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Emil Bulls - Der schwarze Pfad
Geschrieben von: Dark   
Emil Bulls - Der schwarze Pfad
 
Es rappelt in der Stromgitarren-Kiste und zwar gewaltig! Die Emil Bulls melden sich jetzt frischer und brutaler denn je mit dem neuen Album The Black Path zurück. Eine gute Gelegenheit um sich mal bei Gitarrist Chrissy nach dem Status Quo zu erkundigen. Hallo und willkommen zum Verhör...

ImageND: Das härteste Emil Bulls Album ever kommt am 04.04.08 in die Läden. Wie fühlt man sich mit einem solch brachialem Stück Musik in der Tasche, und was sind für dich rückblickend die Meilensteine in der Entstehungsgeschichte dieses Albums?

EB: Wir fühlen uns grossartig! Als wir anfingen die Songs für die Platte zu schreiben, da kamen wir gerade von einer langen Akustik-Tour zurück und sind direkt ins Allgäu gefahren. Dort kamen wir in eine Hütte im Nirgendwo an, haben die Stube dort ausgeräumt und unsere Amps, die wir lange nicht mehr benutzt hatten, aufgebaut. Da hat es uns so umgehauen, endlich wieder Lärm machen zu können, laute Drums, verzerrte Gitarren zu hören und einfach draufzuhauen. Das war der Hammer! Das es am Ende so hart wurde, war nicht geplant, sondern kam einfach so aus uns raus. Anscheinend hat uns die Akustiksache gut getan, um in alter Frische uns neu zu erfinden.

ND: Zum Schreiben der Stücke hat euch die selbstgewählte Isolation in der Bergwelt des Allgäus offenbar sehr gut getan. Erzähl doch mal ein paar Geschichten von der Hütte...

EB: Das ist nicht so einfach. Ich kann mich an das Allgäu gar nicht mehr so genau erinnern. Wir waren in einem schwarzen Loch, aus dem wir nach gut zwei Wochen wieder rauskamen und uns selber über uns und die neuen Songs gewundert haben. Vor allem, weil alles ziemlich aus dem Bauch raus geschrieben wurde. Das einzige an das ich mich erinnern kann, sind die Schafe, die um die Hütte herum weideten. Ansonsten waren ne Menge Fliegen, viele Räusche und Grillfleisch an der Tagesordnung.

ND: Zwischen der Entstehung der Songs und den Studio-Aufnahmen ist ja doch noch ein wenig Zeit vergangen. Was hat denn da solange gedauert und wo genau lagen die Schwierigkeiten?

EB: Wir mussten erst mal die Ideen sammeln und selber verstehen lernen. Die Sachen waren für uns selber erst mal ungewohnt, aber wir fanden sie geil und wollten das Beste raus holen. Ehrlich gesagt, hab ich selber nicht damit gerechnet, dass die Platte jetzt wirklich rauskommt und am Ende ging es eigentlich Schlag auf Schlag.

ND: War dieser brettharte Sound von euch auch ursprünglich so geplant, oder spielte die Zusammenarbeit mit Benny Richter und Jakob Bernhart hier noch eine massgebliche Rolle? Warum habt ihr gerade diese beiden Leute ausgewählt, und wie kam es überhaupt zu der Zusammenarbeit?

ImageEB: Die Songs haben das einfach hergegeben und als wir sie einem Freund von uns vorspielten, meinte er: "Krass, ihr hört Euch so frisch an wie damals zu Angel Delivery Zeiten." Damals haben wir auch einfach gesagt, es muss krass und fett sein. Da wussten wir, dass wir den Jakob als Engineer haben wollten. Das stand schon fest, bevor wir uns für einen Produzenten entschieden haben. Benny kannte unser Demo und ich hab ihn auf der Popkomm kennengelernt, wo wir zusammen abgestürzt sind. Da fiel kein einziges Mal irgendein typisches Musikbusiness Wort. Wir verstanden uns einfach gut. Und da er musikalisch ne Menge drauf hat, war er der Mann, den wir haben wollten. Der harte Sound war schon da und wir haben jemanden gesucht, der die Härte drin lassen kann und gleichzeitig aber alles was musikalisch rauszuholen ist, rausholt. Das ist ja auch das typisch Emil Bulls mässige: Schön und hart.

ND: Ein neues Label ist ja gleich auch noch am Start. Was gibt es über die Kooperation mit Drakkar zu berichten?

EB: Bis jetzt machen sie gute Arbeit. Wir haben ja schon so viele Labels gehabt, dass ich nichts mehr vor dem Abend loben will. Aber sind sie cool und konzentrieren sich auf das, was sie können, nämlich ihre Labelarbeit. Und sie fanden die Platte gut, sonst hätten sie keinen Grund gehabt, was mit uns anzufangen. Das ist natürlich schon schön so.

ND: Euer derzeitiger Sound und die neuen Stücke vereinen so viele Elemente aus den unterschiedlichsten Metal- bzw. Rock-Subgenres, aber The Black Path klingt dennoch wie aus einem Guss, ist prägnant und verdammt eigenständig. Zufrieden damit?

EB: Auf jeden Fall! The Black Path zeigt uns als Band, dass wir immer noch überraschen können und unser Zeug machen können, wie wir es wollen. Wir sind nicht wegzukriegen und wer sich mit der Band beschäftigt, weiss, wie facettenreich das ganze Spektrum der Emil Bulls ist.

ND: Gab es während der Produktion des Albums auch Momente, in denen ihr nicht mehr so genau sagen konntet, was ihr da eigentlich letzten Endes auf die Welt bringen werdet und wie die neuen Stücke letzten Endes angenommen werden? Hattet ihr eine Art objektive Qualitätskontrolle, wie z.B. externe Testhörer?

EB: Haha, wir hatten gar keine Zeit, um uns solche Fragen zu stellen. Aber deswegen haben wir ja auch einen Produzenten gesucht, der von aussen drauf schauen kann. Mehr gab es da aber auch nicht. Wir haben die Band sozusagen um zwei Leute erweitert, Jakob und Benny, und haben dann unser Ding gemacht. Das sollte auch reichen, wenn man den Anspruch hat, Musik so machen zu wollen, wie man sie selber fühlt.

ND: Mal ehrlich: Wer kam denn auf die Idee das Album The Black Path zu nennen und warum?

ImageEB: The Black Path stammt aus einer Zeile eines Songs, der es leider nicht auf die Platte geschafft hat, aber trotzdem viel für uns repräsentiert hat. Where have you been when I was lost on the black path again? Das passt einfach zur Entstehung und wie wir uns als Band gefühlt haben. Die Schreiberei im Allgäu war eine extreme Zeit, aus der auch viele Textideen kamen, die sich eigentlich alle um die dunkle Seite in uns allen drehen. Es geht um Tod, Rausch, Exzess, Hass und Wut. Da passt der schwarze Pfad einfach.

ND: Habt ihr Bedenken mit dem neuen Album einige Leute zu verschrecken, die euch z.B. erst seit eurer Platte The Life Acoustic kennen, oder freut ihr euch eher über das zu erwartende neue Klientel aus der Metal-Fraktion?

EB: Wenn wir uns über so etwas Gedanken machen würden, dann gäbe es die Band schon lange nicht mehr. Weisst Du, wenn Du allen Gefallen willst, dann bist Du irgendwann keinem mehr wichtig, weil Du beliebig und egal wirst. Deswegen bringt es auch nichts, wenn Du was Gefälliges machst. Klar freut es einen, wenn viele Leute das mögen, was Du machst. Es wäre Quatsch, das Gegenteil zu behaupten. Aber wenn wir eine Platte machen, dann wollen wir sie so machen wie wir sie für gut befinden. Da kann man nicht drauf schauen, wie sie ankommen wird oder ob sie jemanden verschreckt. Und ob jemand aus der Metal Fraktion neu dazu kommt, das will ich erst mal sehen. Ich freu mich über jeden, der uns respektiert und sich mit der Band beschäftigt.

ND: Bei aller Härte habt ihr noch immer das gleiche Faible für grossartige Melodien wie auf den früheren Alben. Christoph schreit sich in einem Moment die Seele aus dem Leib, nur um kurz darauf ein melodisch-episches Pathos wie in All In Tune With The Universe hinzulegen. Liebt und lebt ihr die grossen Gesten des Rock'n'Roll?

EB: Logo, Posen muss sein! Es macht auch saumässig Spass. Emil Bulls bestand schon immer aus zwei Seiten: Der harten und der episch grossen. Auf The Black Path haben wir beide Seiten noch weiter ausgereizt. Ich bin gespannt, was uns das nächste Mal einfällt, hahaha...

ND: Wie waren die ersten Reaktionen als ihr den Song To End All Wars in's Netz gestellt habt und was waren die markantesten Kommentare zu dem Stück?

EB: Das war witzig, weil das ja immer ein grosser Moment für einen ist, wenn Du weisst, die Leute hatten noch nicht mal die Möglichkeit, den Song irgendwo aus dem Netz zu ziehen, weil nur acht Leute eine CD haben, wo der drauf ist. Und dann stellst Du ihn online und wartest, was passiert. Wir wurden sozusagen überrannt. Bis jetzt waren alle Kommentare auf MySpace super. Von "hey, endlich wieder so geil wie früher" bis "bei jedem neuen Album geil" und "die neue Härte steht Euch gut" war eigentlich alles dabei. Ich finde es grossartig.

ImageND: Eurer Video The Most Evil Spell beschreibt eine ziemlich wilde Live-Performance. Kann man sich so eure Konzerte so ungefähr vorstellen oder passte dieses Konzept für euch einfach am besten zur Stimmung des Songs? Wo habt ihr das Teil aufgenommen?

EB: Das ist live bei uns auch so. Die Fans, die da waren, kommen ja auch alle auf unsere Konzerte und sind beim Video nicht anders abgegangen als wenn wir irgendwo spielen. Wir haben in unseren Proberaum geladen und am Sonntag früh um 12:00 standen 70 vom Vorabend gekennzeichnete Fans vor der Tür und schlurften bei uns rein. Da stand dann diese unmotivierte Meute und sollte abgehen. Bevor es losging, dachte ich noch, oh mein Gott, das kann was werden. Und dann ging es los und die sind alle so abgegangen, dass ich erst mal völlig vergessen hatte, zu spielen. Es war der Hammer.

ND: Ist der Text von The Most Evil Spell eigentlich autobiographisch oder eher fiktiv, und wie sieht es mit den anderen Album-Texten aus?

EB: Christophs Texte sind sehr persönlich, mal autobiografisch und mal fiktiv. Bei The Most Evil Spell geht es darum, dass man jemandem den schlimmsten Fluch an den Kopf werfen kann, den es gibt. Und der Fluch "Du wirst von niemanden mehr geliebt werden" ist so mit das fieseste, was man sich vorstellen kann. Das wirklich fiese an dem Song ist aber eigentlich, dass die Chorusmelodie ja sehr schön und nett ist, der Text aber genau das Gegenteil. Das ist wie, wenn die Melodie Dich ganz freundlich in den Schwitzkasten nimmt und der Text Dir dann eine reinhaut.

ND: Was gibt es beispielsweise zu eher ungewöhnlichen Song-Titeln wie Wolfsstunde oder 10050 zu sagen?

EB: Wolfsstunde sagen die Schweden zur Nachtzeit zwischen 03:00 und 04:00 Uhr. Da wird dann auf den Leitwolf angestossen, und davon handelt auch der Song. Um den Alphawolf, der Dich mitnimmt in eine exzessive Nacht. 10050 ist die Hausnummer, in dem die Manson-Morde geschehen sind, und es geht um den Teufel als solchen und im besonderen natürlich auch.

ND: Was ist dein persönlicher Lieblings-Track auf The Black Path und warum?

EB: Das wechselt gerade immer. Aber wenn Du mich festnageln willst, dann würde ich grade Pledge Allegiance To The Damned sagen.

ND: Freie Assoziation: Kannst du bitte ein kurzes Statement zu jedem der Tracks auf The Black Path geben? Ein Wort oder einen Satz - was auch immer dir gerade dazu einfällt oder was du mit dem jeweiligen Song verbindest:

EB:
The Black Path (Intro): Stammt - so wie es auf Platte ist - vom Demo, wo Christoph und ich mit der Gitarre wirre Töne produziert haben.

To End All Wars: Knallernummer, geraderaus, auf die 12.

The Most Evil Spell: Ist betrunken entstanden. Christoph und ich haben eine befreundete Band angeschaut, die gleich bei uns am Proberaum um die Ecke gespielt hat. Danach sind wir in den Raum und haben gejammt. Ein Glück, dass wir den nicht wieder vergessen haben.

All In Tune With The Universe: Eine Hymne!

Pledge Allegiance To The Damned (The Unseen One): Wer sich mal auf die Instrumente konzentriert, merkt, dass sich eine Linie durch den Song zieht. Ganz schön ausgefuchst, hahahaha.

Wolfsstunde: Noch ein Bier bitte.

Nothingness: Am Anfang ziemlich unausgereift ist das der Song, der während der Aufnahmen am meisten gewachsen ist, ...und vielleicht sogar mein Lieblingssong, wenn ich vorher nicht schon gesagt hätte, dass das immer wechselt.

Collapsed Memorials: Erinnert mich aus irgendeinem Grund immer an einen einsamen italienischen Brunnen.

Close To The Wind: Moiks bestes Solo ever ist hier zu hören.

Worlds Apart: Der Song, bei dem es sich am meisten gelohnt hat, den Benny mit im Boot zu haben.

Pure Anger (The Hex): Purer Hass einfach!

10050: I’m here to do the devils business.

Cigarette Scars: Auf die 12.

Glad To Be With You Again: Das versöhnende Ende nach all dem Wahnsinn und der Wut. Guns n’ Roses hätten hier wohl noch ein paar Regen Sounds mit rein getan.

ImageND: Zwischen dem neuen Material und eurem Unplugged-Album liegen Welten. Die Emil Bulls haben ganz offenbar Spass daran sich neu zu definieren und für überraschte Gesichter zu sorgen. Zudem liegt eure Messlatte inzwischen ja verdammt hoch: Womit gedenkt ihr denn eine solche Vorlage zukünftig zu toppen?

EB: Das frag ich mich auch! Im Ernst, darüber mach ich mir noch keine Gedanken. Wir werden auf jeden Fall uns wieder zurückziehen, verschliessen irgendwo im Nichts und so viel wie geht aus uns rausholen. Wir planen das ja nicht. Das ist nicht unser Ding. Wir lassen das raus, was in uns steckt, und wenn wir das gut finden, dann machen wir das auch. Was da noch kommen wird, weiss niemand, aber das ist ja das Spannende an allem. Mal geht's auf und dann wieder bergab. Wir haben schon so viel gesehen und erlebt, so viele sind auch schon wieder weg, aber wir lassen uns bestimmt nicht aufhalten. Jetzt geht’s erst mal auf Tour, wo wir s richtig krachen lassen werden. Das wird der Knaller, ich freu mich drauf.

ND: Was macht deiner Meinung nach die Emil Bulls als Band und musikalische Einheit aus?

EB: Wir sind als Gruppe verdammt stark. Wir wissen, was wir machen wollen und da haben wir ne Menge Spass dran. Spass und die Liebe zur Musik, das ist es, warum wir das alles machen.

Herzlichen Dank für das Interview - wir sehen uns dann auf eurer Tour irgendwo zwischen Bühne und Mosh-Pit!

EB: Ich hab zu danken. Servus...
 
Photos © Severin Schweiger
 
Website: Emil Bulls
 

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