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P.O. Box - ...And The Lipstick Traces
Geschrieben von: Dark   
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P.O. Box - ...And The Lipstick Traces

VÖ: 02.11.2007

Mann, selbst wenn man nicht gerade ein Wahnsinnsfreund von Ska ist, haut einen dieses Gebräu mit seinem satten Punkrock-Einschlag wohl ohne Zweifel einfach um. Mit rund 300 absolvierten Konzerten sind die sechs Franzosen in ihrer Heimat wohl schon so etwas wie Routiniers - hierzulande aber leider ein noch eher unbeschriebenes Blatt. Gut Ding will Weile haben: Deshalb hat es wohl auch ganze sechs Jahre gedauert, bis die Band - nach einer EP, einer Split und einer Live-CD - ihr erstes Studioalbum an den Start gebracht hat: Aber egal, denn ...And The Lipstick Traces wird nun via Long Beach Records veröffentlicht und kommt am ehesten einem Dietrich gleich: Mit dieser dreizehn Tracks umfassenden Geheimwaffe im Gepäck wird sich in Zukunft sicherlich die eine oder andere Tür für P.O. Box spielend leicht öffnen lassen. Zu dieser Erkenntnis gelangt man spätestens nach dem Genuss der ersten drei Nummern: Ska ist ja schön und gut, aber schon der dynamische Opener N.C. lässt erahnen, dass eigentlich Punkrock die allumfassende Grundessenz für den Sound dieser Band sind. Das hat den Rhythmus der Karibik und die Eier vom Punk! Nicht wesentlich anders sieht es bei den folgenden beiden Krachern Death Promises Me A Better Place und God Blasts America aus. So hat man sich wohl Jamaika on Speed vorzustellen - eine Welt wie sie sein sollte! Erst bei Would It Be Yours wendet sich da Blatt schon eher zu Gunsten des Ska wie wir ihn kennen, aber ohne einen punkigen Offbeat-Refrain wollen P.O. Box die Sache nicht auf sich beruhen lassen. Rock on! Mit Music Has Taken A Backseat To Haircuts gönnt man sich und dem Zuhörer danach zwar eine kleine Pause, aber nur, um in Anschluss daran bei Chalk It Up To The Experience wieder volle Fahrt aufzunehmen.

Halbzeit. Wer an diesem Punkt angelangt ist und es nicht inzwischen besser weiss, könnte auch vermuten, dass P.O. Box zu dem Kreis der üblichen Verdächtigen wie den Mad Caddies oder den Bouncing Souls gehören, die sich auf Labels wie Fat Wreck Chords und Epitaph Records die Klinke in die Hand geben. In Sachen Perfektion und Klasse stehen die Franzosen diesen jedenfalls in Nichts nach. Respekt, aber da man ja bekanntermassen den Tag nicht vor dem Abend loben soll, gilt es ja noch einige Hürden zu meistern: Auch die oft zu Recht gefürchtete zweite Hälfte der Platte gestaltet sich abwechselungsreich und man gibt - abgesehen von einigen ruhigeren Passagen - generell weiterhin Vollgas. Look What You Have Done erfreut einen da in punkrockiger Manier mit schönen Singalongs, die sich auch Rancid nicht hätten besser ausdenken können. Auch bei Little Boy gilt die Devise, dass Ska-Strophen sich mit straighten Punkrock-Refrains einfach wunderbar kombinieren lassen, während Everyb'Addict dagegen sogar gleich mehrfach an die frühen Millencolin erinnert. Schön! Und ganz nebenbei bemerkt: Als nicht allzu selbstverständlich sollte man die Tatsache bewerten, dass die Combo auch textlich noch für einige Überraschungen gut ist. Kritisch, reflektiert und trotzdem Spass dabei - so haben wir das gern! Ein Anspieltipp ist der Rausschmeisser Make Up/Wake Up!, dessen Basslauf und ungebremste Energie auch den Songs von NOFX zur Ehre gereicht hätten, und der darauf folgende Hiddentrack rundet schliesslich dieses Paket endgültig ab. Kurz gesagt man bekommt auf ...And The Lipstick Traces von Allem, was man sich von einer amtlichen Ska-Punk Kapelle erwartet, mehr als genug geboten. Alles was Recht ist: Long Beach Records hat mit P.O Box einen echt fetten Fisch an Land gezogen, der übrigens auch Live eine exzellente Figur macht. Da bleibt hier zum Schluss eigentlich nur noch Eines zu sagen: Allez les bleux!

Website: P.O. Box

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Rating: 80%
 

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