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NoiseDivision

Hot Water Music (Substage, Karlsruhe)
Geschrieben von: Dani   

08.05.2008 / Hot Water Music (Substage, Karlsruhe)

Es gibt Bands, da nimmt man eine Auflösung mit einem kleinen Seufzer hin oder man stellt einfach einmal mehr resignierend fest, dass eben jede gute Combo irgendwann ihr Ende findet. Als aber 2006 bekannt wurde, dass Hot Water Music ab sofort nicht mehr zusammen auf der Bühne stehen werden, brach für die gesamte Hörerschaft der Jungs aus Gainesville eine kleine Welt zusammen. Klar - offiziell lautete das ganze längere Schaffenspause, aber wenn man Interviews mit den einzelnen Mitgliedern las, verblieb wirklich nur wenig Hoffung, dass die vier jemals wieder zusammen Gas geben würden...

ImageUmso lauter war das allgemeine aufatmen, als die Meldung die Runde machte, dass wirklich drei neue Termine in Deutschland anstanden. Unter anderem in Karlsruher Substage. Ist ja gleich um’s Eck, aber auch wenn das einzige Konzert am letzten Arschzipfel Deutschlands gewesen wäre: Ich wäre hin! Einfach weil diese Band doch immer ein bisschen besonderer ist als die meisten anderen. Die Tatsache, dass HWM wirklich nochmal im legendären Substage aufspielen, machte die Sache dann eigentlich nur noch romantischer. Ganz sicher einer der besten Clubs in Deutschland ist die umgebaute U-Bahn Station, bei der die Musiker auf der Bühne nicht hochspringen können, weil sie sonst mit dem Kopf in der (immerhin mit Styropor geschützten) Decke stecken würden. Der Laden hat einfach einen unglaublichen Charme und umso trauriger ist es, dass er noch dieses Jahr in eine neue Location ziehen wird.

ImageVor dem Club standen schon (noch?) massig Leute, die wie ich heute zu den Vollpfeifen gehörten, die sich zu schade waren die drei Vorbands Rekorder, The Grit und Scouts Honor anzusehen. Nicht, dass da ein falsches Bild entsteht: Ich schaue mir sehr gerne neue Bands an und bin eigentlich immer zur ersten Band im Saal, aber heute ging es wirklich einzig und allein nur darum den alten Helden zuzuhören und ich verzeihe mir das ausnahmsweise mal. Unten dürfte trotzdem bei jeder Gruppe genug losgewesen sein, da das Konzert seit Wochen ausverkauft war und glücklicherweise genug Leute Bock auf mehr als nur eine Band hatten. Irgendwann ging dann das Licht aus, die Jungs kamen völlig unspektakulär, aber unter grossem Jubel mit einem Lächeln auf die Bühne, Chuck Ragan raunte sein freudiges und typisches Hello friends, how’s everybody doing this eve? in’s Mikrofon und los ging’s...

ImageDa standen sie also nun, und nicht wenige im Raum dürften sich gefragt haben, warum sie überhaupt jemals weg waren: Song für Song spielten die Männer aus Florida mit einer unfassbaren Leidenschaft und sichtlichem Spass herunter, und das Publikum dankte es ihnen mit mindestens ebenso grosser Begeisterung: Spätestens beim zweiten Song Wayfarer waren wirklich alle Fäuste in der Luft und auch die letzten Stimmen am mitgröhlen. Sogar Gitarrist und Zweitsänger Chris Wollard, der auf der letzten Tour mit The Draft vor ca. einem halben Jahr noch recht fertig bis verwahrlost aussah - und zumindest bei der (wundervollen) Show in Berlin hoffnungslos betrunken war - sah aus wie neugeboren und hatte sogar des öfteren ein breites Lächeln im Gesicht. Setlist-mässig war auch so ziemlich alles dabei, was man sich wünschen kann: Neben Remedy, Trusty Chords, Paper Thin oder God Deciding gab es auch Rooftops und A Flight And A Crash zu hören. Schön auch, dass sie zu dem Songs von ganz früher bis heute spielten. Einzig auf einen Track der grandiosen Split mit Alkaline Trio wartete man leider vergeblich.

Wie lange das Konzert genau ging, weiss ich nicht mehr. Wahrscheinlich auch weil das überhaupt nicht wirklich wichtig war. Wichtig wäre nur, dass uns diese Band mit ihrer ehrlichen und vor Herzblut nur so triefenden Musik, die auf jede Art von Pubklikumsanimation verzichten kann, ohne dass auch nur irgendjemand irgendwas vermisst, noch eine Weile erhalten bleibt... Als Fazit des Abends könnte man sagen, dass die Seitenprojekte The Draft oder Chuck Ragan Solo sicherlich ebenfalls grossartig sind, aber Hot Water Music bleibt eben Hot Water Music und den völlig durchgeschwitzten Leuten konnte man beim Verlassen des Substage ansehen, dass einem ein Konzert dieser Band die Welt bedeuten kann.

Photos © Achim Casper

 

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