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Your Favorite Enemies
Geschrieben von: Dark   
Your Favorite Enemies
 
Normalerweise hört man einen Song, beginnt sich dann für die Band dahinter zu interessieren, und findet dabei vielleicht noch ein oder zwei interessante Facts heraus. Im Fall von Your Favorite Enemies ist aber speziell die Biographie von Frontmann Alex Foster ziemlich interessant, so dass man eher das Gefühl bekommt, dass es sich um das Drehbuch zu einem Film handelt.

ImageAber fangen wir mit der Musik an, und die schlechte Nachricht gleich vorweg: Von Your Favorite Enemies gibt es derzeit nur ein 5-Track-Demo, das man bestenfalls auf Anfrage in Kanada beziehen kann! Aber, um das Ganze ein wenig zu relativieren: Das Debüt-Album ist bereits in Arbeit, und die fünf Stücke sind vielleicht wie folgt zu kategorisieren: Zweistimmiger Alternative Rock der schnelleren Art, der aber mit so vielen stilistischen Feinheiten veredelt wird, dass er sich dadurch wieder vom Gros der Masse abhebt. Der stimmliche Kontrast und das Wechselspiel zwischen Alex und Isabel machen dabei einen wesentlichen Teil der Songs aus. Ein Unterschied wie Tag und Nacht - passt aber wie Topf und Deckel! Und es fällt wirklich schwer sich den extrem melodischen Gesangslinien der beiden zu entziehen. Auf der anderen Seite wäre da noch die Instrumentalabteilung, in der klassischen Formation mit Gitarre, Bass und Schlagzeug: Die liefern vorzugsweise schnelle straighte Beats, die meist von einer satten Gitarrenwand flankiert werden. Dazu einige wohlplatzierte Breaks, die zwischen durch mal ein wenig Tempo herausnehmen, um am Anschluss daran wieder die eine oder andere Stakkatogitarren-Salve abfeuern zu können. Your Favorite Enemies lassen in den Songs durchaus bewusst eine gute Portion Mainstream mit einfliessen, aber die fünf Tracks ziehen trotzdem ziemlich durch!

Your Favorite Enemies kommen aus Montreal. Alex Foster und Stephan Lemelin spielten bereits seit etlichen Jahren zusammen in anderen Bands. Die anfangs erwähnte Geschichte von Alex Foster ist aber wohl das Kernstück von Your Favorite Enemies, und spiegelt auch in den recht düsteren und reflektierenden Texte der Band wieder: Die Musik, Spiritalität und das Schreiben waren seit je her die Eckpfeiler seines Lebens.

ImageIn seiner Jugend trat er aber für gut fünf Jahre eher als sehr aktives Mitglied einer kanadischen rechtsradikalen Organisation in Erscheinung. Die Gründe dafür erscheinen wie aus dem Lehrbuch gegriffen: Schwierige Kindheit, häufige Schulwechsel, Probleme mit Autoritäten, Ablehnung, Orientierungslosigkeit, Aggression und Gewaltbereitschaft. Die Zugehörigkeit zu einer Gruppe wie dieser wurde dadurch zum perfekten Familienersatz, und während dieser Zeit arbeitete er an den Publikationen dieser Organisation mit und spielte Konzerte in den einschlägigen Locations. Durch seine bemerkenswerten Fähigkeiten als Anwerber für neue Mitglieder, konnte Alex schnell in der rechten Hierarchie aufzusteigen und die Gewalt wurde nun zu seinem täglichen Begleiter. Irgendwann wurde dieser permanente Zustand allerdings auch für ihn gefährlich, und er begann sich selbst und seinen Weg zu hinterfragen. Erst als Alex 18 Jahre war, gelang es ihm, nicht zuletzt mit Hilfe seines Vaters, dem rechten Dunstkreis zu entziehen. Es folgte eine Phase der Isolation, in der Alex sich wieder auf seine frühere Spiritualität besann, und infolge dessen nun neue Werte sein Leben bestimmten.

Er wurde schliesslich Sozialarbeiter, und über seinen Beruf lernte er Stephan kennen. Beide verband die Liebe zur Musik und beide arbeiteten im gleichen Beruf. Alex und Stephan wurden aktiv bei der Bekämpfung sozialer Misstände und von Diskriminierung. Unter anderem engagierten sie sich ab diesem Zeitpunkt gemeinsam für Amnesty International und Artist Against Racism. Als die sogenannten - und inzwischen auch hier bekannt gewordenen - rechten "Schulhof-Projekte" in Kanada starteten, bei denen an Schüler CDs mit rechtsradikalen Musik verteilt werden, gründeteten sie die Organisation Rock N Rights.

ImageAus ihrer ersten gemeinsamen Band The Riddlers - die bereits das Fundament für Your Favorite Enemies begründete - ging nach einer musikalischen Richtungsänderung schliesslich im Jahr 2004 In This Life hervor. Der Kontakt zu dem Manager Bob Luthala (u.a. I Mother Earth, Edwin und Mobile) öffnete der Band neue Türen und resultierte schliesslich in der Umbenennung zu Your Favorite Enemies. Dem neuen Anfang unter neuem Namen folgten etliche Konzerte in Kanada und den USA, bei denen Your Favorite Enemies angeblich eine ziemlich energiegeladene Bühnenshow bieten. Inzwischen laufen ausserdem die Vorbereitungen zum ersten Album und der äusserst umtriebige Alex, hat - neben seinem bereits oben erwähnten, sozialem Engagement - sogar an einer Dokumentation über die recht Szene in Kanada mitgewirkt. Alex erzählte mir auch noch ein wenig über die Schwierigkeiten, mit denen alle Band noch bis vor kurzem in der Gegend von Montreal zu kämpfen hatten: Der Grossteil der Bevölkerung kann nämlich schlichterweise als hardcore-frankophil bezeichnet werden! Dadurch war es bisher für englisch singende Bands extrem schwierig überhaupt an Gigs zu kommen. Glücklicherweise ändert sich dies aber gerade, so dass sich für alle Anhänger der zweiten Landessprache die Auftrittsmöglichkeiten aktuell immens erhöhen.

Aber wie auch immer sich die Lage dort weiter entwickelt: Your Favorite Enemies sind jedenfalls eine ungewöhnliche Band mit einem extrem charismatischen Frontmann, die ich wirklich gerne mal Live sehen würde...
 
Bandmitglieder:
Alex Foster (Vocals)
Isabel Foster (Vocals)
Stephan Lemelin (Guitar)
Jeff Beaulieu (Guitar)
Ben Lemelin (Bass)
Charles Allicy (Drums)
 
Empfehlenswerte Songs:
Midnight's Crashing
No Time Left
I Might Be Wrong
Little Sister
Open Your Eyes
 
 
Label: Hopeful Tragedy Rrecords
 

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