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(+44) und Itchy Poopzkid (Backstage, München)
Geschrieben von: Dark   

27.09.2006 / (+44) und Itchy Poopzkid (Backstage, München)

ImageIch musste mal wieder zur Tankstelle - Verzeihung, sollte wohl besser sagen ...zum Werksgelände. Man möge mir diese Verwechselung nicht übel nehmen, aber irgendwie verschwindet diese Assoziation nicht aus mehr meinem Kopf. Nicht gerade besser wurde es, als ich versuchte, einem Freund an diesem Abend den Weg zur Location telefonisch zu erklären. Da rutschte es mir wieder heraus: "Das Teil sieht aus wie eine überdimensionierte Tanke - ist nicht zu übersehen!" Was soll ich sagen? Er fand ohne Probleme dorthin... Aber zurück zum Thema: (+44) und die Itchy Poopzkid waren für diesen Abend als Show-Duo angekündigt.

Über die Itchys gibt es nicht mehr viel erzählen: Die Jungs sind ja im Backstage inzwischen schon zu Dauergästen geworden, bei denen man soliden Punkrock mit hohem Unterhaltungswert erwarten darf. Ganz anders sieht es bei (+44) aus. Bekannt ist zwar, dass sich hinter diesem Namen zwei Drittel von Blink 182 verbergen, aber wie sich die neue Formation Live schlagen würde, konnte man bis zu diesem Punkt nur erahnen... Während Tom DeLonge ja bereits Angels & Airwaves an den Start brachte, tauften die beiden anderen Ex-Blinker Mark Hoppus und Travis Barker ihr neues Projekt auf den schlichten Namen (+44) ...doch dazu später mehr.

ImageObwohl das Konzert, angeblich wegen des regen Andrangs, zum Werksgelände verlegt worden ist, war davon zu Beginn nur ungefähr die Hälfte zu spüren, ...aber dafür war es die richtige Hälfte! Itchy Poopzkid liessen zur Einstimmung das inzwischen berüchtige Intro Party Hard von Andrew W. K. erklingen, damit auch der letzte Anwesende das Motto der nun folgenden Veranstaltung begriff. Die Truppe entwickelt sich Live zunehmend zu einer echten Killer-Combo: Die Jungs haben einen Haufen Hits, die sie mit Vollgas von der Bühne herunter rotzen, und bestechen durch kleine Mono- und Dialoge oder gelegentlich auch durch interaktive Spielchen mit dem Publikum. Entertain me! So soll das sein - das ist Punkrock. Kurz gesagt: Itchy Poopzkid hatten ihre Leute auch diesmal wieder voll im Griff.

Einziges Manko war leider wieder einmal der Sound, der - wie bereits bei den voran gegangenen Veranstaltungen - zeitweise in eine richtige Quälerei ausartete. Es wurden diesmal sogar Vergleiche mit der lokalen Referenz-Halle in Sachen miese Akustik laut, dem Zenith. Aber damit ist wohl zu rechnen, wenn man mal eben so eine Werkstatt zu einem Konzertsaal umfunktioniert, ohne sich um die notwendige Beschaffenheit eines solchen zu kümmern. Poopzkid-Mischer Timo gab zwar wie üblich alles, aber diese Räumlichkeit verweist offenbar selbst den routiniertesten Sound-Profi gelegentlich in seine Schranken. Das hinderte Itchy Poopzkid natürlich nicht daran, den Mob vom Start weg sauber zu rocken, der dies mit dem gebührenden Jubel quittierte.

ImageNachdem die Menge ihr Warm-Up hinter sich hatte, wartet man gespannt auf den Headliner des Abend: (+44), die Band aus L.A., die sich Vorwahl von England auf die Fahne geschrieben hat. Jeder wie er mag! Noch vor dem ersten Ton frenetischer Applaus. Bereits beim Opener hörte man die Kinderstube dieses Quartetts schon laut und deutlich heraus: Es blinkte wie verrückt - guter Start, klasse Song, und ein breites Grinsen auf vielen Gesichtern. Travis ist seine eigene Rockshow ... nicht nur, dass Mr. Barker ein ganz phantastischer Drummer ist, sondern er bangt und zappelt auch in einer Tour hinter seinem Set, dass man sich unweigerlich fragt, ob das auf Dauer so gesund für die Wirbelsäule sein kann. Mark Hoppus turnt zwar auch ohne Unterlass über die Bühne, steht ansonsten aber ziemlich allein an weiter Front. Er hat einfach nach wie vor diesen umwerfend schelmischen Charme, interagiert permanent mit dem Publikum, und damit gewinnt Mark einfach jedes Publikum!

Man hatte allerdings manchmal das Gefühl, dass ihm sein alter Kollege Tom DeLonge ein wenig fehlte. Dieses gegenseitige Hochschaukeln und das zuspielen der Bälle zu nicht enden wollenden Wortgefechten, wie es zu Blink-Zeiten Tradition war, blieb dadurch natürlich aus. Überhaupt wurde im Verlauf des Konzertes alles ein wenig ruhiger, irgendwie sind (+44) eine melancholischere Variante von Blink 182. Zwar gab es zwischen durch immer mal wieder eine schöne rockige Uptempo-Nummer, insgesamt wirkte das Set aber doch nachdenklicher und weniger unbeschwert, als man es im Vorfeld vermutet hätte. Doch man kann sagen, was man will: Schöne Songs mit reichlich Melodie hat die Band auf alle Fälle zu bieten! Nach einer guten dreiviertel Stunde war dann aber auch schon alles vorbei, und wir trafen uns wieder, um das eben erlebte wie üblich zu besprechen.

ImageHier passierte es dann: Zuerst war es nur ein Gerücht, denn hinter vorgehaltener Hand wurde berichtet, dass Paris Hilton vor Ort sei, um Travis und Mark einen Besuch abzustatten. Frauenschwarm und Investigativ-Reporter Sibbi Poopzkid konnte uns dies schliesslich bestätigen, und freute sich bereits wie ein Schneekönig, bei dieser Gelegenheit einige ganz exquisite Bilder für sein persönliches Touralbum abgegriffen zu haben. Beim Verlassen der Halle ereignte sich dann noch ein weiteres schräges Highlight: Eine ziemlich grosse Menschenmenge versammelte sich am Backstage-Eingang, und versuchte wohl auch noch einen kurzen Blick auf die gute Paris zu erhaschen. Eine millionenschwere Prosecco-Ikone als Punkrock-Magnet?!? Verkehrte Welt, ich hatte dieses Punkrock-Ding von früher irgendwie anders in Erinnerung! Trotzdem, oder gerade deshalb, war es Alles in Allem ein denkwürdiger Abend, und die Rollen der beiden Gastgeber waren auch ganz klar verteilt: Der Rock für die Itchys und der Ruhm für (+44)...

 

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