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Brainless Wankers - If Everything Else Fails
Geschrieben von: Dark   
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Brainless Wankers - If Everything Else Fails

VÖ: 24.11.2006

Für eine gut laufende Punkband benötigt man eigentlich nicht mehr als drei Leute - das hat sich bewährt und wurde ja auch schon oft genug bewiesen. Vier Musiker lasse ich mir ja auch noch gefallen, weil sich damit der Brettfaktor noch um einiges hochschrauben lässt. Aber aktuell scheint es ja wieder sehr modern geworden zu sein, einfach zu fünft eine Bühne zu entern, um - auf Teufel komm raus - noch einen drauf zu setzen. Von mir aus, ...aber dann sollte auch irgend wann einmal Schluss sein.

Die Brainless Wankers spielen auch und in erster Linie Punkrock, fallen hier aber ein wenig aus dem Rahmen - sie lassen es gleich richtig krachen, und gehen ganz ungeniert mit sieben Leute an den Start! Ich sehe hier schon einige die Köpfe schütteln und höre solche Sätze wie "Eine Bigband kann doch keinen Punkrock spielen" ...kann sie doch! Denn wer sich das neue Album If Everything Else Fails anhört, wird verstehen, dass man Punkrock durchaus anders definieren kann, ohne auf Altbewährtes verzichten zu müssen. Ganz im Gegenteil, diese Version der glorreichen Sieben ist mit soviel Spass und mit einer Unmenge an hitverdächtigen Ideen bei der Sache, dass es einen erst einmal umhaut.

Das Tempo ist schon einmal perfekt: Vollgas voraus ab der ersten Note! Bei den Brainless Wankers bedeutet das ganz konkret: Ein Dutzend Songs mit einer bestechend attraktiven Portion Pop (The Good Guys) und natürlich einer Menge klassischer Powerchords - die ja bei diesem Genre nicht zu kurz kommen dürfen. Songs wie Long Live The Random Generators oder You Might As Well Like It rocken einfach wie Sau und leben zusätzlich durch ihre abwechselungsreiche Dynamik.

Wozu braucht man also sieben Musiker? Ganz einfach: Die Brainless Wankers gönnen sich den Luxus einfach mehr als viele andere Bands leisten zu wollen und - dank talentiertem Personal - auch zu können! Wenn man dann auch noch in fremden Revieren wildert, und keine Berührungsängste mit anderen Stilen hat, dann kann auch mal wieder etwas Spannendes entstehen (Common Sense). Und exakt das ist der Punkt: Man könnte ja vermuten, dass die vorhandenen Bläsersätze - die den Punkrock-Adepten anfangs auch mal verwirren können - auf einen Ska-Background hinweisen, aber mit damit liegt man ungefähr meilenweit daneben. Diese Trompeten blasen zwar ganz eindeutig für den Punkrock, aber sie bringen dem Hörer auch den guten alten Swing ein wenig näher ...bizarr, aber wirklich brilliant! Sie schieben die Songs bei Bedarf noch einmal zusätzlich an (It's Okay Not To Feel Not Okay), übernehmen aber passagenweise auch gerne einmal die musikalische Leitung, indem sie einfach ganz beiläufig ein erschreckend hitverdächtiges und ziemlich swingendes Thema zum Besten geben (The Shape Of Things To Come - ein Killertrack!). Unnötig zu sagen, dass diese Trumpets From Hell stilistisch noch ganz andere Nummern auf Lager haben...

Ähnlich verhält es sich mit den Gesangslinien - mehrstimmige Ohrwürmer, die Laune machen und Singalong-Melodien (Outsource The CEOs). Zwar hat das Album auf dem letzten Drittel einen kleinen Hänger, aber aufgrund der Tatsache, dass hier mal wieder ein innovativeres Stück Musik den Weg in die Öffentlichkeit gefunden hat, fällt dies nicht besonders in's Gewicht. Ab und zu kann man sogar einige Rockabilly-Einflüsse á la The Living End heraus hören, und wenn das mal keine anständige Referenz ist, weiss ich es auch nicht. Offenheit und ein extrem ausgeprägter Trieb zur Abwechslung scheint ohnehin bei den Brainless Wankers zum Pflichtprogramm zu gehören - und genau das macht diese Platte auch eigentlich aus.

Bleibt nicht mehr allzu viel zu sagen, als vielleicht Folgendes: Wer mal etwas anderes - ausser den üblichen drei Akkorden - hören will, und wen dieses abgefahrene Trompeten-Ding nicht abschreckt, der sollte bei Gelegenheit einfach mal ein Ohr auf die Brainless Wankers werfen...

Website: Brainless Wankers

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Rating: 80%
 

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