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Aktuelle Tonträger Reviews
Seachange - On Fire, With Love
Geschrieben von: Dark   
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Seachange - On Fire, With Love

VÖ: 26.05.2006

Schon mit der Debüt-LP Lay Of The Land (2004) zogen Seachange die Kritiker auf ihre Seite: Ein gelungener Einstieg, der mit erfrischend aussergewöhnlichen Kompositionen glänzte und das Herz der Indie-Gemeinde höher schlagen liess. Zwei Jahre später folgt nun mit On Fire, With Love der zweite Streich. Im Vergleich zum Erstling hat die britische Band ihren immer leicht melancholischen Stil aus verschrobenem Indie-Rock mit sehr prägnanten Folk-Einflüssen hier noch weiter perfektioniert. Klarer Fall: Diese Jungs aus Nottingham haben durchaus das Zeug, um sich in die ewige Hitliste meiner Lieblingsbands zu spielen.

Der Opener Annie, Taeoma ist so herrlich schräg und doch mit so wahnsinnig viel Hit-Potential gesegnet, dass man gar nicht genug davon bekommen kann. Ein Nachschlag kommt sofort, und zwar in Form von Battleground, bei dem man sich sofort in den wiegenden Triolen-Rhythmus des Songs fallen lässt. Danach erwartet einen gleich die Uptempo-Nummer No Backward Glances, bei der das Tempo - mit einer Mischung aus sexy Sixties-Attitüde und massig Pop-Appeal - gehörig angezogen wird. Bei der ruhigen Anti-Story und dem später folgenden Shooting Arrows schlägt dann die Folk-Ader von Seachange voll durch, und abgesehen von den wunderschönen Vocals, hinterlässt auch der Einsatz des Akkordeons einen bleibenden Eindruck beim Hörer. Man kann sich gar nicht entscheiden, ob man sich in diesem Meer aus Melancholie, Heimweh oder Fernweh besser links oder rechts herum winden möchte.

Ein echter Hammer ist mit The Key gelungen: Indie at its best! Groovig, zügig und leicht scheppernd gespielt, bahnt sich dieser Song sofort kompromisslos seinen Weg in das Langzeit-Melodiegedächtnis. Besonders prägnant sind bei dieser Indie-Hymne auch hier wieder die bereits oben erwähnten Sixties-Anleihen, die dem Stück noch zusätzlichen Drive verleihen. Harmonika, Akkordeon, Hammond-Orgel und was weiss ich nicht noch alles ...spätestens hier, wird einem klar, mit wie vielen unterschiedlichen Instrumenten Seachange so nebenbei während des Songwritings herum experimentieren. Und als wenn das nicht schon genug wäre, geht es in Midsummer Fires schliesslich noch mit Violine und Akustik-Gitarre zur Sache. Man ahnt es schon nach den ersten Takten: Eine weitere, unendlich schöne Nummer, die einen auf die nächste melancholische Reise schickt.

Der Rausschmeisser heisst schlicht und einfach In, und dieser Songs ist wie der Weg auf einer langen geraden Strasse. Aber ehrlich gesagt: Man möchte nicht, dass dieser Song jemals zu Ende geht. Habe ich eben noch beinahe leichtsinnig das Hymne in der Mund genommen, so muss ich diesen Begriff hier leider wiederholen - und zwar mit Nachdruck - denn diese Melodie wird einfach nicht mehr aus euren Köpfen verschwinden! Alles in Allem haben wir hier ein Album von einer Band, dass sich das Prädikat Independent wahrhaftig und ohne Einschränkung verdient hat. Kein Wunder also, dass sich Seachange auch schon mit Guided By Voices, Trail Of Dead, Pretty Girls Make Graves und Idlewild die Bühne teilen durften.

Website: Seachange

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Rating: 90%
 
Sportfreunde Stiller - You Have To Win Zweikampf
Geschrieben von: Matt   
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Sportfreunde Stiller - You Have To Win Zweikampf

VÖ: 19.05.2006

Sieht hier irgendjemand einen Review über DJ Ötzi oder zur Fetenhits Ausgabe 398? Nein, seht Ihr nicht! Wir besprechen nämlich keine Ballermann-Hits. Danke für die Bemusterung - aber nein, Danke! Die 10% gibt es übrigens dafür, dass im Studio wenigstens die Instrumente gestimmt worden sind.

Mit der Leidenschaft im Bein tret' ich die CD in den Mülleimer hinein.

So.

...und auch ohne den tumben Stiller-Verein werden wir Weltmeister sein.

Geil, wenn nichts mehr geht, werd ich Songwriter bei den "Sporties"...

Website: Sportfreunde Stiller

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Rating: 10%
 
Run Kid Run - This Is Who We Are
Geschrieben von: Dark   
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Run Kid Run - This Is Who We Are

VÖ: 16.05.2006

Der Titel This Is Who We Are sagt eigentlich schon alles: Run Kid Run sind zwar eine dieser bis dato unbekannten rockenden Pop-Punk-Bands irgendwo aus Illinois, aber das hindert sie nicht daran gleich mal ein richtig schönes Debüt-Album hinzulegen. Der A&R von Tooth & Nail Records muss sich so ungefähr dasselbe gedacht haben, als er die vier Jungs unter Vertrag genommen hat.

Run Kid Run haben nämlich alles was es braucht, um sich in dieser Sparte ihr persönliches Biotop zu sichern: Das Album strotzt nur so vor catchy Hooks, hochgradig infektiösen Melodien und einer Menge Sing-Alongs. Ganz nebenbei sind die Texte auch noch so etwas von positiv und aufbauend, dass sogar am finstersten Tag deines Lebens sofort die Sonne aufzugehen scheint. Gitarrist Neil bringt es auf den Punkt und kommentiert das schon ein wenig metaphysisch: "In unseren Lyrics geht es darum, den wahren Sinn des Selbst zu finden - erkenne wer du bist und was du hast - ganz gleich was dann passiert, dass ist etwas woran du dich immer festhalten kannst." Da habe ich die Pop-Punk-Fraktion bisher wohl immer ein wenig unterschätzt! Aber Neil ist ja auch noch nicht ganz fertig: "Wir wollen einfach, dass die Leute etwas hören, dass das ihnen in schlechten Zeiten hilft sich einfach besser zu fühlen." Gesagt, getan: Bereits die erste Zeile des Openers We've Only Just Begun lässt mit Sätzen wie "you'll have your ups and downs don't let them push you out..." keine Zweifel an dieser Aussage gelten, und so überkommt einen erst einmal eine Flut positiver Energie, die auch noch von einer wunderbaren Hook begleitet wird. Der Mann hat einfach recht...

Produziert wurde das Album übrigens von James Paul Wisner, der sich auch schon für Werke von Dashboard Confessional, Further Seems Forever oder The Academy Is... verantwortlich war. Daher trifft das Prädikat Punk-Pop die Sache auch nicht so ganz genau. Die Referenzen von Mr. Wisner lassen richtig vermuten, dass hier ist auch noch eine eine Portion Rock in's Spiel kommt, und dass hört man Songs wie Move On oder Wake Up Get Up auch an (über deren Message muss man hier wohl nicht mehr viel sagen - siehe Statement oben): Run Kid Run verpassen einem mit jedem Song gleich noch einen weiteren Schub positiver Energie und glänzen geradezu nebensächlich mit kleinen Ohrwürmern.Obwohl, oder gerade weil, This Is Who We Are mit nur zehn Tracks recht kurz geraten ist, hat man sich einfach auf die qualitative Seite konzentriert, und das Ergebnis gibt dieser Band recht.

Weitere Anspieltipps mit stärker ausgeprägtem Pop-Charakter sind die Nummern Sing To Me, Day Of Change und I'll Forever Sing. Was will man eigentlich mehr? Den Sound kann man teilweise ein wenig in Richtung The Ataris einordnen - nur langsamer, oder auch in die Ecke von Armor For Sleep - nur schneller. Wie bereits zu Anfang erwähnt: Run Kid Run halten einfach ihr eigenes kleines Biotop besetzt, und so wie sich dieses Album anhört, werden sie ihre Nische auch mit Leichtigkeit gegen eine Menge vermeintlich ähnlich klingender Bands behaupten können...

Website: Run Kid Run

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Rating: 80%
 
Kanmantu - Happy Around The Corner
Geschrieben von: Herr Mueller   
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Kanmantu - Happy Around The Corner

VÖ: 15.05.2006

Eines Tages, spät abends auf dem Free & Easy Festival im Münchner Backstage. Unvermittelt hatte ich eine herrliche Musik im Ohr, die mich wie automatisch in die Halle hinein zog, und da waren sie: Kanmantu spielten gerade You And The Air von ihrer gleichnamigen Mini-EP. Verdammt schöne Melodie...und was für eine Wahnsinns Stimme. Wieder Zuhause angekommen, stand dann erst einmal Recherche auf dem Programm, um ein wenig mehr über diese Band zu erfahren: Die Jungs stammen aus dem guten alten Weilheim, aus dem bereits vor einigen Jahren The Notwist aufbrachen, um die hiesige Musiklandschaft nachhaltig zu verändern – als kreative Referenz ist das ja schon einmal nicht verkehrt.

Ein gutes Jahr später halte ich nun ihre zweite EP Happy Around The Corner in meinen Händen und wieder ist es da, dass Gefühl von damals, als ich Kanmantu zum ersten mal hörte. Schon der erste Song und Titel-Track schickt mich auf eine kleine Reise in’s Land der Töne. Eine gelungene Symbiose aus Klavier, Gitarre, Samples, Bass, Drums und Andi Schmidts unverkennbarer Stimme. Dieser ruhige Einstieg in die fünf neuen Stücke reicht schon aus, um zu erkennen, dass die Band ihrem Stil treu geblieben ist. Mit The Caller folgt dann eine rockige Nummer, die allein von einem lässig groovenden Schlagzeug und einem simplen - aber ziemlich effektiven - Gitarrenriff getragen wird. Receiving Your Sign ist, im Gegensatz dazu, wieder so ein ganz typischer Kanmantu-Song: Erst sphärisch, dann treibend, im nächsten Moment ruhig, und dann das Ganze wieder von vorne. Klasse! Mein persönlicher Favorit ist aber Spies And Truth - ein zum Sterben schöner Song, der sehr an In This Time von der Vorgänger-EP erinnert: Die Instrumente rücken hier weit in den Hintergrund, und geben dadurch der Stimme den nötigen Raum ihr Potential zu entfalten.

Nach all den Lobeshymnen leider auch Kritik: Den Mix zu You And The Air hätte es wirklich nicht gebraucht. Warum ein schönes Lied mit so etwas ruinieren? Schade! Trotz dieses Aussetzers ist der Band mit Happy Around The Corner eine konsequente Weiterentwicklung von You And The Air gelungen. Alles klingt insgesamt wesentlich runder, was wohl auch nicht zuletzt an der Produktion liegen mag. Um es auf den Punkt zu bringen: Kanmantu ist für mich Musik zum nachdenken, eintauchen und wohlfühlen, ...fast so wie ein Flüstern in meinem Ohr!

Website: Kanmantu

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Rating: 60%
 
Taking Back Sunday - Louder Now
Geschrieben von: Dark   
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Taking Back Sunday - Louder Now

VÖ: 28.04.2006

Wenn eine Band von einem kredibilen Indie-Label zu einem Major wechselt, bekommen es die meisten Supporter es mit der Angst und ahnen einen Ausverkauf zu Gunsten des Main-Stream. Ich muss gestehen, dass mir dieser Gedanke auch nicht gerade fern lag. Was kommt jetzt? Das definitive Aus oder ein Sprung nach vorn? Nachdem Taking Back Sunday in ihrer Victory-Zeit schon so manche Umbesetzung überstanden haben und dabei auch noch mit Tell All Your Friends und Where You Want To Be zwei phantastische Alben abgeliefert haben, war die Spannung entsprechend gross ...bis man endlich einen Vorgeschmack in Form der Single Make Damn Shure gekam. Naja, zuerst haute mich das nicht so wahnsinnig vom Hocker. Ist schon O.K. der Song, aber wird das für ein komplettes Album reichen? Der Trick dabei war, dass dieser Song erst richtig über die mittlere Distanz wirkt und sich dann ganz gehörig im Hirn festsetzt.

Soweit so gut, aber was man bei Louder Now vor dem ersten Hören nicht weiss, ist dass z.B. gleich mit What's It Feel Like To Be A Ghost? die Band gleich wieder in gewohnter Qualität voll einsteigt. Liar kommt dagegen zuerst wieder ein wenig harmlos daher, steigert sich dann aber über die Bridge zum Refrain zu einer typischen TBS-Hymne und geht ziemlich nach vorn. Es folgt Single, aber wer jetzt bereits glaubt, das passt ja schon alles ganz gut, wird schliesslich bei Up Against (Blackout) vom Refrain an die Wand gedrückt.

Mit My Blue Heaven und Divine Intervention finden sich dann auch zwei Balladen auf dem Album, die allerdings ein schönes Kontrastprogramm zu den anderen Songs darstellen. Dazwischen fällt einem Twenty-Twenty Surgery in's Ohr, das ein wenig poppig daher kommt, aber durch die eingängige Melodie und den wunderschönen zweistimmigen Gesang im Refrain ein riesiges Hitpotential in sich birgt. Aber erst mit dem schnellen Emo-Kracher Spin haben wir die Band dann da wo wir sie haben wollen: Vollgas voraus und gegenläufige Gesangslinien, Hysterie ...shout it out loud, yeah! Ein ähnliches Kaliber, in bester TBS-Tradition, ist Error: Operator - mit solchen Tracks hat sich die Band einst ihren Status verdient, hier liegt ihre eigentliche Stärke und dafür werden sie geliebt.

Inzwischen ist ja einfach alles Emo, und der Begriff hat eine dermassen inflationäre Talfahrt hinter sich, dass man sich wirklich freut, wenn mal wieder eine Band am Start ist, die dieses Etikett in seiner ursprünglichen Variante auch wirklich verdient. Denn obwohl Taking Back Sunday nie Vorreiter dieses Genres waren, haben sie es 2003 schon mit ihrem ersten Album geschafft, sich hier als eine der wirklich wichtigen Bands zu etablieren, und diese Position können sie mit Louder Now auch wieder einmal untermauern.

Fazit: Die zwei Jahre seit dem letzten Album haben Taking Back Sunday wohl gut genutzt und der Label-Wechsel hatte zum Glück nicht eine Bombast-Major-Produktion zur Folge. Hier geht es nach wie vor um die Songs - gute Songs, die hängen bleiben - und das scheint ja wohl immer noch eine der leichteren Übungen für die fünf Herren Taking Back Sunday zu sein.

Website: Taking Back Sunday

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Rating: 80%
 
Fightstar - Grand Unification
Geschrieben von: Herr Mueller   
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Fightstar - Grand Unification

VÖ: 26.04.2006

Kann sich noch irgend jemand Busted erinnern? Kleiner Tipp: Es war einmal eine Teenie-Punk-Popband aus England, die für solche Superhits wie What I Got To School For verantwortlich war! Na, klingelt’s schon? Falls nicht – auch egal! Aber wer sich jetzt fragt, was das alles mit Fightstar aus London zu tun hat, dem kann geholfen werden: Einer dieser Ex-Busted Bengel (Charlie Simpson) ist erwachsen geworden, und was er hier mit seinen drei Kollegen abgeliefert hat ist ein unglaublich intensives und vielschichtiges Emo-Album.

Nach dem Opener To Sleep, der es anfangs noch recht besinnlich angehen lässt, folgt mit Grand Unification, Pt. 1 gleich mal ein Schlag auf die Zwölf - und damit ein kleiner Wegweiser, wo es den die nächsten elf Songs hingehen soll! Das Tempo wird angezogen, aber nur um es Sekunden später wieder absinken zu lassen, Stakkato wechselt sich mit feinen durchgeschrammelten Gitarren ab, hier und dort wird passenderweise noch ein kleines Picking eingebaut. Perfektioniert wird das Ganze durch zwei, sich harmonisch ergänzende, Stimmen, ..und ab und an darf dann auch gerne mal aus vollem Halse geschrieen werden (Emo halt)!

Waste A Moment und das darauffolgende Sleep Well Tonight starten zu Beginn zumindest noch recht ruhig, aber wie gesagt: Nur am Anfang, denn gegen Ende hin arten auch diese Stücke in wahre Emo-Perlen aus! Das ganze Album besticht durch eine enorme Vielschichtigkeit. Nicht nur die Songs an sich, auch der Wechsel zwischen ruhigeren und brachialeren Stücken lassen beim Hören keine Langeweile aufkommen. Mit Open Your Eyes gibt es sogar eine Popnummer, und natürlich darf auch eine Ballade (Mono) nicht fehlen, die es wirklich in sich hat: Nach einem sehr ruhigem Anfang, entwickelt sich die Nummer zum Ende hin zu einer wahren Wand aus Emotionen und diese werden - wie konnte anders sein - dann erst einmal anständig heraus gelassen bzw. geschrieen, ...wohl bekommt’s!

Obwohl ich am Anfang nicht so recht wusste, was ich von Fightstar und ihrem Debüt halten sollte, wage ich fast zu behaupten, dass dies ein Anwärter für eines der Emo-Alben des Jahres sein könnte. Ich nehme an, dass liegt auch zum Teil daran, dass ich beim Hören doch immer noch ein klein wenig an Busted denken muss, wobei es nur schwer in meinen Kopf geht, wie sich ein Musiker in relativ kurzer Zeit so zu seinem Vorteil verändern kann. Aber vielleicht ist es ja gerade die Vergangenheit die Mr. Simpson so geprägt hat, um nun doch noch einmal richtige Musik zu machen.

Also ein Hoch auf Busted und Dankeschön für ein Wahnsinns-Album, dass sich nicht so einfach in eine der üblichen Emo-Screamo-Schubladen stecken lässt. Somit fällt es schwer (oder eigentlich eher leicht) Vergleiche mit anderen Bands des Genres zu finden: Fightstar haben von allem ein wenig – sie sind nur eine Spur schlauer, emotionaler und abwechslungsreicher als die meisten Bands hier – und das ist wahrscheinlich noch die beste und zutreffendste Beschreibung für die Musik, die einem auf diesem Album geboten wird.

Website: Fight Star

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Rating: 90%
 
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