - ein höllischer Ohrwurm, den man verdammt noch mal nicht mehr los wird!

Ähnlich ergeht es einem mit dem Song Far Away From OK, bei dem der wunderbare stimmliche Kontrast zwischen Darline Rubi und Tom Jeske schon während der Strophe voll zur Geltung kommt, um dann zu guter Letzt noch einen Hammer-Refrain aus dem Hut zu ziehen. Volltreffer! Die beiden beherrschen dieses Spielchen übrigens erschreckend gut. Das beweisen sie gleich darauf mit dem schnellen Stalewater, dass zwar anfangs verwirrend authentisch nach asiatischem Popsong klingt, aber dann erneut in einem klasse Refrain mündet und mit seinem geradezu überirdischen Drive überzeugt. Hier auch wird klar, warum sich Fidget nicht so einfach in eine der obligatorischen Rock-Schubladen pressen lassen: Diese Band ist einfach viel zu flexibel und offen in ihrem Selbstverständnis in Sachen Rock. Gerade die Kombination aus zwei unterschiedlichen Vokalisten, die stimmlich Welten auseinander liegen, erweist sich hier als die richtige Wahl im Kampf um Authentizität und Originalität, zusätzlich runden noch die Wechsel zwischen leichtgängig gespielten Akkorden und breitbeinig rockenden Breitseiten dieses musikalische Gesamtbild perfekt ab.

Ob daraus lediglich Ashes & Dust oder doch möglicherweise etwas viel Grösseres wird, und in wie weit sich das Publikum auf diese Sache einlässt, wird sich schon sehr bald zeigen, wenn Fidget sich zum Album-Release auf Tour begeben. Aber über allein die bisher 400 gespielten Shows (u.a. mit Incubus, den Lostprophets, den Beatsteaks und den Donots) sprechen hier wohl auch schon eindeutig für sich. Sicher ist jedenfalls, dass sich hier fünf Leute gefunden haben, die eingängige Songs schreiben, sich nicht um irgendwelche Genre-Grenzen scheren und einfach rausgehen, um das Haus nach allen Regeln der Kunst zu rocken. Nicht mehr und nicht weniger...

Website: Fidget

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Rating: 70%
 
Zatopeks - Damn Fool Music
Geschrieben von: Dark   
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Zatopeks - Damn Fool Music

VÖ: 12.11.2007

Seit Mitte der 1970er Jahre umgibt London, als Wiege und europäische Haupstadt des Punk, ein geradezu legendären Ruf als Schmelztiegel musikalischer Kreativität in Sachen 4-Akkorde-Protest. Abgesehen von wenigen Ausnahmen brauchte es einige Zeit bis sich diese ungestüme Bewegung von ihrer anfänglichen pauschalen Dilletantismus verabschiedete, um einen Sound zu entwickeln, der auch nachträglich Bestand haben sollte. Aber wer hätte damals schon ernsthaft daran gedacht, dass sogar 30 Jahre später noch immer Bands von diesem Virus infiziert werden würden? Wohl die wenigsten...

Die Zatopeks vereinen die traditionelle Punk-Attitüde mit dem Garagen-Pop der Sixties (Jumble Sale und 747), und die Band findet ihren musikalischen Nenner irgendwo zwischen den Ramones, Buddy Holly, The Clash und den Beach Boys (Radio Maryja, 15 Ta Life und Drive-By Love): Rrecht spartanisch instrumentiert und auf das Wesentliche fokussiert, aber immer mit einer mit einer kleinen unverwechselbaren Melodie und der nötigen Dynamik versehen, die den Hörer zum Mitsingen und -tanzen zwingt. Vergesst alle Monster-Produktionen die ihr je gehört habt - mehr als Gitarre, Schlagzeug, Bass und mehrstimmige Vocals braucht wirklich kein Mensch! Hier wird Überzeugungsarbeit im 4/4-Takt geleistet, und allein die unbändige Energie dieser Band spricht Bände.

Textlich bewegen sich die Gedanken der Zatopeks um gundlegende Dinge, die stets so unglaublich charmant auf den Punkt gebracht werden, dass man häufig in sich hinein lächelt und denkt: Ja, dass ist mir auch schon ein dutzend mal passiert. Es geht auf diesem Album sowohl um Zwischenmenschliches und Begegnungen (Ship To Go Down With), als auch um Protest und Empörung (Daily Mail). Man bekommt hier aber nicht gleich den erhobenen Zeigefinger vorgehalten - es ist lediglich eine sehr präzise Analyse und Beschreibung, der kleinen oder auch grösseren Dinge des Lebens. Momentaufnahmen und Betrachtungen. Obwohl die Songs auf Damn Fool Music vorwiegend auf der Überholspur gespielt werden (Don't Let The Night Get You Down und I Don't Want The Airwaves), bleibt auch ausreichend Raum für ruhige Momente (Picture Postcards und Song For Nina Simone), in denen sich die Zatopeks die Dinge langsam und recht besinnlich angehen.

So ziemlich jeder der insgesamt 14 Song offenbart sich als kleiner Schatz für sich und für alle anderen, die die Gelegenheit erhalten Damn Fool Music zu erleben. Diese sympathische Band macht es einem wirklich leicht, sie für ihren unwiderstehlichen Charme, ihre Beobachtungsgabe und diese vielen wunderbaren Melodien zu lieben. Bleibt zu hoffen, dass man die Zatopeks und ihre Punk-Perlen irgendwann einmal auch Live erleben darf.

Website: Zatopeks

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Rating: 80%
 
P.O. Box - ...And The Lipstick Traces
Geschrieben von: Dark   
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P.O. Box - ...And The Lipstick Traces

VÖ: 02.11.2007

Mann, selbst wenn man nicht gerade ein Wahnsinnsfreund von Ska ist, haut einen dieses Gebräu mit seinem satten Punkrock-Einschlag wohl ohne Zweifel einfach um. Mit rund 300 absolvierten Konzerten sind die sechs Franzosen in ihrer Heimat wohl schon so etwas wie Routiniers - hierzulande aber leider ein noch eher unbeschriebenes Blatt. Gut Ding will Weile haben: Deshalb hat es wohl auch ganze sechs Jahre gedauert, bis die Band - nach einer EP, einer Split und einer Live-CD - ihr erstes Studioalbum an den Start gebracht hat: Aber egal, denn ...And The Lipstick Traces wird nun via Long Beach Records veröffentlicht und kommt am ehesten einem Dietrich gleich: Mit dieser dreizehn Tracks umfassenden Geheimwaffe im Gepäck wird sich in Zukunft sicherlich die eine oder andere Tür für P.O. Box spielend leicht öffnen lassen. Zu dieser Erkenntnis gelangt man spätestens nach dem Genuss der ersten drei Nummern: Ska ist ja schön und gut, aber schon der dynamische Opener N.C. lässt erahnen, dass eigentlich Punkrock die allumfassende Grundessenz für den Sound dieser Band sind. Das hat den Rhythmus der Karibik und die Eier vom Punk! Nicht wesentlich anders sieht es bei den folgenden beiden Krachern Death Promises Me A Better Place und God Blasts America aus. So hat man sich wohl Jamaika on Speed vorzustellen - eine Welt wie sie sein sollte! Erst bei Would It Be Yours wendet sich da Blatt schon eher zu Gunsten des Ska wie wir ihn kennen, aber ohne einen punkigen Offbeat-Refrain wollen P.O. Box die Sache nicht auf sich beruhen lassen. Rock on! Mit Music Has Taken A Backseat To Haircuts gönnt man sich und dem Zuhörer danach zwar eine kleine Pause, aber nur, um in Anschluss daran bei Chalk It Up To The Experience wieder volle Fahrt aufzunehmen.

Halbzeit. Wer an diesem Punkt angelangt ist und es nicht inzwischen besser weiss, könnte auch vermuten, dass P.O. Box zu dem Kreis der üblichen Verdächtigen wie den Mad Caddies oder den Bouncing Souls gehören, die sich auf Labels wie Fat Wreck Chords und Epitaph Records die Klinke in die Hand geben. In Sachen Perfektion und Klasse stehen die Franzosen diesen jedenfalls in Nichts nach. Respekt, aber da man ja bekanntermassen den Tag nicht vor dem Abend loben soll, gilt es ja noch einige Hürden zu meistern: Auch die oft zu Recht gefürchtete zweite Hälfte der Platte gestaltet sich abwechselungsreich und man gibt - abgesehen von einigen ruhigeren Passagen - generell weiterhin Vollgas. Look What You Have Done erfreut einen da in punkrockiger Manier mit schönen Singalongs, die sich auch Rancid nicht hätten besser ausdenken können. Auch bei Little Boy gilt die Devise, dass Ska-Strophen sich mit straighten Punkrock-Refrains einfach wunderbar kombinieren lassen, während Everyb'Addict dagegen sogar gleich mehrfach an die frühen Millencolin erinnert. Schön! Und ganz nebenbei bemerkt: Als nicht allzu selbstverständlich sollte man die Tatsache bewerten, dass die Combo auch textlich noch für einige Überraschungen gut ist. Kritisch, reflektiert und trotzdem Spass dabei - so haben wir das gern! Ein Anspieltipp ist der Rausschmeisser Make Up/Wake Up!, dessen Basslauf und ungebremste Energie auch den Songs von NOFX zur Ehre gereicht hätten, und der darauf folgende Hiddentrack rundet schliesslich dieses Paket endgültig ab. Kurz gesagt man bekommt auf ...And The Lipstick Traces von Allem, was man sich von einer amtlichen Ska-Punk Kapelle erwartet, mehr als genug geboten. Alles was Recht ist: Long Beach Records hat mit P.O Box einen echt fetten Fisch an Land gezogen, der übrigens auch Live eine exzellente Figur macht. Da bleibt hier zum Schluss eigentlich nur noch Eines zu sagen: Allez les bleux!

Website: P.O. Box

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Rating: 80%
 
Spoken - Selftitled
Geschrieben von: Dark   
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Spoken - Selftitled

VÖ: 25.09.2007

Spoken melden mit ihrem inzwischen dritten Album auf Tooth & Nail Records zurück, und abgesehen von der Präsentation einiger neuer und längst überfälliger Hardcore-Hymnen, geht das Quintett aus Arkansas diesmal die Sache diesmal auch aus einer unerwartet anderen Richtung an: Neben dem gewohnt Powerchord lastigen HC-Spirit, gibt's jetzt auch noch einige Rock-Balladen und das Wort Metal prangt in unsichtbaren Lettern aber unüberhörbar auf dem selbstbetitelten neuen Werk. Ist schon lustig: Da erwartet man die üblichen Gitarrenbretter in Kombination mit bis in die tiefste Hölle herunter geschrienen Vocals, und dann das ...aber wir lassen uns ja gerne überraschen!

Die elf Songs umfassende Wundertüte darf zu Recht als ungewöhnlich bezeichnet werden. Der Startschuss fällt mit dem gnadenlos eindreschenden History Erased. Hardcore, Post-Core - das kann man nennen wie man will - Fakt ist, dass sich beim Hören bereits nach wenigen Sekunden ein virtueller Circlepit im Kopf bildet, der zudem auch noch verdammt schnell rotiert. Dieser Strudel beruhigt sich leider schon nach weniger als zweieinhalb Minuten. Glücklicherweise geht's dann aber Sekunden später sehr hart und direkt mit Close Your Eyes weiter. Noch so Brecher, dem man nicht viel entgegen setzen kann oder will. Dieser bösartige kleine Sog baut sich erneut auf, und ja, das Spiel mit dieser ungezügelten Energie macht hat einen Heidenspass! Ohne viel Zeit zu verschwenden kommt diese Hardcore-Zentrifuge bei Not Soon Forgotten noch weiter auf Touren. Hier hört man übrigens bereits die ersten klassischen Metall-Riffs anrollen... knappe neun Minuten sind überstanden und die Zeit verging wie im Flug. Spoken schalten jetzt zu Trading In This Troubled Heart einen Gang runter, und die Nummer leitet offenbar die Anfangs erwähnte Wende ein: Klingt fast wie amerikanischer Mainstream-Hardrock - ohne dabei aber auch nur annähernd peinlich zu wirken. Im Gegenteil, Spoken bewegen sich dabei problemlos auf einem durchaus ernst zunehmenden Rock-Level, lassen jegliche Klischees beiseite, und schleusen die Nummer schon allein durch die Energie des Gesangs durch jede noch so kleine Untiefe.

Mit You're The One erreichen wir die bereits angekündigte unvermeidliche Ballade. Kann man mögen, muss man aber nicht. Aber selbst wer bei dieser Platte nur auf Hard- oder sonstigen Core aus ist, kann nicht wirklich behaupten, dass der Song schlecht wäre. Denjenigen sei hier auch gesagt, dass Spoken bereits wenige Minuten später diese Gleise wieder langsam verlassen, um zum eigentlichen Kern der Sache zurück zu kehren: Die Strophe von Brought To Life eröffnet den gedanklichen HC-Moshpit erneut während der Refrain schliesslich in bester Metal-Manier zum Mattenschwingen einlädt. Ziemlich straight, aber ein klein wenig leichter, kommt Long Live The Dream mit seinen Stakkatogitarren daher - und klar, bei diesem wahrhaft heroischen Titel musste aus dieser Nummer ja am Ende eine 1A-Hymne werden. Perfekt! Bei Start The Revolution geht man die Sache zwar etwas ruhiger allerdings auch irgendwie bedrohlicher an. Hier fällt besonders die gelungene Symbiose aus Text und Musik auf: Ein sich langsam hochschaukelndes Beinahe-Instrumentalstück, dass quasi mit einer einzigen Textzeile (I Will Not Be Afraid) auskommt, und dessen Refrain die Nummer mit einigen simplen Shouts, oder besser gesagt, einem Vokal-Chor (Oh) toppt. Mitsingkompatibler und athmosphärischer kann man, bei einem derartigen Minimalismus, einen Songs wirklich nicht gestalten. Wow!

Mit The Meaning Of... und When Hope Is All You Have zimmern im Anschluss daran aber gleich wieder eine schön breite Wand aus rotzigen Gitarren und Power-Vocals. Eine stimmige Mischung aus Druck und Geschwindigkeit mit eingängigen Melodien - so sollte das Leben einfach öfters sein, und diese beiden Stücke, hört man sich auch besser in einer vernünftigen Lautstärke an! Zu guter Letzt gibt es noch den Rausschmeisser The Answer: Stakkato, Hooks, Groove - passt alles zusammen, wie aus einem Guss...und zum letzten Refrain der Platte geizt die Band auch nicht mit Pathos. Spoken setzen zu einer finalen Hymne an! Grosse Gesten und das richtige Mass an Dramatik - da geht echt die Sonne auf ...Respekt! Die Band ist auf diesem Album mutig genug, sich von jeglichen Konformitäten zu verabschieden, und wird damit sicher den einen oder anderen verunsichern. Aber solange die wesentlichen Eckdaten, wie Druck und Melodie, stimmen, werde ich mich ganz sicher nicht beschweren. Denn darum geht es doch im Grunde genommen bei dieser Musik - alles andere wäre auf Dauer einfach zu öde. Fazit: Spoken schreiben verdammt gute Songs und sind dabei auch noch meilenweit von jeglichen Langweiler-Schemata entfernt...

Website: Spoken

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Rating: 70%
 
New Idea Society - The World Is Bright And Lonely
Geschrieben von: Dark   
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New Idea Society - The World Is Bright And Lonely

VÖ: 07.09.2007

Wer konnte denn vor einigen Jahren schon ahnen, wie sich eine Kollaboration zwischen Mike Law (Eulcid) und Stephen Brodsky (Cave-In) letzt endlich entwickeln würde. Indie meets Hardcore? Ja, der Verdacht liegt wohl nah, aber da ging irgendwie noch ein wenig mehr. Nach einer ersten im heimischen Studio aufgenommenen EP mit Namen Questionairre folgte 2005 das Debüt-Album You Are Awake Or Asleep. Nach dem Stephen Brodsky sein Wirken bei NIS schliesslich mehr und mehr in den Hintergrund verlegte, nahm Mike Law das Ruder allein in die Hand. Aus einem Duo entstand so eine Art musikalisches Kollektiv, dass mit stetig wechselnden Gastmusikern den inzwischen typischen Sound von New Idea Society zunehmend individuell ausprägte.

September 2007: The World Is Bright And Lonely wurde die unvermeidliche Konsequenz dieser Entwicklung getauft. Ein Album mit zwölf Tracks, die einen unweigerlich schon ein wenig an eine Mischung aus Dashboard Confessional und Bright Eyes erinnern - deutlich schräger als Erstere, dafür aber wesentlich zugänglicher als Letztere. Die akustischen Gitarren stehen immer klar im Vordergrund, und allen Songs gemeinsam ist das Prinzip, die Struktur am Ende doch so schlicht wie möglich zu halten. Hauptverantwortlich dafür ist Mike Law, und getreu den Ehrenkodex wahrer Unabhängigkeit scheut dieser sich auch nicht, bei Bedarf auf eher ungewöhnliche Instrumente zurück zu greifen. War dort iregendwo im Hintergrund nicht gerade sogar eine Melodica zu hören? Ziemlich sicher sogar, ...und hey, das gefällt! Unkonventionelle Kompromisslosigkeit kann eine so wunderbare Sache sein!

Die Eingängigkeit eines guten Popsongs wird hier musikalisch und gleich im Dutzend mit allerlei Spielereien garniert. So beginnt The World Is Bright And Lonely mit dem nahezu vollakustischen Press Reverse. Der Grundstein für ein klassisches Singer/Songwriter-Album scheint zwar damit gelegt, aber man ahnt bereits an den sich zunehmend breiter fächernden Feedback-Slides, dass hier noch mehr dahinter steckt. Der Retro-Sound und die Gesangsmelodie von Single Thread dagegen geben einen ersten Eindruck vom eigentlichen Potential der New Idea Society. Einfach gesagt: Hier haben wir den ersten Hit der Platte zu verbuchen! Überhaupt erinnern die verzerrten Gitarren-Lines oft an die auf's Wesentliche reduzierten Saiten-Orgien von Dinosaur Jr. Mastermind J. Mascis: Dezente und wunderschöne Klang-Kollagen der guten alte Schule! Der im Anschluss daran folgende Uptempo-Track Don't Sleep unterscheidet sich zwar gänzlich von seinem Vorgänger steht diesem aber in Nichts nach. Ein gelungener Einstieg, der Gutes hoffen lässt.

Silde-Guitars und Fiddles lassen auf diesem Album gelegentlich auch schon einmal einen Hauch von Country durch diese Platte wehen, und Where Are You Now ist beispielsweise so ein Kandidat - denn auch hier zeigen sich wieder die selben mascisesken Züge wie zuvor, die dem Song den letzten Schliff verleihen. Diesen Stil schlichterdings als Indie zu kategorisieren wäre aber sicher zu leicht, denn Nummern wie Drawbridge Kid und Dress Shirt wandeln darüber hinaus auch noch erschreckend zielsicher zwischen vollkommen unterschiedlichen Welten. Da fällt es immens schwer den oft bemühten aber verdammt weitläufigen Begriff Indie näher einzugrenzen. Daher dürfen New Idea Society für sich auch paradoxerweise das Attribut simple Vielschichtigkeit in Anspruch nehmen.

Grundsätzlich handelt es sich bei The World Is Bright And Lonely ja im Grunde um ein eher bedächtiges Album, aber das New Yorker Trio findet hier immer wieder die passende Lücke um einen gezielten Ausbruch zu zelebrieren. Aber auch die bereits weiter oben angedeuteten stilistischen Wechsel scheinen für New Idea Society offenbar eine ihrer leichteren Übungen zu sein: Songs wie Waking Dreams And Rooms oder Medicine Show sind schon beinahe zur Perfektion gereifte Gegensätze. Und neben Mike Law's bemerkenswerten Gespür für einfache und extrem eingängige Melodien, macht genau das am Ende die Qualität diese Platte aus. Die New Idea Society ist eine wirklich schöne Gesellschaft, der man nur allzu gerne beitreten möchte...

Website: New Idea Society

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Rating: 80%
 
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