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Billy Talent - II
Geschrieben von: Dark   
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Billy Talent - II

VÖ: 23.06.2006

Fast drei Jahre hat es gedauert bis Billy Talent nun endlich ihr zweites Studio-Album veröffentlichten. Nach einem Debüt, dass damals ziemlich hohe Wellen schlug und die Band in die internationale Liga katapultierte, ist die Erwartungshaltung natürlich allerorts schon immens hoch. Klar, dass sich jeder nach dieser Hammer-Vorlage aus dem Jahr 2003 fragt, ob das neue Album nun Veränderungen zum Guten oder eher zum Schlechten mit sich bringt. Oder ist es einfach nur irgendwie anders? Deshalb zunächst mal eines vorab: Billy Talent sind nach wie vor noch Billy Talent! Die Stimme von Benjamin Kowalewicz ist immer noch so wunderbar hysterisch und die Gitarren-Riffs von Ian D'Sa rocken unverändert komplex und hitverdächtig durch die Songs. Auch Bassist Jon Gallant und Drummer Aaron Solowoniuk sorgen auch weiterhin für den typisch treibenden Rhythmus der Band.

Aber es hat sich etwas verändert ...die dreizehn Nummern, die man auf Billy Talent II zu hören bekommt, spiegeln die Weiterentwicklung der Band wieder: Die Songs sind differenzierter geworden, als es noch auf dem Debüt der Fall war. Ja, sie rocken noch wie eh und je, aber es gibt jetzt auch viel mehr auf einer neuen emotionalen Ebene zu entdecken. Während früher vorwiegend Wut als Motor fungierte, werden nun emotional auch die verletzlichen Seiten offenbart - ohne die Nummern in einer kitschigen Ballade enden zu lassen. Rythmisch und musikalisch deckt dieses Album eine viel grössere Bandbreite ab, und besonders textlich hat dieser Longplayer einige bemerkenswerte Feinheiten zu bieten.

Die beiden bereits vorab veröffentlichten Tracks Devil In A Midnight Mass und Red Flag sind auch gleich die beiden ersten Stücke auf Billy Talent II, und zeigen dem geneigten Hörer gleich mal wo der Hammer hängt - das sind Hits zum mitschreien für alle die so laut und hoch singen können wie Ben! This Suffering nimmt anfangs zwar ein wenig das Tempo heraus, ist aber ansonsten ein sehr typischer Billy Talent Song, und zieht zum zweistimmigen Refrain wieder sauber an. Worker Bees fällt rythmisch vollkommen aus dem gewohnten Rahmen - Armeen marschieren in meinem Kopf - und erst der Refrain bringt das eigentliche Hitpotential dieser Nummer zum Vorschein (Ben und Ian glänzen mal wieder nebenbei als das perfekte Gesangsduo).

Langsamer und beinahe melancholisch-poppig kommt Pins And Needles daher - hier zeigt die Band wieder eine dieser neuen Facetten, die auch viel persönlichere Einblicke in die Gedankenwelt von Sänger Ben gewähren. Das daran anschliessende Fallen Leaves ist wieder so ein Stakkato-Mitgröhl-Hit wie man ihn von den vier Kanadiern kennt und mag, mit einem bissigen Gesang der mich immer wieder an einen Pittbull erinnert. Mit Where Is The Line? haben Billy Talent dann den ersten echten Popsongs am Start, der sich aber - trotz dieser Ungewohntheit - wie schon die voran gegangenen Nummern sofort im Hirn festsetzt.

Covered In Cowardice fängt ähnlich melancholisch und düster an wie Pins And Needles, wartet dann aber im Verlauf mit einem wunderbar aggressiven Gesangsduell auf. Ähnliches gilt auch für den in der Grundstimmung zwar wesentlich ruhigeren Song Surrender, der aber nach hinten mindestens genauso abgeht wie die beiden Vörgänger. Der The Navy Song fällt bis zu diesem Hammer-Refrain mal wieder ein wenig aus dem üblichen Rahmen, und entpuppt sich dann aber schliesslich als einer der gemeinsten Ohrwürmer auf der gesamten Platte - textlich dreht es sich um Krieg, Tod, Trennung ...und das - wie könnte es bei dem Song-Titel anders sein - aus der Sicht eines Matrosen. Laut Aussage von Benjamin Kowalewicz hat er selbst hierfür wahnsinnig viele Briefe aus dem zweiten Weltkrieg gelesen, die die Soldaten an ihre Familien geschickt haben, und einer dieser Briefe wurde dann schliesslich zur Vorlage für eben diesen Text...

Nachdem man diesem sehr emotionalen Song noch nicht wirklich verdaut hat, gibt es dann mit Perfect World auch gleich wieder einen direkt in die Fresse ...ein zügiger Kopfnicker-Hit, der - nachdem er zugeschlagen hat - einfach nur straight an einem vorbei zieht. Mit Sympathy und Burn The Evidence bahnt sich dann langsam aber sicher das Ende dieses Langspielers an. Es wird zwar behutsam einen Gang zurück geschaltet, ohne aber den Druck bei diesen Songs zu verlieren ...dann folgt Stille.

Fazit: Die Wartezeit hat sich also gelohnt, denn insgesamt findet sich auf dieser Platte nicht ein einziger Song der schlecht oder mittelmässig zu nennen wäre. Das Gespür für Ohrwürmer und die Komplexität der Songstrukturen sind noch wesentlich verfeinert worden. Billy Talent rocken wieder und weiter, nein falsch: Diese Band hat einen Schritt nach vorne gewagt und ist dadurch einfach noch besser geworden ...deshalb gilt: Aufatmen und Entwarnung für alle die befürchteten, dass das Debüt-Album zu einer verdammt grossen Hürde für diese Band werden würde ...Klassenziel erreicht mit Auszeichnung, würde ich das nennen!

Website: Billy Talent

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Rating: 90%
 

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