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Billy Talent - Selftitled
Geschrieben von: Dark   
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Billy Talent - Selftitled

VÖ: 29.09.2003

Eine kanadische Band mit einem Album, das einen wie ein Vorschlaghammer tifft. Schon beim ersten Durchlauf wird klar: Das ist Punk - und zwar einer der richtig bösartigen Sorte. Die Stimme von Frontmann Ben Kowalewicz erinnert in ihrer teils hysterischen Art an den guten alten Yello Biafra. Die Stimme allein ist es aber dann doch nicht - was hier besonders auffällt, ist das wahnwitzige Gespür für eingängige Melodien, inklusive einem Haufen Singalong-Refrains - ein Himmel auf Erden für alle Shouter! Unterstützend dazu liefert die Gitarre von Ian D'Sa bei allen Songs perfekt integrierte Rythmus- und Lead-Parts ...und, als wäre das noch nicht genug, übernimmt er gleich auch noch die Arbeit des rotzig-rüffeligen Background-Sängers ...mein Gott, dieses Teil rockt in seiner Gesamtheit so dermassen, dass es eine reine Freude dieses Album zu hören!

Den Anfang macht das grandiose This Is How It Goes, und wie der Titel bereits ankündigt, weiss der Hörer dann auch bereits nach dem kurzen Gitarren-Intro was die Stunde geschlagen hat: Die Rythmus-Fraktion bereitet zielsicher alles und jeden auf einen urplötzlich bösartig herein brechenden Refrain vor, der alles in seinem Weg einfach platt walzt. Es folgt der Mitsing-Hit Living In The Shadows, der nach einem ähnlich bedrohlich-ruhigem Vorspiel ebenfalls wieder in einem hysterischen Refrain-Inferno mündet - schön ist hier die versetzte zweite Stimme, die dem Ganzen noch mehr Druck verleiht. Track Nummer drei (Try Honesty), scheint anfangs ein wenig dieser latenten Aggression heraus zu nehmen - dies ist aber, wie sich kurz darauf herausstellt, lediglich ein frommer Irrglaube ...und das ist auch gut so. Bei dieser Nummer geht es um die wohl nicht gerade perfekt Beziehung zum Vater...heikles Thema, aber geschickt gemeistert, weil hier ganz klar die phantastische Melodieführung des Songs im Vordergrund steht: Reduziert man einmal für einen Moment diese Nummer um ihre bandtypische Wucht, und konzentriert man sich dann kurz auf die Melodie als solches, dann kommt man nicht umhin zu bemerken, wie unglaublich simpel und genial die Hook dieses Songs ist.

Der Track Line & Sinker klotz dann auch gleich wieder so richtig mit erhöhtem Tempo und einem vollkommen bissigem Gesang ran ...what you see is what you get ...und in The Ex wird dann das, immer wieder gerne besungene, Thema der Trennung keinesfalls resignierend, sondern extrem aggressiv beschrien - und Aussagen wie "she can go to hell" machen einem den Abschied dann auch wirklich einfacher - der Mann spricht aus, was er denkt!

River Below schlägt textlich wieder in eine ähnliche Kerbe, wie z.B. The Ex, wobei sich hier die Geschichte eher am Rande des Wahnsinns bewegt und das Song-Tempo deutlich gedrosselt wird, aber auch hier die unglaublich eingängige Refrain-Melodie den gesamten Track dominiert. Alle Songs dieses Albums haben eine eine grosse Stärke und Gemeinsamkeit: Die Gradwanderung zwischen Melodie, Geschrei, Gewalt und Verzweifelung macht jeden Song von Billy Talent sehr spezifisch und gleichzeitig wird hier so eine Riesenmenge an Emotionen und purer Energie direkt zum Hörer transportiert. Das macht es einem sehr leicht Billy Talent einfach zu lieben - dies ist definitiv eine der vielversprechendsten Bands die in letzter Zeit mal wieder einem grösseren Pulikum zugänglich gemacht worden sind.

Nachdem das erste Album von Billy Talent zumeist eher unter ferner liefen geführt wurde, hat die Band hier mit ihrem Major-Debüt ein ganz klares Zeichen gesetzt und sich direkt auf die Pole-Position gesetzt. Abgesehen davon, dass es auf diesem Longplayer wirklich keine einzige mittelmässige Nummer gibt, setzt sich meine persönliche Top 3 aus folgenden Killer-Tracks zusammen: Living In The Shadows, Try Honesty und River Below. Wer also eine moderne Definition von Punk kennen lernen möchte sollte hier einmal reinhören.

Website: Billy Talent

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Rating: 90%
 

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