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Former Cell Mates - Who's Dead And What's To Pay
Geschrieben von: Dark   
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Former Cell Mates - Who's Dead And What's To Pay

VÖ: 14.05.2008

An Selbstvertrauen mangelt es den Fomer Cell Mates ganz sicher nicht. Als selbsternannte Ikonen des Regressive Rock Movements stehen die vier Musiker jedenfalls seit 2002 in der Pflicht diesen Titel gegen jeden Möchtegern-Rocker zu verteidigen. Seit ihrem 2005 erschienenen Album Hustle hat sich die britische Band in so ziemlich jeder willigen Kaschemme den Arsch abgespielt und ihren rauen und ziemlich alkoholgeschwängerten Sound weiter kultiviert. Da haben wir auch gleich zwei ganz hervorragende Adjektive, die hier eigentlich die Sache auf den Punkt bringen. Oder um es mit den Worten von Sänger und Songwriter David Lee Burdon zu sagen: We get drunk, make music and don't mean to sound so sad ... it just turns out that way. Ein solch dreistes Understatement verdient einfach Respekt, denn was die Former Cell Mates mit der neuen Platte Who's Dead And What's To Pay abliefern - ist gelinde gesagt - weit davon entfernt "nicht so schlecht zu klingen". David Lee Burdon, der früher übrigens seine Brötchen bei Leatherface verdient hat, weiss offenbar sehr genau wovon er redet. Die Kollaboration mit David Lyon von den Coyote Men, Neil Basset von den Golden Virgins und dem Neuzugang Greg Robson, der zuvor bei den Harcore Thrashern von The Mercury League spielte, war wohl dann auch mit das Beste, was den Former Cell Mates passieren konnte.

Bei den elf Songs dieses Longplayers hat sich das Quartett dann förmlich selbst übertroffen. Stilistisch spielen die Former Cell Mates ganz eindeutig in einer Liga mit Hot Water Music oder The Draft. Kompromissloser Rock'n'Roll mit melodischen Punk-Einflüssen der guten Art. Der Opener Party Tricks weist den Weg, rotzig-röhriger Garagenrock mit grossartigem Refrain und einer Reibeisen-Stimme, die sogar leicht an Lemmy von Motörhead erinnert. Das macht Laune auf einen Kasten Bier und geht mitten auf die 12! Auch das nicht weniger (punk-) rockende Always steht dem beeindruckenden ersten Track quasi in Nichts nach, sodass die Erwartungskurve schnurstracks weiter gen Himmel steigt. Mit Come January wechselt man dann zwar in ruhigere, aber zugleich noch viel melodischer Gefilde, und die Ahnung verdichtet sich allmählich, dass in dieser Band ein noch weit grösseres Potential schlummert. Put the soul into Rock'n'Roll liest man hier in der beiliegenden Info, und spätestens bei der vierten Nummer Here's The Pretty Girls weiss man auch, was damit gemeint ist. Die Band offenbart ihre raue und grundehrliche Seele, und man spürt: Das ist echt und ohne Umschweife einfach geradeaus. Rock'n'Roll in seiner unverfälschtesten Art. Das folgende Stück Adverse Chamber zieht dann schon beinahe in bester Queens Of The Stone Age Manier über einen her, bevor ein blues-lastiges Child Proof Cap den Bogen eher in Richting Singer/Songwriter spannt, während sich nun sogar ein leicht countryeskes Gefühl einstellt. Dies dient - wie sich kurz darauf bei Does He Make You Laugh? zeigt - offenbar als tatsächlich als eine Art Intro. Ein atmosphärisch perfekt inszenierter Folk-Song, bei dem man sogleich seinen Truck aus der Garage holen möchte, um sich auf den nächstbesten Highway zu begeben. Why Would You Pray For Me? ist dann wieder so ein Gassenhauer, der vor Melodie nur so strotzt - grandios zweistimmiger Gesang, der von sehr entspannten Gitarren-Hooks flankiert wird, und dessen ein Finale viel zu schnell vorbei ist.

Während vielen Alben nach der ersten Hälfte schon deutlich die Luft ausgeht, legen die Former Cell Mates auf Who's Dead And What's To Pay hier sogar noch einen nach, und beim straight durchgerockten Gypsy's Curse angekommen, zieht die Band das Tempo hier noch einmal richtig an. Unglaubliche Hook, Stakkato Riffs, geradeaus gespielt macht die Band keine Gefangenen - der Song spricht für einfach sich selbst und geht nicht mehr aus dem Ohr. Zwei absolute Hits hat man sich sogar noch für ganz zum Schluss aufgehoben: Für Songs Stolen Car Keys und I'm Sorry, Lucy sind dermassen grossartige Stücke, dass man sich hier einfach nur reinsetzen möchte! Zwei wunderbare Balladen über das Leid und den Abschied, die einen gleichzeitig das erstaunliche breitgefächerte Spektrum dieser Band erkennen lassen, während über allem mal wieder diese wahnsinnig markante Stimme schwebt. Überhaupt klingen die Former Cell Mates weniger wie eine britische, sondern eher wie eine amerikanische Kapelle. Wollte man dies alles in einem Wort zusammen fassen, dann wäre der Begriff authentisch wohl zutreffendsten. Mit der wärmsten Empfehlung an diese Welt, darf diese Platte wohl ohne Untertreibung als eine der grossen Veröffentlichungen des Jahres 2008 gelten. Sollte er jemals weg gewesen sein, dann ist der Rock'n'Roll hiermit definitiv wieder zurück gekehrt. Respekt für soviel schnörkellose Gradlinigkeit in Verbindung mit solch wunderbarem Songwriting!

Website: Former Cell Mates

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Rating: 90%
 

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