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Emil Bulls - Der schwarze Pfad
Geschrieben von: Dark   
Emil Bulls - Der schwarze Pfad
 
Es rappelt in der Stromgitarren-Kiste und zwar gewaltig! Die Emil Bulls melden sich jetzt frischer und brutaler denn je mit dem neuen Album The Black Path zurück. Eine gute Gelegenheit um sich mal bei Gitarrist Chrissy nach dem Status Quo zu erkundigen. Hallo und willkommen zum Verhör...

ImageND: Das härteste Emil Bulls Album ever kommt am 04.04.08 in die Läden. Wie fühlt man sich mit einem solch brachialem Stück Musik in der Tasche, und was sind für dich rückblickend die Meilensteine in der Entstehungsgeschichte dieses Albums?

EB: Wir fühlen uns grossartig! Als wir anfingen die Songs für die Platte zu schreiben, da kamen wir gerade von einer langen Akustik-Tour zurück und sind direkt ins Allgäu gefahren. Dort kamen wir in eine Hütte im Nirgendwo an, haben die Stube dort ausgeräumt und unsere Amps, die wir lange nicht mehr benutzt hatten, aufgebaut. Da hat es uns so umgehauen, endlich wieder Lärm machen zu können, laute Drums, verzerrte Gitarren zu hören und einfach draufzuhauen. Das war der Hammer! Das es am Ende so hart wurde, war nicht geplant, sondern kam einfach so aus uns raus. Anscheinend hat uns die Akustiksache gut getan, um in alter Frische uns neu zu erfinden.

ND: Zum Schreiben der Stücke hat euch die selbstgewählte Isolation in der Bergwelt des Allgäus offenbar sehr gut getan. Erzähl doch mal ein paar Geschichten von der Hütte...

EB: Das ist nicht so einfach. Ich kann mich an das Allgäu gar nicht mehr so genau erinnern. Wir waren in einem schwarzen Loch, aus dem wir nach gut zwei Wochen wieder rauskamen und uns selber über uns und die neuen Songs gewundert haben. Vor allem, weil alles ziemlich aus dem Bauch raus geschrieben wurde. Das einzige an das ich mich erinnern kann, sind die Schafe, die um die Hütte herum weideten. Ansonsten waren ne Menge Fliegen, viele Räusche und Grillfleisch an der Tagesordnung.

ND: Zwischen der Entstehung der Songs und den Studio-Aufnahmen ist ja doch noch ein wenig Zeit vergangen. Was hat denn da solange gedauert und wo genau lagen die Schwierigkeiten?

EB: Wir mussten erst mal die Ideen sammeln und selber verstehen lernen. Die Sachen waren für uns selber erst mal ungewohnt, aber wir fanden sie geil und wollten das Beste raus holen. Ehrlich gesagt, hab ich selber nicht damit gerechnet, dass die Platte jetzt wirklich rauskommt und am Ende ging es eigentlich Schlag auf Schlag.

ND: War dieser brettharte Sound von euch auch ursprünglich so geplant, oder spielte die Zusammenarbeit mit Benny Richter und Jakob Bernhart hier noch eine massgebliche Rolle? Warum habt ihr gerade diese beiden Leute ausgewählt, und wie kam es überhaupt zu der Zusammenarbeit?

ImageEB: Die Songs haben das einfach hergegeben und als wir sie einem Freund von uns vorspielten, meinte er: "Krass, ihr hört Euch so frisch an wie damals zu Angel Delivery Zeiten." Damals haben wir auch einfach gesagt, es muss krass und fett sein. Da wussten wir, dass wir den Jakob als Engineer haben wollten. Das stand schon fest, bevor wir uns für einen Produzenten entschieden haben. Benny kannte unser Demo und ich hab ihn auf der Popkomm kennengelernt, wo wir zusammen abgestürzt sind. Da fiel kein einziges Mal irgendein typisches Musikbusiness Wort. Wir verstanden uns einfach gut. Und da er musikalisch ne Menge drauf hat, war er der Mann, den wir haben wollten. Der harte Sound war schon da und wir haben jemanden gesucht, der die Härte drin lassen kann und gleichzeitig aber alles was musikalisch rauszuholen ist, rausholt. Das ist ja auch das typisch Emil Bulls mässige: Schön und hart.

ND: Ein neues Label ist ja gleich auch noch am Start. Was gibt es über die Kooperation mit Drakkar zu berichten?

EB: Bis jetzt machen sie gute Arbeit. Wir haben ja schon so viele Labels gehabt, dass ich nichts mehr vor dem Abend loben will. Aber sind sie cool und konzentrieren sich auf das, was sie können, nämlich ihre Labelarbeit. Und sie fanden die Platte gut, sonst hätten sie keinen Grund gehabt, was mit uns anzufangen. Das ist natürlich schon schön so.

ND: Euer derzeitiger Sound und die neuen Stücke vereinen so viele Elemente aus den unterschiedlichsten Metal- bzw. Rock-Subgenres, aber The Black Path klingt dennoch wie aus einem Guss, ist prägnant und verdammt eigenständig. Zufrieden damit?

EB: Auf jeden Fall! The Black Path zeigt uns als Band, dass wir immer noch überraschen können und unser Zeug machen können, wie wir es wollen. Wir sind nicht wegzukriegen und wer sich mit der Band beschäftigt, weiss, wie facettenreich das ganze Spektrum der Emil Bulls ist.

ND: Gab es während der Produktion des Albums auch Momente, in denen ihr nicht mehr so genau sagen konntet, was ihr da eigentlich letzten Endes auf die Welt bringen werdet und wie die neuen Stücke letzten Endes angenommen werden? Hattet ihr eine Art objektive Qualitätskontrolle, wie z.B. externe Testhörer?

EB: Haha, wir hatten gar keine Zeit, um uns solche Fragen zu stellen. Aber deswegen haben wir ja auch einen Produzenten gesucht, der von aussen drauf schauen kann. Mehr gab es da aber auch nicht. Wir haben die Band sozusagen um zwei Leute erweitert, Jakob und Benny, und haben dann unser Ding gemacht. Das sollte auch reichen, wenn man den Anspruch hat, Musik so machen zu wollen, wie man sie selber fühlt.

ND: Mal ehrlich: Wer kam denn auf die Idee das Album The Black Path zu nennen und warum?

ImageEB: The Black Path stammt aus einer Zeile eines Songs, der es leider nicht auf die Platte geschafft hat, aber trotzdem viel für uns repräsentiert hat. Where have you been when I was lost on the black path again? Das passt einfach zur Entstehung und wie wir uns als Band gefühlt haben. Die Schreiberei im Allgäu war eine extreme Zeit, aus der auch viele Textideen kamen, die sich eigentlich alle um die dunkle Seite in uns allen drehen. Es geht um Tod, Rausch, Exzess, Hass und Wut. Da passt der schwarze Pfad einfach.

ND: Habt ihr Bedenken mit dem neuen Album einige Leute zu verschrecken, die euch z.B. erst seit eurer Platte The Life Acoustic kennen, oder freut ihr euch eher über das zu erwartende neue Klientel aus der Metal-Fraktion?

EB: Wenn wir uns über so etwas Gedanken machen würden, dann gäbe es die Band schon lange nicht mehr. Weisst Du, wenn Du allen Gefallen willst, dann bist Du irgendwann keinem mehr wichtig, weil Du beliebig und egal wirst. Deswegen bringt es auch nichts, wenn Du was Gefälliges machst. Klar freut es einen, wenn viele Leute das mögen, was Du machst. Es wäre Quatsch, das Gegenteil zu behaupten. Aber wenn wir eine Platte machen, dann wollen wir sie so machen wie wir sie für gut befinden. Da kann man nicht drauf schauen, wie sie ankommen wird oder ob sie jemanden verschreckt. Und ob jemand aus der Metal Fraktion neu dazu kommt, das will ich erst mal sehen. Ich freu mich über jeden, der uns respektiert und sich mit der Band beschäftigt.

ND: Bei aller Härte habt ihr noch immer das gleiche Faible für grossartige Melodien wie auf den früheren Alben. Christoph schreit sich in einem Moment die Seele aus dem Leib, nur um kurz darauf ein melodisch-episches Pathos wie in All In Tune With The Universe hinzulegen. Liebt und lebt ihr die grossen Gesten des Rock'n'Roll?

EB: Logo, Posen muss sein! Es macht auch saumässig Spass. Emil Bulls bestand schon immer aus zwei Seiten: Der harten und der episch grossen. Auf The Black Path haben wir beide Seiten noch weiter ausgereizt. Ich bin gespannt, was uns das nächste Mal einfällt, hahaha...

ND: Wie waren die ersten Reaktionen als ihr den Song To End All Wars in's Netz gestellt habt und was waren die markantesten Kommentare zu dem Stück?

EB: Das war witzig, weil das ja immer ein grosser Moment für einen ist, wenn Du weisst, die Leute hatten noch nicht mal die Möglichkeit, den Song irgendwo aus dem Netz zu ziehen, weil nur acht Leute eine CD haben, wo der drauf ist. Und dann stellst Du ihn online und wartest, was passiert. Wir wurden sozusagen überrannt. Bis jetzt waren alle Kommentare auf MySpace super. Von "hey, endlich wieder so geil wie früher" bis "bei jedem neuen Album geil" und "die neue Härte steht Euch gut" war eigentlich alles dabei. Ich finde es grossartig.

ImageND: Eurer Video The Most Evil Spell beschreibt eine ziemlich wilde Live-Performance. Kann man sich so eure Konzerte so ungefähr vorstellen oder passte dieses Konzept für euch einfach am besten zur Stimmung des Songs? Wo habt ihr das Teil aufgenommen?

EB: Das ist live bei uns auch so. Die Fans, die da waren, kommen ja auch alle auf unsere Konzerte und sind beim Video nicht anders abgegangen als wenn wir irgendwo spielen. Wir haben in unseren Proberaum geladen und am Sonntag früh um 12:00 standen 70 vom Vorabend gekennzeichnete Fans vor der Tür und schlurften bei uns rein. Da stand dann diese unmotivierte Meute und sollte abgehen. Bevor es losging, dachte ich noch, oh mein Gott, das kann was werden. Und dann ging es los und die sind alle so abgegangen, dass ich erst mal völlig vergessen hatte, zu spielen. Es war der Hammer.

ND: Ist der Text von The Most Evil Spell eigentlich autobiographisch oder eher fiktiv, und wie sieht es mit den anderen Album-Texten aus?

EB: Christophs Texte sind sehr persönlich, mal autobiografisch und mal fiktiv. Bei The Most Evil Spell geht es darum, dass man jemandem den schlimmsten Fluch an den Kopf werfen kann, den es gibt. Und der Fluch "Du wirst von niemanden mehr geliebt werden" ist so mit das fieseste, was man sich vorstellen kann. Das wirklich fiese an dem Song ist aber eigentlich, dass die Chorusmelodie ja sehr schön und nett ist, der Text aber genau das Gegenteil. Das ist wie, wenn die Melodie Dich ganz freundlich in den Schwitzkasten nimmt und der Text Dir dann eine reinhaut.

ND: Was gibt es beispielsweise zu eher ungewöhnlichen Song-Titeln wie Wolfsstunde oder 10050 zu sagen?

EB: Wolfsstunde sagen die Schweden zur Nachtzeit zwischen 03:00 und 04:00 Uhr. Da wird dann auf den Leitwolf angestossen, und davon handelt auch der Song. Um den Alphawolf, der Dich mitnimmt in eine exzessive Nacht. 10050 ist die Hausnummer, in dem die Manson-Morde geschehen sind, und es geht um den Teufel als solchen und im besonderen natürlich auch.

ND: Was ist dein persönlicher Lieblings-Track auf The Black Path und warum?

EB: Das wechselt gerade immer. Aber wenn Du mich festnageln willst, dann würde ich grade Pledge Allegiance To The Damned sagen.

ND: Freie Assoziation: Kannst du bitte ein kurzes Statement zu jedem der Tracks auf The Black Path geben? Ein Wort oder einen Satz - was auch immer dir gerade dazu einfällt oder was du mit dem jeweiligen Song verbindest:

EB:
The Black Path (Intro): Stammt - so wie es auf Platte ist - vom Demo, wo Christoph und ich mit der Gitarre wirre Töne produziert haben.

To End All Wars: Knallernummer, geraderaus, auf die 12.

The Most Evil Spell: Ist betrunken entstanden. Christoph und ich haben eine befreundete Band angeschaut, die gleich bei uns am Proberaum um die Ecke gespielt hat. Danach sind wir in den Raum und haben gejammt. Ein Glück, dass wir den nicht wieder vergessen haben.

All In Tune With The Universe: Eine Hymne!

Pledge Allegiance To The Damned (The Unseen One): Wer sich mal auf die Instrumente konzentriert, merkt, dass sich eine Linie durch den Song zieht. Ganz schön ausgefuchst, hahahaha.

Wolfsstunde: Noch ein Bier bitte.

Nothingness: Am Anfang ziemlich unausgereift ist das der Song, der während der Aufnahmen am meisten gewachsen ist, ...und vielleicht sogar mein Lieblingssong, wenn ich vorher nicht schon gesagt hätte, dass das immer wechselt.

Collapsed Memorials: Erinnert mich aus irgendeinem Grund immer an einen einsamen italienischen Brunnen.

Close To The Wind: Moiks bestes Solo ever ist hier zu hören.

Worlds Apart: Der Song, bei dem es sich am meisten gelohnt hat, den Benny mit im Boot zu haben.

Pure Anger (The Hex): Purer Hass einfach!

10050: I’m here to do the devils business.

Cigarette Scars: Auf die 12.

Glad To Be With You Again: Das versöhnende Ende nach all dem Wahnsinn und der Wut. Guns n’ Roses hätten hier wohl noch ein paar Regen Sounds mit rein getan.

ImageND: Zwischen dem neuen Material und eurem Unplugged-Album liegen Welten. Die Emil Bulls haben ganz offenbar Spass daran sich neu zu definieren und für überraschte Gesichter zu sorgen. Zudem liegt eure Messlatte inzwischen ja verdammt hoch: Womit gedenkt ihr denn eine solche Vorlage zukünftig zu toppen?

EB: Das frag ich mich auch! Im Ernst, darüber mach ich mir noch keine Gedanken. Wir werden auf jeden Fall uns wieder zurückziehen, verschliessen irgendwo im Nichts und so viel wie geht aus uns rausholen. Wir planen das ja nicht. Das ist nicht unser Ding. Wir lassen das raus, was in uns steckt, und wenn wir das gut finden, dann machen wir das auch. Was da noch kommen wird, weiss niemand, aber das ist ja das Spannende an allem. Mal geht's auf und dann wieder bergab. Wir haben schon so viel gesehen und erlebt, so viele sind auch schon wieder weg, aber wir lassen uns bestimmt nicht aufhalten. Jetzt geht’s erst mal auf Tour, wo wir s richtig krachen lassen werden. Das wird der Knaller, ich freu mich drauf.

ND: Was macht deiner Meinung nach die Emil Bulls als Band und musikalische Einheit aus?

EB: Wir sind als Gruppe verdammt stark. Wir wissen, was wir machen wollen und da haben wir ne Menge Spass dran. Spass und die Liebe zur Musik, das ist es, warum wir das alles machen.

Herzlichen Dank für das Interview - wir sehen uns dann auf eurer Tour irgendwo zwischen Bühne und Mosh-Pit!

EB: Ich hab zu danken. Servus...
 
Photos © Severin Schweiger
 
Website: Emil Bulls
 
New Idea Society - Analog ist besser
Geschrieben von: Dark   
New Idea Society - Analog ist besser
 
ImageManchmal muss man einfach Prioritäten setzen, um in den Genuss der interessanten Dinge des Lebens zu bekommen. Zum Beispiel an einem Sonntag Morgen den Wecker auf 05:30 Uhr stellen und sich aus dem Bett quälen. Bereits eine halbe Stunde und zwei schnelle Tassen Kaffee später beginnt ein telefonisches Interview mit einem Gesprächspartner in New York. Dort ist es gerade Mitternacht, eine Zeit, die mir persönlich auch wesentlich besser gepasst hätte - aber hey - was soll’s: Es ist für eine gute Sache, und diese gute Sache am anderen Ende der Leitung heisst Mike Law, seines Zeichens der kreative Kopf und das Mastermind von New Idea Society. Ein Songwriter, der - wie sich im Verlauf der folgenden Stunde noch herausstellen sollte – den Begriff Independent ernsthaft lebt. Eigentlich ist Mike Law die Band: Bei den Aufnahmen seiner Platten und die Live-Konzerte von New Idea Society sammelte er lediglich einige Musikern um sich, die sich zumeist aus dem Freundes- und Bekanntenkreis rekrutieren. Nach dem ersten Album You Are Awake Or Asleep werden New Idea Society am 07.09.2007 den Nachfolger The World Is Bright And Lonely veröffentlichen und anschliessend auch einige Shows bei uns spielen.

ND: Guten Morgen, oder besser guten Abend...

NIS: Hi, wie geht’s! Es ist gerade ziemlich früh am Morgen bei euch in Deutschland, oder?

ND: Ja, erinnere mich nicht daran. Ich zwar bin gerade erst 30 Minuten wach, und es ist wirklich verdammt hart. Aber nachdem du offenbar eher der nachtaktive Typ bist, hatte ich bei dem Termin für das Interview wohl nicht wirklich eine Wahl.

NIS: Und was hat dich dazu gebracht, so früh aufzustehen?

ND: (...wer verhört hier eigentlich wen?) Naja, die Gelegenheit mit dir ein Interview für das NoiseDivision Zine zu führen, erschien mir doch ein ausreichend ein guter Grund zu sein.

NIS: Wow, du bist wirklich engagiert...!

ND: Ja, zwar nicht für das frühe Aufstehen im Allgemeinen, aber in Sachen Musik mache ich da gerne mal eine Ausnahme. Aber jetzt mal zum Wesentlichen: Euer neues Album The World Is Bright And Lonely erscheint im September und ich muss sagen: Mir gefällt was ich da höre! Eine Platte, bei der so viele verschiedene musikalische Stile mitmischen ist mir schon länger nicht mehr untergekommen. Unter anderem gibt’s hier auch ein wenig Country zu hören...

NIS: ...also meine Familie kommt eigentlich aus dem Süden der Vereinigten Staaten, und mein Faible für Country Musik habe ich wohl von meinen Grosseltern mitbekommen. Aber du kannst auf dem Album nicht nur Country, sondern auch einige Blues und Bluegrass Elemente hören. Diese Stile sind von ihrer Grundstimmung her oft recht entspannt und sehr ausgeglichen. Der frühe Kontakt zu dieser Musik hat mein Songwriting dann auch bis zu einem gewissen Grad geprägt.

ND: Das klingt sehr nach akustischen und analogen Instrumenten, und aus der Presse-Info konnte ich auch entnehmen, dass auch ihr auch bei den Aufnahmen von The World Is Bright And Lonely weitestgehend auf digitale Instrumente oder Technik verzichtet habt.

NIS: Ja, das stimmt. Wir verwenden natürlich unsere Verstärker, aber ansonsten benutzen wir nur analoges Equipment. Sehr ähnlich wurde das übrigens bei den eigentlichen Aufnahmen gehandhabt: Wir haben bei der gesamten Produktion der Platte fast vollständig auf Overdubs oder ähnliche Spielereien verzichtet. Die gesamten Aufnahmen wurde alle mit analogem Equipment gemacht, lediglich bei der Abmischung und für das Mastering wurden die Songs digital bearbeitet. Und abgesehen von der dritten Nummer Don’t Sleep wurde bei keinem Album-Track irgendein Instrument oder eine Gesangsspur hinzugefügt. Wir haben unseren Parts gemeinsam eingespielt, und das Ergebnis wurde direkt mit der Bandmaschine aufgezeichnet. Das ist sicher nicht der leichteste Weg eine Platte aufzunehmen, aber die Vorteile dieser Technik erkennt man im Studio dann ziemlich schnell: Der gesamte Sound einer Band klingt einfach unverfälscht, und die Songs entwickeln eine viel stärkere Eigendynamik. Der Grund für diese Vorgehensweise waren die Aufnahmen des letzten Albums You Are Awake Or Asleep. Wir haben damals noch viel mit Overdubs gearbeitet, aber am Ende klang mir persönlich das Resultat einfach zu langweilig und träge. Diesmal wollten wir, dass das Ergebnis unserer Arbeit viel eindringlicher und direkter klingt. Die Idee war auch, einige fähige Musiker zusammen zu bringen, von denen zwar keiner die neuen Songs kannte, die allerdings sehr fokussiert arbeiten, wenn es um die Umsetzung eines Stückes geht.

ND: ... eine klassische Proberaum-Session also?

ImageNIS: Ja, wir haben uns getroffen und drauf losgespielt, experimentiert und jeden Take einfach mitgeschnitten. Was dabei heraus gekommen ist hast du ja bereits gehört... Mit dieser direkten Herangehensweise ist es uns gelungen, während der Aufnahmen die Gefühle aller Beteiligten konservieren. Letzten Endes wurde das gesamte Album in weniger als einer Woche aufgenommen. Durch diese Momentaufnahmen hatten wir am Ende ziemlich viele verschiedene Versionen der Songs, bei denen die einzelnen Takes aber sehr unterschiedlich klangen. Den Song Drawbridge Kid haben wir beispielsweise in mehreren Varianten ausprobiert, und erstaunlicherweise entwickelte sich dessen Dynamik jedesmal in eine vollkommen andere Richtung. Wurde diese Nummer in Bewegung gebracht, dann wirkte sie so wahnsinnig flexibel und hatte im Grunde die Eigenschaften einer Flüssigkeit. Deshalb wollte ich, dass dieses Stück am Ende so klingt wie ...Wasser. Für meine Begriffe ist uns das gelungen, und aus diesem Grund halte ich Drawbridge Kid auch für den perfekten Song auf dem gesamten Album. Let It Be ist das genaue Gegenteil davon: Wir haben einen einzigen Take aufgenommen, und der ist auch genauso auf dem Album gelandet. Die Gitarre hat hier übrigens mein alter Freund Steve Brodsky von Cave-In eingespielt mit dem ich damals die New Idea Society gegründet habe.

ND: Auf Steve komme ich gleich noch einmal zurück... Vorher noch eine kurze Frage zur Tour: Im Oktober und November werdet ihr uns auch Live beehren. Soweit ich weiss wart ihr bereits 2005 einmal für einige Konzerte in Deutschland zu Gast.

NIS: Ja, das ist richtig. Aber damals war es quasi eine Last-Minute Tour, die auf die Schnelle bucht und dementsprechend auch nicht besonders promotet worden ist. Deshalb würde diese Tour als unsere erste richtige Europa-Tour bezeichnen. Wir werden insgesamt einen ganzen Monat durch Europa reisen.

ND: Deine vorherige Band Eulcid hat sich ja 2002 aufgelöst. Gab es New Idea Society schon vorher, oder wurde die Band erst im Anschluss daran gegründet?

NIS: Eulcid haben sich recht überraschend aufgelöst. Das war gleich nachdem wir noch den Support auf der Tour von Fugazi gespielt hatten. Unser damaliger Bassist gab kurz darauf seinen Ausstieg bekannt, und wir wollten ihn nicht einfach durch jemand anderen ersetzen, also lösten wir uns kurzerhand auf. New Idea Society gab es zwar schon vorher, aber es war zu diesem Zeitpunkt wohl eher ein Nebenprojekt, und wir hatten auch bisher noch keine Platten veröffentlicht. Nach dem Ende von Eulcid habe ich mich dann entschlossen, als New Idea Society weiter zu machen. Ungefähr einen Monat nach der Trennung von Eulcid bin ich dann von Boston nach New York gezogen, um die EP Questionairre aufzunehmen. Zu dieser Zeit arbeitete ich schon mit Steve Brodsky zusammen, aber die Veröffentlichung unser EP hat letzt endlich noch viel länger gedauert als erwartet, weil wir es zwischen den Plattenfirmen noch zum Streit bezüglich der einzelnen Songs kam.

ND: Soweit ich weiss, habt ihr die EP Questionairre damals zu Hause und in Eigenregie produziert...

NIS: Ja, unsere erste EP haben wir zusammen im Keller meines Vaters mit einem 8-Spur-Recorder aufgenommen, und alle Songs der Platte habe ich damals an einem einzigen Tag geschrieben. Es hat uns beide ausserdem ziemlich stolz gemacht, dass nach nur wenigen Takes daraus auch gleich unsere erste CD wurde. Ähnlich wie bei The World Is Bright And Lonely haben wir schon damals das Ganze als Dokumentation eines Tages betrachtet. Zu dieser Zeit hat Steven zwar noch bei Cave-In gespielt

ND: Gutes Stichwort: Cave-In sind bei uns auch ziemlich beliebt. Woher kennst du Steve, und wie kamt ihr beiden dazu eine Band zu gründen?

ImageNIS: Er ist einer meiner besten Freunde, und wir kennen uns schon seit wir beide ungefähr 16 Jahre alt waren. Er mochte meine Highschool-Band und schickte mir irgendwann einmal per Post ein Tape von seiner damaligen Highschool-Band. Steve wohnte in der benachbarten Stadt, und wir schrieben uns daraufhin öfters, weil keiner von uns ein Auto hatte und wir uns deshalb selten treffen konnten. Als wir dann alle auf’s College gingen, zogen viele meiner Freunde nach Boston - darunter waren auch einige Jungs von Converge, Piebald, Cave-In und Eulcid. Heute finde ich es schon seltsam, dass all diese Bands inzwischen so bekannt geworden sind, weil wir alle eigentlich denselben Background haben. Jede dieser Band kommt aus einer von drei benachbarten Städten, kennt die Mitglieder der anderen Bands seit vielen Jahren und hat damals auch immer wieder Konzerte mit den anderen gespielt.

ND: Aber Cave-In waren doch beispielsweise eher dem kontrollierten Krach zugeneigt als Eulcid, und deine Wurzeln liegen doch eigentlich ganz klassisch im Indie- oder Singer/Songwriter-Bereich. Wechselt Steve jetzt die Seiten zu einem dezenteren Musikstil? Ich habe da einige Songs von seinem aktuellen Projekt gehört, und das orientiert sich viel stärker in eine akustische Richtung.

NIS: Anfangs, als Cave-In einen sehr harten Stil verfolgten, spielte auch Eulcid einen wesentlich krachigeren Sound, den man vielleicht auch als Avantgarde bezeichnen könnte. Wir fühlten uns da schon eher dem Noise-Rock verpflichtet, und während Cave-In zu dieser Zeit immer härter klangen als Eulcid, waren wir die Band die in ihren Songs wesentlich mehr mit Dissonanzen und Disharmonien arbeitete. Aber auch damals habe ich schon Songs geschrieben, die eher nach New Idea Society als nach Eulcid klangen. Als ich dann später mit Steve zusammen in einem Appartement wohnte, nahmen wir solche Stücke auch andauernd mit unserem alten 4-Spur-Recorder auf. Das war im Grunde der Beginn von New Idea Society, und wir haben einige Dutzend Kassetten-Aufnahmen von Songs, die bis heute noch nicht veröffentlich worden sind...

ND: Also muss man sich um die Zukunft von New Idea Society noch keine Gedanken machen.

NIS: Ganz sicher nicht...

ND: Wenn Steve bis heute noch bei New Idea Society tätig ist, warum geht er dann nicht auch mit der Band auf Tour?

NIS: Als feststand, dass New Idea Society auch Live auftreten würde, haben wir kurz darüber geredet und wurden uns schnell darüber einig, dass er zu Hause bleibt, um an seinem eigenen Projekt weiter zu arbeiten. Dazu muss man wissen, dass alle Stücke, die New Idea Society bisher veröffentlicht von mir geschrieben wurden, und da wir beide zwar sehr in die Arbeit des anderen involviert sind, wäre es einfach unfair gewesen, wenn nicht auch einige Stücke von ihm in unserer Setlist gelandet wären. Wir sind eben beide sehr fokussiert auf das, was wir tun, und ich fürchte, dass für zwei solche Egos einfach kein Platz in einem kleinen Tourbus gewesen wäre ...ha, ha! Aber im Ernst: Wir schätzen uns gegenseitig sehr und unterstützen uns jederzeit, aber letzt endlich wissen wir beide, dass das eigene Projekt immer die oberste Priorität hat. Deshalb wird Steve auch in Zukunft nicht mit New Idea Society auf der Bühne stehen.

ND: Klare Ansage! 2005 habt ihr euer Debüt-Album You Are Awake Or Asleep veröffentlicht, und dabei einige sehr gute Kritiken abgesahnt. Angeblich hat sich sogar MTV dazu hinreissen lassen, euch als neue Hoffnung des Independent zu loben. Haben sich solche Aussagen in irgendeiner Weise positiv auf das Vorankommen der Band ausgewirkt?

NIS: Na ja, es gab schon einige Leute, die sich danach sehr für unsere Musik interessiert haben, und es freut mich natürlich, dass auch immer mehr Leute zu den Konzerten kommen. Aber ich für mich selbst war es in den letzten beiden Jahren noch wichtiger zu entscheiden, welche Stücke auf das neue Album kommen, und mit welchem Label wir zusammen arbeiten wollten. Das hört sich jetzt vielleicht komisch an, aber allein für The World Is Bright And Lonely habe ich ungefähr hundert Demo-Tracks aufgenommen, ...und dafür braucht man schon eine ganze Menge Zeit.

ND: Beachtlich! Hat der Name New Idea Society eigentlich irgendeine tiefere Bedeutung?

NIS: Als ich mir den Namen überlegt habe, wusste ich natürlich noch nicht, dass New Idea Society jemals meine Hauptband werden würde. Der Name hat keine tiefere Bedeutung und stammt aus einer Textzeile von The Giant’s Chair aus Kansas, und der Sänger bezieht sich an einer Stelle auf eine New Idea Society. Steve und ich mochten diese Band sehr und benannten unser Projekt danach. Der Hauptgrund für diese Entscheidung war, dass wir damals versuchten musikalische Standards in einer anderen Art und Weise zu kombinieren und aufzunehmen, um daraus etwas Neues entstehen zu lassen. Somit schien uns dieser Bandname die ideale Wahl zu sein. Wir wollten 4-Spur-Recorder benutzen, Stücke direkt zusammen einspielen und nicht einfach an Computern stundenlang digitales Audiomaterial zusammen schneiden. Unsere Musik sollte einfach organisch klingen, und daran hat sich eigentlich auch bis heute nicht viel geändert: Songs mit einem Computer aufzunehmen und digitale Aufnahmen zu erstellen interessiert mich immer noch wirklich nicht im geringsten...

ND: Ha, ha, ...oldschool from the heart! Ein anderes analoges Thema hatten wir allerdings noch nicht angesprochen: Was ist mit deinen Texten? Die sind oft sehr metaphorisch und du bedienst dich gerne einer sehr bildhaften Sprache. Deine Hauptthemen scheinen sich dabei immer wieder um den Kampf gegen Hoffnungs- und Gleichgültigkeit zu drehen, aber du agierst häufig nur als aussen stehender Betrachter. Verarbeitest du in den Texten fiktive Ereignisse oder handelt es sich um deine mehr oder minder verschlüsselte Realität?

ImageNIS: Meine Texte sind eigentlich fast immer autobiographisch, auch wenn die Metaphern oft sehr einen surrealistischen Eindruck erwecken. Selbst wenn man einige Textpassagen nicht wirklich versteht, so wird man am Ende doch wissen, was der Text in seiner Gesamtheit ausdrücken will. Ein Satz kann dir beispielsweise schon ein bestimmtes Gefühl vermitteln, weil die dort verwendeten Bilder bestimmte Assoziationen bei dir auslösen. Oft schreibe ich eine Zeile ohne zu wissen, was sie bedeuten soll, und erst sehr viel später erkenne ich dann plötzlich den ganzen Sinn dahinter. Es ist ganz einfach die Art, wie man Worte zu einem Satz zusammenfügt, die schliesslich darüber entscheidet, ob dieser die Kraft hat dich zu emotional berühren. Diese Fähigkeit zur Kombination von Worten macht ja auch den Unterschied zwischen guter und schlechter Lyrik aus. Wie gesagt, meine Texte sind autobiographisch, und es ist richtig, dass das Thema Hoffnung bei mir wohl eine Rolle spielt. Ich will mich ebenso wenig in dieser Welt verlieren, wie gegen andere Kräfte, die von ausserhalb auf mich einwirken. Dieses entgegen gesetzte Wirken spiegelt sich auch im gesamten Verlauf von The World Is Bright And Lonely wieder: Wenn man es in einer sehr einfachen Art ausdrücken möchte, dann gibt es immer diese zwei Seiten. Es ist ein ewiges Auf und Ab, ein Wechsel zwischen Hell und Dunkel. Extreme Glücksgefühle wechseln sich permanent mit extremer Traurigkeit ab. Der ambivalente Albumtitel schliesst im Grunde ja schon Momente der Offenbarung und Momente der Verzweifelung mit ein, und am Ende gibt es eine Auflösung: du musst leben und weitermachen, erfahre und akzeptiere all diese Gefühle. Denn das ist der einzige Weg da durch zukommen und letzt endlich deine Zweifel zu besiegen.

ND: Das klingt sehr abgeklärt, und hier könnten sich wohl einige Leute wohl mal ein Beispiel dran nehmen. Dein Stammlabel Exotic Fever Records hat ja offenbar ebenfalls ein Faible für tiefgründigere Bands, und neben den Platten von New Idea Society wurde dort ja auch später noch das Eulcid Album veröffentlicht. Wie kam denn hier eigentlich der Kontakt zustande, kanntet ihr euch bereits aus Boston?

NIS: Nein, Exotic Fever Records sitzen in Washington D.C., und ich habe die Inhaberin Katy Otto auf einem unseren Konzerte dort kennen gelernt. Katy ist eine sehr aussergewöhnliche Person, eine grossartige Musikerin und äusserst aktiv in der dortigen Szene. Ihre bestimmte Art hat mir gefallen, und als es darum ging unsere Platte einem Label anzubieten, schienen Katy und Exotic Fever Records für mich die perfekte Wahl. Mit New Idea Society bekam ich zwar Angebote von einigen Majors und Indie-Labels, aber letzt endlich hat Exotic Fever Records das Rennen gemacht, weil ich niemals mit jemanden zusammen arbeiten könnte, dem ich nicht zu hundert Prozent vertraue und bei dem ich mich nicht gut aufgehoben fühle. Ich vertraue ihr und auch ihrem Urteil, wenn es um musikalische oder andere Angelegenheiten geht.

ND: War das erste Treffen eher zufällig, oder habt ihr damals Katy zu der Show eingeladen weil ihr mit Eulcid nach einem label gesucht habt?

NIS: Reiner Zufall! Wir waren gerade mit Engine Down, die gut Freunde von Eulcid waren, unterwegs auf einer kleineren Tour mit insgesamt vielleicht zehn Konzerten. An diesem besagten Abend stand also Washington D.C. auf dem Plan, und Katy war vor Ort, weil Sie wiederum mit Engine Down befreundet war. Dadurch lernten wir uns dann schliesslich kennen. So einfach war das ...Engine Down habe ich das letzte mal übrigens in Berlin getroffen, weil Sie dort auch gerade einen Auftritt hatten. Keiner wusste von der Anwesenheit des anderen, bis wir uns dann zufällig aus der Strasse begegnet sind. Wir sind dann Abends Essen gegangen, und anschliessend wieder weiter gezogen - die Welt ist ein wirklich kleiner Ort!

ND: Bist du eigentlich gerne auf Tour, oder ziehst du es vor neue Songs zu schreiben und im Studio zu produzieren?

NIS: Ich bin wirklich sehr gerne unterwegs, und ich schreibe dort auch Songs. Medicine Show entstand z.B. letztes Jahr auf unserer Japan-Tour. Genau genommen kann ich eigentlich überall schreiben, und ich geniesse es auch, so oft wie möglich unterwegs zu sein. Die Tour zum neuen Album wird diesmal richtig lange dauern, denn New Idea Society werden nicht nur viele Shows in Europa, sondern natürlich auch wieder in den USA und in Japan spielen.

ND: Wie würdest du selbst eigentlich deine Musik bezeichnen? Der einfachste Weg wäre hier wohl Independent, aber durch deinen breit gefächerten Stilmix und die vielseitige Instrumentierung, die auf The World Is Bright And Lonely zu hören sind, finde ich das eher viel zu pauschal.

NIS: Wenn ich jemanden meine Musik beschreiben müsste, würde ich sagen: Wir sind wie die Beatles (lacht)...! Für mich hört sich Rockmusik nie gleich an. Wenn ich mir die neuen Stücke anhöre, nehme ich zwar auch Country-Einflüsse wahr, aber das ist nur ein sehr geringer Teil des Ganzen - für mich klingen die Songs durch ihre Vielfalt wesentlich moderner. Das Album basiert, meiner Meinung nach, auch viel mehr auf den Texten, und ist letzt endlich eine Mischung aus Eulcid und New Idea Society. Elucid war zwar auch textlastig, hatte aber viel mehr Energie, während bei New Idea Society schon immer die Melodie im Vordergrund stand, und auf dem neuen Album wurden die besten Elemente dieser beiden Bands einfach kombiniert. Wenn man die neuen Stücke öfters hört, nimmt man auch plötzlich vollkommen unterschiedliche Aspekte wahr. Wenn ich unsere Musik definieren müsste, würde ich uns als textbasiert, energetisch und variabel bezeichnen ...von Allem etwas eben! Eine solche Kombination verschiedener Genres ist wohl immer recht schwierig zu kategorisieren und wird natürlich von jedem unterschiedlich interpretiert ...das gilt wahrscheinlich besonders für Musik-Journalisten!

ND: Ha, ha, ...kann schon sein. Schreiben und hören sind halt immer noch zwei Paar Schuhe! Aber gehen wir zur Analyse dessen einfach mal ein wenig weiter zurück in deine Vergangenheit: Welche Bands haben bis heute den grössten musikalischen Einfluss auf dich gehabt?

ImageNIS: Also die erste Platte, die ich mir jemals gekauft habe war Lincoln (1988) von They Might Be Giants. Ich war damals noch sehr jung, und hatte vorher, mitten in der Nacht auf MTV, das Ana Ng Video gesehen. Das war eine absolute Hammer für mich und hat mich einfach umgehauen. Mit dem Album ging es mir nicht anders: So etwas hatte ich bis dato noch nie gehört, und diese Platte hat mir dadurch sicherlich eine neue Richtung gezeigt. Dann wären da noch Fugazi: Mit deren Musik bin ich quasi aufgewachsen, und ich halte sie für eine der wirklich wenigen relevanten Bands. Fugazi haben immer genau das getan, was sie gesagt haben, und hielten am den fest, woran sie geglaubt haben. Allein dadurch wurden sie für mich zur definitiv einzigen Band, die mich bis Heute am stärksten beeinflusst hat. Mir ist klar, dass die Musik von Fugazi recht wenig mit meiner eigenen zu tun hat, aber allein zu wissen, das diese Band existierte, hatte einen sehr prägenden Effekt auf mich. Ich mag eigentlich recht viele Bands: P.J. Harvey z.B., weil jedes ihrer Alben vollkommen anders als das vorherige klingt, und weil sie auf jeder Platte immer ihr eigenes Ding macht. Oder auch den Folksinger und Songwriter Woody Guthrie ...du kannst auf unserer neuen Platte seinen Einfluss, den ich als Folk-Vibe bezeichnen würde, wahrscheinlich mehr als jemals zuvor heraushören. Die Art, wie er Musik schreibt und sein biographischer Stil beeindruckt mich schon sehr. Ein grossartiger Musiker.

ND: Hörst du überhaupt auch aktuelle Musik?

NIS: Eigentlich eher selten. Ich bekomme wohl manchmal irgendwo neue Sachen zu hören, aber mich die meiste Musik, die ich für mich entdecke, ist zugegebenermassen älteren Datums. In den letzten Wochen habe ich beispielsweise oft Musik von John Lennon gehört, und generell höre ich aber auch sehr viele osteuropäische Sachen, die man wohl am ehesten als Gipsy-Music bezeichnen kann. Ich denke, das letzte neuere Album, was ich persönlich grossartig fand, war die aktuelle Platte von Joanna Newson.

ND: Das Debüt-Album You Are Awake Or Asleep und auch die EP Questionairre hast du ja noch im Heimstudio produziert, aber beim neuen Album hast du dich entschieden, alle Stücke im Brooklyner Translator Audio Studio aufzunehmen. Ich habe gelesen, dass du dort auch als Half-Engineer arbeitest. Was ist soll das sein, der Studio-Praktikant?

NIS: Das ist eher ein Scherz, ...wenn ich dort bin, arbeite ich meistens als Imager und bin unter anderem auch für die Organisation zuständig. Wir haben das Album mit Andrew Schneider aufgenommen, einem unglaublich fähigen Sound-Engineer und Produzenten, und wir sind zu Translator Audio gegangen, weil wir wussten, dass ein Album mit Live-Aufnahmen nur dann gelingen würde, wenn wir jemanden an den Regler sitzen hätten, der ganz genau weiss, was er macht. Das lag in erster Linie daran, dass wir bei den Aufnahmen zu unserem ersten Album, häufig mit ganz banalen technischen Aspekten zu kämpfen hatten. Das ging schon damit los, dass wir Probleme hatten, ein vernünftiges Signal vom Aufnahmeraum zur Bandmaschine zu schicken. Wir waren einfach keine guten Techniker und haben dadurch natürlich viel Zeit damit verschwendet, solche grundsätzlichen Dinge zu regeln.

ND: Hat dich der letzte Studioaufenthalt jetzt vielleicht sogar soweit motiviert, dass du in Zukunft selbst als Produzent oder Tontechniker arbeiten möchtest?

NIS: Nicht wirklich. Ich habe zwar bereits früher schon einige Sachen für andere Bands produziert, die dann auch veröffentlicht wurden, aber ich arbeite hier auch nur an Projekten, die ich wirklich mag und die mich wirklich interessieren. Ich möchte aber niemals Tontechniker werden – gelegentlich als Produzent zu arbeiten genügt mir dabei völlig.

ND: Nun, die meisten Menschen müssen sich in der Regel einen Job suchen. Kannst du etwa von deiner Musik leben, oder arbeitest du noch irgendwo anders?

NIS: Du meinst neben New Idea Society? Nun, wir sind gerade an einem Punkt, an dem es inzwischen nur noch davon abhängt wieviel wir als Band arbeiten, bzw. wie viele Konzerte wir spielen. Zwischen den Touren oder den Studioaufenthalten mache ich eigentlich nichts anderes mehr. Ich bin in der glücklichen Lage, meinen Lebensunterhalt komplett mit meiner Musik bestreiten zu können...

ND: Beneidenswert! Das war aber sicher auch mal anders: Was war denn der übelste Job, den du jemals zuvor machen musstest?

NIS: Ha, ha, ...my worst job ever? Als ich 17 war, habe ich für eine Firma gearbeitet, die Ausflüge, wie beispielsweise Picknicks und ähnliche Veranstaltungen, für andere Firmen organisierte. Mein Job war es, den ganzen Tag das Laub zu beseitigen, damit die Flächen immer schön sauber waren. Acht Stunden täglich Blätter zusammen harken, dass war meine erste und sehr prägende Erfahrung in Sachen körperlicher Arbeit... (Gelächter!) ...und ich habe diesen Job tatsächlich während meiner gesamten Highschool Zeit gemacht!

ND: Demnach ist es wohl ein wesentlich besserer Zeitvertreib ein Album aufzunehmen als jeden Tag nur Laub einzusammeln, oder?

NIS: Ja, ich denke schon. Siehst du das etwa anders? (erneutes Gelächter!)

ND: Nun, es dauert ja auch nicht ganz so solange... du hast mir ja erzählt, dass ihr das neue Album innerhalb von einer Woche eingespielt habt. Abgesehen von den verbesserten Aufnahmenbedingungen habe bei den Credits gelesen, dass Andrew Schneider, neben seiner Tätigkeit als Tontechniker, auch noch alle Bass-Parts eingespielt hat, und das Ania Grzesik, die eigentlich die für die Streicher verantwortlich war, auch noch als Ton-Assistenz gearbeitet hat. Darüber hinaus werden auch noch einige Leute erwähnt, die das eine oder andere Instrument beigesteuert haben. Das klingt ganz so, als ob die Studioarbeit bei Translator Audio sehr familiär abläuft.

NIS: Ja, das ist richtig. Ich sitze jetzt gerade im Studio, und das Umfeld von Translator Audio ist tatsächlich eher eine Art Musikerstützpunkt als ein reguläres Aufnahmestudio, und Andrew ist hier so etwas wie der kreative Kopf, der alles konzipiert und koordiniert. Er ist die Person bei dem alle Fäden zusammen laufen. Er war gleichzeitig in der Lage das Album aufzunehmen und den Bass einzuspielen, obwohl er die Songs vorher noch nie gehört hatte. Wir hatten vor Beginn der Aufnahmen nicht einmal eine einzige gemeinsame Probe. Ich habe beispielsweise auch den Drummer das erste mal gesehen, als vor mir in Studio stand, um seine Parts einzuspielen.

ND: Wie hast du überhaupt deine Bandmitglieder zusammen bekommen ...habt ihr etwa ein Casting veranstaltet?

NIS: (Lacht) ...nein, nein, unser Drummer Mike Ushinsky ist ein alter Freund von Andrew. Er wurde mir von Andrew empfohlen, und weil ich seinem Urteil vertraue, konnte Mike den Platz an den Trommeln besetzen. Über Steve hatten wir ja bereits geredet – er ist einer meiner besten Freunde und seit Jahren in der Band. Unseren Keyboarder Chris DeAngelis kenne ich noch einem Job in einem Bostoner Plattenladen. Er ist inzwischen zu meinem engstem Kollaborateur bei New Idea Society geworden und einer besten Musiker die ich jemals getroffen habe.

ND: Trefft ihr euch regelmässig zum Proben oder schreibst du die Songs allein?

NIS: Bisher habe ich alle Stücke allein geschrieben, aber jetzt wo New Idea Society eine feste Besetzung hat, ändert sich natürlich auch die Art und Weise wie die Stücke sich letzt endlich anhören. Ich arbeite mit Chris inzwischen sehr eng zusammen und schreibe, im Gegensatz zu früher, nur noch vielleicht 60 oder 80 Prozent der Songs. Ob sich diese Gewichtung noch weiter verschiebt, kann ich aber jetzt natürlich noch nicht sagen, ich hoffe allerdings sehr, dass sich die anderen Bandmitglieder bei den Aufnahmen zur nächsten Platte ebenfalls noch viel stärker in’s Songwriting einbringen. Wir haben uns vorgenommen, die Aufnahmen zur nächsten Platte bereits im Januar 2008 in Angriff zu nehmen, dann werden wir wohl mehr wissen.

ND: Sauberes Tempo! Eure Musik ist ja sehr textlastig. Musstest du jemals den Text zugunsten der Gesangslinie einer Nummer ändern, weil er nicht einfach nicht passen wollte?

ImageNIS: Meistens entsteht die Melodie gleichzeitig mit dem Text eines Songs, und wenn ich die Melodie im Kopf habe, schreibe ich in der Regel auch gleich der Text dazu. Ich erinnere deshalb auch mich nicht daran, dass ich jemals die Phonetik extrem verändern musste, damit Text und Melodie zusammen passen. Ich ändere zwar gelegentlich den Textablauf oder einzelne Worte ab, aber Schwierigkeiten die Lyrics und die Melodie miteinander zu verbinden habe ich eigentlich nie. Ein Beispiel hierfür ist Drawbridge Kid. Dieser Song hat einen extrem langen Text mit sehr unterschiedlichen Zeilenlängen. Deshalb mussten hier sowohl einzelne Zeilen als auch ganze Strophen unterschiedlich phrasiert werden. Besonders bei der vierten Strophe ist die Art, wie die Worte platziert wurden, ziemlich gegensätzlich zur Textstruktur der anderen drei Strophen. Die endgültige Version des Textes weicht phonetisch zwar von meinen früheren Entwürfen ab, aber rein inhaltlich hat sich nichts hier verändert. Ich finde solche Änderungen aber auch sehr natürlich beim Schreiben – das gilt sowohl sowohl für den Text als auch für die Melodie eines Songs.

ND: Du hast ja gerade eben erwähnt, dass du in der Zeit zwischen diesem und dem letzten Album über einhundert Songs geschrieben hast. Demnach fällt dir das Songwriting wohl generell sehr leicht, oder?

NIS: (Lachend) ...Naja, dass so viele Stücke entstanden sind, heisst natürlich nicht, dass sie auch alle gut sind. Ich schreibe zwar sehr viel, aber es ist wirklich sehr leicht für mich, weil ich permanent neue Ideen im Kopf habe. Diese Songs sind dann oft aber keine Nummern, die ich vor Leuten spielen würde, weil sie im Grunde nicht das repräsentieren, wofür New Idea Society musikalisch steht. Es ist aber durchaus möglich, dass ich diese Stücke irgendwann unter einem anderen Namen veröffentliche. Ich bin vielleicht nicht der beste Musiker, aber das Schreiben selbst fällt mir schon sehr leicht.

ND: Wann hast du mit der Musik angefangen, und was war der Auslöser eine Band zu gründen?

NIS: Schon als Kind habe ich viele Texte geschrieben und mir dann Melodien dazu ausgedacht. Aber ich habe erst recht spät angefangen überhaupt ein Instrument zu spielen, weil ich erst mit 15 oder 16 das Geld hatte, um mir meine erste Gitarre zu kaufen. Und ich kann dir sagen, dass ich für eine sehr, sehr lange Zeit richtig schlecht an der Gitarre war, ..mit der richtigen Motivation wurde es dann irgendwann besser. Ich denke, der Hauptgrund dafür in einer Band zu spielen, war für mich schlicht und ergreifend meine Liebe zur Musik. Ich hörte viel Musik von Echo And The Bunnymen oder New Order, und wollte eigentlich genau den gleichen Sound machen. Die Platten dieser Bands habe ich mir immer und immer wieder gehört - dutzendfach hintereinander – und das war am Ende für mich die Intention selber Musik zu machen.

ND: Mit 15 oder 16 also, ...das hört sich bei dir so an als ob das schon ewig her ist. Wie alt bist du denn jetzt?

NIS: Wie alt hättest du mich denn gerne ?

ND: Ha, ha, eigentlich machen doch nur Frauen ein Geheimnis aus ihrem richtigen Alter! Es war ein wenig schwierig etwas über dein Leben in Erfahrung zu bringen...

NIS: Ich bin so alt, wie du mich haben möchtest! Aber mal im Ernst: Ich denke, das ist so wie mit meinem vorherigen Album. Es wurde irgendwann aufgenommen und veröffentlicht. Dieser Zeitpunkt liegt aber schon lange zurück. Im Leben geht es nicht um solche Sachen, wie Past Tense, Present Tense und Future Tense. Diese Kategorisierungen sind für mich nicht so real, wie z.B. unser Gespräch gerade in diesem Moment. Alles was du träumst, dir ausdenkst oder auch was du bisher erlebt hast, ist für mich nicht so wirklich, wie dass, was jetzt gerade hier passiert, und deshalb kann ich mich auch nicht mit der Idee anfreunden, dass vergangene oder vielleicht auch zukünftige Dinge eine grosse Bedeutung haben. Deswegen bin ich so alt, wie du magst, ...und ich kann auch sein, wer immer du willst. Deine eigene Vorstellung bestimmt letzt endlich, wie du deine Welt wahrnimmst, aber wirklich relevant ist nur dein gegenwärtiges Handeln und was jetzt gerade tatsächlich passiert.

ND: Interessante Theorie! Ich hätte aber trotzdem noch eine Frage zu deiner Vergangenheit. Neben dem Entschuss Musik zu machen: Was war für dich der wichtigste oder grossartigste Moment in deiner bisherigen Karriere?

NIS: Für mich gab es ziemlich viele von diesen Momenten, aber ich denke die beeindruckendsten Erfahrungen habe ich unterwegs gesammelt. Wir haben z.B. auf unserer letzten Tour Konzerte in Spanien und Ungarn gespielt, und allein Reaktionen der Leute auf unsere Musik war damals einfach umwerfend. Dort auf der Bühne zu stehen gab mir einige sehr transzendente Momente. Ein ähnliches Gefühl hatte ich, als Fugazi uns fragten, ob Eulcid in Boston den Support für ihre erste Show nach 14 Jahren spielen wollten. Für mich war das eine riesige Ehre und definitiv einer der besten Momente in meinem ganzen Leben. Auch das wir mit New Idea Society die Möglichkeit bekommen haben in Japan zu touren war sehr bewegend. Ich mag es einfach unterwegs zu sein, irgendwo auf der Welt aufzutreten und die unterschiedlichsten Leute zu treffen.

ND: Hast du neben der Musik auch noch andere Interessen, wie z.B. die aktive Unterstützung von anderen Gruppierungen, sei es auf künstlerischer oder von mir aus auch auf politischer Ebene?

ImageNIS: Ich denke, wenn man aus tiefster Überzeugung Musik machst, dann kommt man nicht daran vorbei andere Gruppierungen zu unterstützen, die sich für eine bestimmte Sache engagieren, um diese Welt vielleicht ein wenig zu verbessern. Echte Künstler haben - zumindest bis zu einen gewissen Grad – die Möglichkeit einige andere Leute zu erreichen, und sollten solche Initiativen auch unterstützen. Ich glaube, dass überzeugte Künstler oder oft sogar sehr bösartig und gemein auftretende Bands immer den Weg zum Frieden oder zu einem gemeinsamen miteinander Auskommen suchen. Ich unterstütze aktiv verschiedene Menschenrechtsbewegungen in den Staaten, unter anderem eine, die sich für die Rechte von Homosexuellen einsetzt. Ich engagiere mich auch bei verschiedenen Umwelt- und Tierschutzorganisationen, und versuche selbst so umweltbewusst wie möglich zu leben. Die meisten unserer Vereinigungen agieren inzwischen sehr global, und haben gute Verbindungen nach Europa und auch Deutschland aufgebaut – einfach deshalb, weil bestimmte Themen in der ganzen Welt sehr wichtig geworden sind. Ausserdem befürworte ich noch das Recht auf Abtreibung im Falle einer ungewollten Schwangerschaft – gerade in den USA ist das eine sehr problematische Angelegenheit. Es gibt sicher noch andere Vereinigungen bei uns die ich unterstütze, ...aber ich denke, du hast verstanden worum es mir hier im Grunde geht. Das war auch schon früher bei Eulcid der Fall. Wir spielten fast mehr Benefiz-Shows als reguläre Konzerte und waren auch immer eine politische Band. New Idea Society ist vielleicht weniger direkt auf solche Dinge fixiert, aber ich hoffe trotzdem, dass unsere Musik in einem tieferen Sinn einige Leute erreichen kann. Letzt endlich versuche ich dem Publikum einen transzendenten Gedanken, ein Gefühl oder eine sinnbildliche Erfahrung zu vermitteln. Denn diese Ausdrucksweise erscheint mir inzwischen eine stärkere Wirkung zu hinterlassen, als das direkt ausgesprochene Wort...

ND: Sinnbildliche Erfahrungen vermitteln? Schön und gut, aber du bist von Boston nach New York City gezogen – und wenn es eine Stadt gibt, die einen direkt und unverblümt mit der Realität konfrontieren kann, dann doch wohl diese. Warum also?

NIS: Ha, ha, ...da hast du recht! Der Grund war aber eigentlich recht banal: Mein Freund Santos Montano, der die Drums bei Don’t Sleep eingespielt hat, zog damals auch hierher. Eulcid hatte sich gerade aufgelöst, und die meisten meiner Freunde aus Boston – Steve eingeschlossen – waren gerade auf Tour. Ich fand einfach, dass es an der Zeit war, etwas anderes zu machen. Also zog ich nach New York und suchte mir auch gleichzeitig einen Platz an dem ich mein eigenes Studio einrichten konnte. Die meisten meiner eigenen Songs sind übrigens danach hier entstanden. Ich kam hier nach 12 Stunden Fahrt im alten Van von Eulcid und mit ganzen 426 Dollar in der Tasche an. Den ersten Monat habe ich dann dem Van gelebt.

ND: Also ein klassischer Start für eine Musikerkarriere (allgemeines Gelächter)... Was sind denn so deine Lieblingsplätze in NYC, wenn du beispielsweise zu Konzerten gehst?

NIS: Ich habe mir letztens die Pixies im Hammerstein Ballroom angeschaut. Das ist eine wahnsinnig schöne Location, und der Sound in diesem sehr alten Gebäude hat mich wirklich beeindruckt. Ausserdem gibt es speziell in Brooklyn einige phantastische Plätze – wie z.B. unbewohnte Häuser-  in denen sich inzwischen eine sehr aktive Independent-Szene mit unterschiedlichsten Veranstaltungen entwickelt hat. In Manhattan gibt es zwar auch viele Clubs und Bars, aber die Brooklyner DIY-Attitüde findest du dort eher selten. Auch wenn es nicht den gängigen Klischees entspricht: Ich halte Brooklyn übrigens für eine gute Wohngegend... New York ist aber zweifelsohne ein sehr bewegter und schnellebiger Ort, bei dem dich die Reizüberflutung und die geschäftigen Menschenmassen schon manchmal leicht überfordern können. Hier gibt es eine Menge Energie und auch sehr viel Kunst. Und zwar soviel Kunst, dass du niemals wirklich alles sehen könntest, selbst wenn du wolltest... du wirst auch niemals jeden hier treffen können – dieser Ort ist einfach zu gross und viel zu massiv. In welcher Stadt wohnst du eigentlich?

ND: In München, das ist eine Stadt im Süden Deutschlands.

NIS: Weißt Du, dass wir dort auch spielen werden?

ND: Ja, natürlich: Im Kafe Kult am 02.11.2007, wenn ich mich richtig erinnere.

NIS: ...und wie ist diese Location so?

ND: Sehr klein aber extrem gemütlich! Ein ziemlich interessanter Platz, weil es sich bei dem gesamten Gelände offenbar um ein Militärhospital aus dem letzten Weltkrieg handelt, bei dem alle Gebäude unterirdisch über ein Tunnelsystem miteinander verbunden sind...

NIS: ...dann wird sich ja wohl kein Nachbar beschweren, weil wir zu laut spielen!?!

ND: ...darüber brauchst du dir ganz sicher keine Sorgen machen, weil sich das Kafe Kult irgendwo in der Mitte des Geländes befindet.

NIS: Wir haben übrigens schon einmal in München gespielt. Das war in einem Laden, der sich in einem Keller befand und Prager Frühling hiess. Die Show war grossartig, und deswegen ist München auch meine Lieblingsstadt in Deutschland.

ND (Ja.klar ...das sagen sie alle!) Ähm, ...warum?

NIS: Ich hatte in den anderen Städten wohl einfach nicht soviel Spass – aber vielleicht solltest du das nicht schreiben, ha, ha... Nein, ich hatte einfach eine gute Zeit in München und habe dort ein paar wirklich nette Leute getroffen. Ich schätze, es lag aber auch daran, dass wir eine Cover-Version von Brian Eno’s Song Here Come The Warm Jets gespielt haben, und das die Nummer bei dieser Show das einzige mal überhaupt vom Publikum erkannt worden ist – die Münchener haben mich damit ziemlich beeindruckt!

ND:Ich bin auch gerade schwer überrascht! Aber die musikalische Bildung der Leute wird inzwischen ja auch massiv durch solche Web-Communities, wie beispielsweise MySpace oder Pure Volume, gefördert. Dazu hätte ich an dich auch gleich noch eine Frage: Gibt es deiner Meinung nach heute noch bessere Wege seine Musik zu verbreiten als über diese Portale?

NIS: Ich persönlich habe eigentlich kein sonderlich grosses Interesse meine Musik zu promoten. Ich halte mehr davon, dass sich der Name New Idea Society eher über Mund zu Mund Propaganda verbreitet. Ja, wir haben eine MySpace-Seite, aber ich bin nicht wirklich darauf fokussiert, den Bekanntheitsgrad unserer Band über das Internet zu erhöhen. MySpace hält für mich ein ähnliches Monopol, wie das Rolling Stone Magazin bei uns in den USA, die sich hier nur um einige wenige Bands kümmern. Es kostet dich z.B. eine Menge Geld, wenn du ein MySpace-Feature haben möchtest, und hier geht mir der eigentliche Grundgedanke, die Bedeutung und die Begeisterung für die Musik verloren. Das hat für mich einen vollkommen anderen Status als der, den man sich einfach als Band erarbeitet, wenn man eine Tour nach der anderen spielt und damit einen direkten Kontakt zum Publikum aufbaut. Ich kann zwar nicht wirklich dagegen argumentieren, aber ich bin kein Fan von diesen Portalen, und zumindest New Idea Society kommt ganz gut ohne solche Hilfsmittel aus. Aber meine Meinung zu Computern und dem ganzen digitalen Kram kennst du ja bereits, ha, ha...

ND: Ja, klar! Also ist die ganze Copy Kills Music Kampagne für dich wohl auch nicht sonderlich spannend?

NIS: Na, sagen wir es mal so: Ich bevorzuge es, wenn die Leute meine Platten kaufen, und die Musik genauso zu hören bekommen, wie ich sie aufgenommen habe – mit der richtigen Song-Reihenfolge und einschliesslich aller Pausen zwischen den Stücken. Dazu kommt, dass die meisten MP3 Files in der Regel auch noch schlechter klingen. Wenn aber jemand aus einem Land stammt, dass beispielsweise wirtschaftlich weit hinter den USA oder Deutschland ansteht, und sich die Musik daher definitiv nicht leisten kann, wäre das für mich schon etwas anderes. Wenn diese Person sich mein Album illegal herunter lädt, und mir dann vielleicht noch mitteilt, dass es für ihn oder sie nicht möglich war, die Platte zu kaufen, weil in dem Land eine CD vergleichsweise ein Vielfaches von dem kostet wie bei uns, dann hätte ich damit sicher kein Problem. Was ich nicht verstehe, ist aber die Tatsache, das viele Leute 30 Dollar bzw. 20 Euro an einem Abend für Bier ausgeben, aber dann behaupten, dass ihnen die CD zu teuer ist. Ich denke, solche Leute sollten sich das Album einer Band auch kaufen, weil die es sich ganz sicher leisten können.

ND: Da bin ich ganz bei Dir! Ich verstehe z.B. auch nicht, wieso sich viele Kids für 5 Euro einen (!) nervigen Klingelton als MP3 herunterladen, aber bei einer CD (mit 10, 12 oder noch mehr Stücken) für vielleicht 15 Euro erzählen, dass ihnen das viel zu teuer ist - diese Einstellung ist hier aber leider sehr verbreitet. Wie würdest du jemanden versuchen davon zu überzeugen, mal über diese - im Grunde vollkommen idiotische - Attitüde nachzudenken?

NIS: Ich möchte normalerweise eigentlich niemand von irgend etwas überzeugen. It’s a waste of breath... Wenn mich jemand fragen würde, sage ich ihm schon, was ich generell davon halte und würde demjenigen vielleicht noch Folgendes mit auf den Weg geben: Wenn du eine Band unterstützen willst, dann kauf dir ihre Platten! In einer Band zu sein ist möglicherweise einer härtesten Jobs, die man überhaupt haben kann ...es sei denn du bist U2, aber selbst die haben früher sicher auch schon einmal andere Zeiten erlebt. Ich verurteile die Leute nicht dafür, wenn sie sich Musik illegal herunterladen, aber ich denke, es gibt sicherlich bessere Wege sein Interesse an einer Band zu zeigen. Gerade wenn man die Musik liebt, sollte man eine Band auch wirklich unterstützen. Jeder sollte sich natürlich auch selbst noch die Frage stellen, warum man einer klanglich schlechteren MP3 den Vorzug gegenüber einer richtigen CD gibt. Meine persönliche Meinung und offizielle Download-Antwort dazu ist aber letzt endlich, dass jemand, der 20 Euro für was auch immer am Abend verschwendet, auch genauso gut unser Album für gerade mal 10 Euro kaufen könnte.

ND: Ein schönes Statement zum Schluss, und ich bin mit meinen Fragen auch am Ende. Noch irgendwelche letzten Worte?

NIS: Nein eigentlich nicht. Aber Danke, dass du so früh aufgestanden bist, und dafür dass du uns so bereitwillig unterstützt!

ND: Gern geschehen! Für eine gute Sache muss man eben manchmal leiden...

NIS: Ach ja: Und erzähl allen deinen Freunden von New Idea Society!

ND: Keine Sorge, dieses Projekt läuft bereits, und die Resonanz würde dir gefallen. Ich preise euch hier immer gerne als die rockende Version von Bright Eyes an...

NIS: Das habe ich irgendwie schon öfters gehört. Wieso klaut Bright Eyes unsere Ideen? Was soll das??? (Gelächter!)

ND: ...die machen das übrigens schon seit Jahren (erneutes Gelächter) und bringen eine Platte nach der anderen raus!

NIS: Dann werde ich mir wohl diese Sachen mal anhören, um heraus zu finden was es damit auf sich hat, ha, ha...

ND: Das wäre vielleicht keine schlechte Idee. Mike, danke dass du dir soviel Zeit für mich genommen hast, und ansonsten wünsche ich dir jetzt eine gute Nacht!

NIS: Ich habe zu danken! Wir sehen uns in München. Bye...
 
 
Sepcys - Egal, ...zerlegen wir den Schuppen!
Geschrieben von: Dark   
Sepcys - Egal, ...zerlegen wir den Schuppen!
 
ImageND: Schön, dass ich bei eurer Probe stören darf, um mir mal wieder ein Bild über die neuesten Entwicklungen in Sepcys-Land machen zu können. Es gerät ja gerade ziemlich viel in Bewegung bei euch, ich würde aber zum Einstieg gerne einfach erst einmal ganz am Anfang beginnen: Erzählt mal ein wenig über Sepcys. Euch gibt's ja schon seit 2001, früher ward ihr ja auch mit einer anderen Besetzung unterwegs. Wer war denn so mit dabei?

Specys: Also, ganz ursprünglich waren wir schon mal zu fünft. Als wir bei unserem Schlagzeuger im Keller angefingen zu "proben", wurden zunächst einfach irgend welche Songs gecovert - damals noch mit zwei Sängern. Alles mehr schlecht, als recht (Gelächter)! Es dauerte auch nicht lange, bis wir uns dann entschlossen haben, das Ganze besser sein zu lassen. Kurze Zeit später rauften wir uns aber in neuer Besetzung wieder zusammen und suchten uns erst einmal einen richtigen Proberaum. Das muss so Anfang 2002 gewesen sein. Wir haben dann ziemlich bald fest gestellt, dass die Sache mit dem zweiten Sänger immer noch nicht so wirklich funktionierte, woraufhin er die Band auch recht schnell verliess. Wir wollten das Ganze aber noch einmal ernsthaft versuchen, und dann kam schliesslich Radu als zweiter Gitarrist dazu. Die Schwierigkeit war allerdings noch einen Bassisten zu finden, und es hat ein gutes Jahr gedauert, bis wir Benni gefunden hatten. In der Zwischenzeit hatten wir uns zwar mit einigen Aushilfs-Bassern begnügt, aber erst im Februar 2003 konnten wir dann mit der neuen Besetzung richtig loslegen.

ND: Max und Bobbes waren von Anfang an dabei, oder?

Specys: Ja, die beiden sind sozusagen die Gründer von Sepcys, ...damals halt noch im Keller.

ND: Was hattet ihr denn anfangs mit der Band vor? Wolltet ihr nur ein lautes Hobby haben, eine Metal-Coverband gründen oder vielleicht auch mal Platten veröffentlichen?

Specys: Als wir das aller erste mal zusammen gespielt haben, waren wir wohl einfach schlicht weg betrunken (erneutes Gelächter)! Aber dann hat's doch Spass gemacht, und wir haben uns dann tatsächlich auch nüchtern wieder getroffen. Zunächst wollten wir im Prinzip einfach nur im Ulm live auf der Bühne stehen, da wir hier auf Konzerten ein paar Bands gesehen hatten, war klar: Genau das wollten wir auch! Die Idee CDs aufzunehmen und durch Deutschland zu reisen, kam uns eigentlich erst relativ spät.

ND: Was geht denn so in Ulm? Ist die Band-Szene bei euch sehr offen, oder eher fixiert auf ein paar wenige Richtungen wie Metal und Punk?

Sepcys: Ulm hat im Prinzip relativ viel im Angebot, aber gerade was den Metal und Metal-Core Bereich angeht, hat sich hier inzwischen eine ziemlich präsente Szene entwickelt. Da gibt es zum Teil so viele Bands, dass in einigen Clubs auch nicht mehr allzu viel anderes läuft. Auf der anderen Seite lassen sich hier aber auch immer noch gute Punk-Bands finden - Stichwort Benzin. Aber grundsätzlich sind in Ulm auch nach wie vor alle musikalische Richtungen vertreten.

ND: Haben sich eure Ziele denn inzwischen geändert? Ihr hattet ja u.a. auch beim Emergenza teilgenommen, und dabei geht's ja im Idealfall u.a. auch darum, einen Label-Deal zu bekommen.

Sepcys: Wie schon gesagt, haben sich unsere Ziele natürlich inzwischen geändert. Im Moment sind wir gerade wieder in einer Songwriting-Phase, und dem entsprechend ist unser Primärziel gerade einfach richtig gute Songs zu schreiben.

ND: ...und was ist dabei bis jetzt heraus gekommen?

Sepcys: Zwei neue Nummern haben wir bisher schon grösstenteils fertig gestellt, und ein paar andere Tracks sind gerade in Arbeit. Wir haben inzwischen ziemlich wahnsinnig viele Ideen gesammelt, und von diesen ganzen Parts und Fragmenten wählen wir gerade die besten Teile aus, um diese weiter auszuarbeiten. Und Du kannst sicher sein, dass daraus am Ende ein paar richtig coole neue Songs entstehen werden.

ND: Euer Kollege Andi hatte mir mal erzählt, dass ihr auch noch jede Mengen älteres Material habt, und dass ihr hier noch mal ein wenig aufräumen wolltet. Wird davon auch etwas auf der neuen Platte zu hören sein?

Sepcys: Auf unserem Debüt-Album Evolution Of Fake waren einige Songs vertreten, die bereits ein bis zwei Jahre zuvor aufgenommen wurden. Dadurch haben wir es geschafft, schon mit der letzten Platte völlig aufzuräumen, und daher können wir jetzt auch einigermassen jungfräulich an die Produktion dieses Albums gehen. Der grosse Vorteil daran ist, dass die neuen Songs dann einfach wie aus einem Guss klingen werden, und wir sind wirklich gespannt, wie sich das Gesamtwerk dann letzten Endes anhören wird.

ND: Bleibt ihr denn stilistisch auf eurer Linie oder sind hier irgend welche grossartigen Veränderungen zu erwarten? Du hattest ja anfangs erwähnt, dass ihr zu Beginn eurer Laufbahn sogar mit einem zweiten Sänger herum experimentiert habt...

Sepcys: Als wir angefangen haben richtig Songs zu schreiben und unsere ersten Auftritte hatten, war der zweite Sänger schon längst raus aus der Band. Das waren Zeiten als man noch Such A Surge und ähnliche Dinge gehört hat. Ich weiss nicht einmal mehr, was das damals eigentlich genau gewesen ist - auf jeden Fall hat das mit dem, was wir heute machen, ganz sicher nichts mehr zu tun...

ND: ...die Richtung bleibt also wie gehabt, und wir können auch demnächst wieder ein schönes Gitarrenbrett von Sepcys erwarten?

Sepcys: ...gar keine Frage: Ein Brett bleibt's immer! Es ist aber auch so, dass wir uns natürlich weiter entwickeln. Wenn beispielsweise ein neues Album heraus kommt, muss dass nicht unbedingt die neueste brutale Metal-Platte sein. Es kann auch etwas ganz anderes sein, dass uns dann beeinflusst. Und wenn wir dann im Proberaum einen neuen Song schreiben, der schliesslich anders klingt, als dass was wir bisher gemacht haben, dann ist uns das im Endeffekt auch egal, solange der Song einfach geil klingt.

ND: Was hört ihr den gerade so - irgend welche Bands, die eher aus dem Rahmen fallen?

Sepcys: Ich höre permanent das neue Album von From Autum To Ashes.

ND: ...grossartig, gefällt mir auch extrem gut!

Sepcys: ....wobei wir alle auch noch die neue Machine Head sehr geil finden. Das kommt aber immer ein bisschen darauf an, was gerade stimmungsmässig ansteht: Ich habe zum Beispiel auch mal wieder in die letzte Porcupine Tree reingehört - ist auch nicht schlecht.

ND: Verständlich! Aber jetzt nochmal zurück zum Emergenza und diesen ganzen Talentschmiede-Festivals: Mich interessiert hier speziell eure Zusammenarbeit mit dem Produzenten Achim Lindermeir, der ja nun wirklich kein unbeschriebenes Blatt in der deutschen Musikszene ist. Wie kam denn es dazu?

Sepcys: Also, das Emerganza war 2003, und wir hatten vorher schon beim Szene Star mitgespielt - das ist ein Band-Wettbewerb hier in Ulm - bei dem wir in der ersten Runde sang- und klanglos heraus geflogen sind. Achim war dort in der Jury, und fand uns - soweit ich weiss - als einziger vollkommen fett! Und weil er uns einfach so geil fand, kam er nach dem Wettbewerb dann auf uns zu, und hat uns angeboten, in seinem Studio eine Platte aufzunehmen. Daraus wurde dann unsere 4-Track EP No Love Like Hate (2004). Mit der EP haben wir dann verschiedene Label bemustert, um vielleicht dort irgendwo unter Vertrag genommen zu werden. Aber nachdem ein positives Feedback ausblieb, hat Achim uns vorgeschlagen, die Sache ganz anders aufzuziehen: Er gründete daher proforma ein eigenes Label und nahm uns dort unter Vertrag, um die Platte zu veröffentlichen...

ND: ...das war dann Tunelow Records, richtig?

Sepcys: Ja, und der Vertrag bei Tunelow Records lief über zwei CDs. Unser Debüt-Album Evolution Of Fake ist zwar auch noch auf seinem Mist gewachsen, wurde dann allerdings nicht mehr über sein Label veröffentlicht, sondern kam als Eigenproduktion heraus.

ND: Warum?

Sepcys: Ganz einfach, um uns die Möglichkeit zu geben, jederzeit von einem interessierten Label unter Vertrag genommen zu werden.

ND: Wie sieht es denn gerade mit Angeboten bei euch aus? Ihr habt die Platte ja an alle möglichen Label verschickt. Welche Reaktionen gab es denn bisher?

Sepcys: Es gab natürlich Standardabsagen, aber auch einige etwas nettere und persönliche Absagen. Zwei Label hatten auch schon ernsthaftes Interesse bekundet, aber da gab es wohl firmenintern einige Querelen, wie die berühmten personellen Umstrukturierungen oder ähnliches branchenübliche Probleme. Das führte dann aber letzt endlich dann auch zu einer Absage...

ND: Aber mal abgesehen von Achims Support, und nachdem was ihr bisher ohne einen grossartigen Vertrag geschafft habt, scheint ja eine gesunde DIY-Attitüde gar nicht mal die schlechteste Alternative zu sein...

Sepcys: Das ist schon richtig, ...vor allem, wenn man bedenkt, dass Evolution Of Fake erst im Juni 2006 veröffentlicht worden ist. Wir verschicken auch weiterhin Platten an Label, weil sich jemand dort möglicherweise sagt: "Die müssen wir unbedingt haben, ...die sind ja der Hammer!". Aber natürlich ist uns auch klar, dass wir mit vielleicht zehn Gigs im Jahr kein Label dafür begeistern können, uns sofort unter Vertrag zu nehmen, um dadurch mal eben 10.000 Platten zu verkaufen. Deswegen sind die Veranstalter hier unsere vorrangige Zielgruppe, damit wir so viele Gigs wie möglich spielen können: Gegen Ende letzten Jahres zeigte sich beispielsweise, dass das Booking dadurch schon ganz anders anlief: Die letzte Tour zu Weihnachten war der Hammer, und was dieses Jahr schon an Auftritten fest steht ist einfach grandios. Langfristig wollen wir deshalb unseren Bekanntheitsgrad auch eher durch eine massive Live-Präsenz steigern, um irgend wann an einen Punkt zu gelangen, an dem die Plattenfirmen einfach nicht mehr an uns vorbei kommen...

ND: Andi, was ich bisher Live von euch sehen durfte, war ja schon ziemlich beeindruckend! Wenn das Publikum nicht anspringt, lässt Du ja nicht locker...

Sepcys: Nee...!

ND: ...und Du penetrierst die Leute solange, bis Bewegung in den Laden kommt! Kommt es nach solchen Vorstellungen dann vor, dass der Veranstalter euch direkt für einen weiteren Gig buchen will, oder dass euch jemand von einem Label anspricht?

Sepcys: Unsere Auftritte sind in erster Linie immer eine gute Sache für Folge-Gigs. Erst vor zwei Wochen haben wir beispielsweise einen Gig gespielt, den uns der Booker vom Backstage (München) vermittelt hat, weil wir dort schon einmal gespielt hatten. Er hat uns dann einfach weiter empfohlen ...das passiert eigentlich auch recht häufig. Oder wir lernen bei einer Show eine andere Band kennen, und die fragen später bei uns an, ob wir nicht Lust hätten, mit ihnen irgendwo anders noch ein Konzert zu spielen. Letztes Jahr hatten wir in Augsburg zwei oder drei Tage nach unserem Gig in der Kantine (Augsburg) dort gleich noch einen weiteren Auftritt, weil ein Slot freigeworden ist, und uns der Veranstalter gerne wieder mit dabei gehabt hätte. Das zieht halt alles immer weitere Kreise, und solche Gelegenheiten nutzen wir natürlich immer gerne.

ND: Da scheint ja auch langsam richtig gut anzulaufen. Letztes Jahr hattet ihr ja noch eine kleine Tour gebucht. Und dieses Jahr...?

Sepcys: ...es geht jetzt kontinuierlich immer ein bisschen weiter raus!

ND: Wenn ihr mal zurück blickt: Welcher war euer bester Gig? Beispielsweise irgend eine Show, bei der ihr eigentlich vermutet hättet, dass der Abend nur in einer Katastrophe enden kann, aber am Ende kam alles ganz anders. Oder ein Konzert vor so vielen Leute, dass euch allein die Atmosphäre einfach umgehauen hat?

Sepcys: Also eines unserer absoluten Highlights war unsere CD-Release-Show 2004 im Schilli (Ulm), weil wir das erste mal als Headliner spielten und im Vorfeld auch alles selbst organisiert haben. Wir hatten vorher auch richtig Panik, weil nicht wussten, ob überhaupt jemand dort hin kommt. Um 09:30h musste dann letzt endlich der Club dicht gemacht werden, weil er einfach voll war - und dementsprechend war auch die Stimmung an diesem Abend...! Hinter dem Vorhang auf der Bühne hörten wir schon während der Umbaupause die ersten Sprechchöre. Der Club war mit 300 Leuten ausverkauft, und das Publikum hat einfach nur abgefeiert. Das war wohl einer der grandiosesten Gigs überhaupt. Ähnlich überwältigend war auch eine Show im Roxy, als wir im Rahmen eines Benefiz-Konzertes auftraten, und dort nur lediglich drei Songs spielten. Der Club war allerdings gerammelt voll, und selbst dieses kurze Set wurde von den Leuten wieder richtig abgefeiert. Für dieses Jahr würde ich noch den Gig mit Crosscut im Schilli (Ulm) vom Februar mit auf unsere Best-Of Liste setzen.

ND: Auftritte in Ulm sind ja ein ganz klares Heimspiel für euch. Welche schönen Momente wurden euch denn im Rest der Welt beschert?

Sepcys: Das Rock die Heide Festival im Juni letzten Jahres, hat uns ein ganz spezielles Wochenende bereitet, und wird uns auch wohl noch ziemlich lange in bester Erinnerung bleiben. Bei diesem Festival in Blaubeuren handelt es sich um eine Benfiz-Veranstaltung, die in der Gegend einen leicht kultigen Ruf geniesst, und so planten wir einen Sepcys-Betriebsausflug, bzw. ein richtig böses Party-Wochenende: An Freitag hatten dort wir unseren Auftritt vor ca. 800 Leuten, der einfach sensationell lief. Das Publikum ist vollkommen ausgerastet, und danach feierten wir mit den anderen Bands bis Samstag Morgen um 05:00h durch. Die Veranstalter haben uns dann sogar noch ein Frühstück spendiert. Anschliessend ging's direkt zum nächsten Gig nach Stuttgart, und gleich darauf auch wieder zurück nach Blaubeuren, um dort weiter zu feiern... Die Veranstalter haben uns deshalb inzwischen adoptiert, und wir müssen jetzt dort jedes Jahr spielen... (Gelächter). Ausserdem wollten sie uns dieses Jahr sogar an beiden Tagen spielen lassen, aber da geht leider nicht...

ND: Schöne Sache, ...also einen Haufen guter Shows hat's ja bei euch schon gegeben. Deswegen noch einmal zurück zum Thema Katastrophe: Gab's bei euch auch mal so richtig fiese Auftritte, bei denen gar nichts lief?

Sepcys: Das gibt's immer mal wieder. Aber inzwischen ist das bei uns so: Wenn wir in einen absolut schimmeligen Schuppen kommen, bei dem wir sofort wissen, dass dort garnichts geht - weil nur fünf Leute da sind, die im Zweifelsfalls auch noch keinen Bock auf uns haben - dann lassen wir uns davon nicht beeindrucken und ziehen unser Ding trotzdem durch. Aber was ich sicher mal meinen Enkeln erzählen kann, ist die Geschichte von dem Auftritt in irgend einem Kaff in der Nähe von Ulm. Auf diesem "Festival" hatte die Bass-Drum nicht einmal ein Resonanzfell, und zur Abnahme wurde lediglich ein SM-58 in die Bass-Drum gelegt - abgesehen davon wurde nur noch der Gesang über ein weiteres Mikro abgenommen. Das Publikum bestand zu einer Hälfte aus betrunkenen Dorf-Nazis, und zur anderen aus nicht-interessierten Anwesenden. Zum Glück war das einer unserer ersten Auftritte, und seitdem auch nichts Schlimmeres mehr passiert.

ND: Ha, ha, ...so ein bisschen ländliches Strassenfest oder Scheunen-Party Atmosphäre, oder was?

Sepcys: Ja, es war auf jeden Fall völlig verheerend, und dort hat ausser uns auch nur noch eine Country & Western Band gespielt. ...Aber wie gesagt, so ein Erlebnis bringt dich erst einmal runter, und ab da kann es eigentlich nur wieder bergauf gehen! Inzwischen ist es so, dass wir in einen Club herein kommen und sehen uns die Leute an. Auch wenn die Voraussetzungen dann scheisse sind, ziehen wir unseren Gig trotzdem voll durch und machen uns ein Fest aus dem Abend. Es hat schon einige mal funtkioniert, dass die Leute, die dort waren sich anfangs dachten "Was sind denn das welche?" am Ende schliesslich vor der Bühne vollkommen abgegangen sind und Party gemacht haben.

ND: Getreu dem Motto: Jetzt erst recht...

Sepcys: Klar, das sind häufig sogar die besten Gigs! Es schwebt dann schon vor der Show oft so eine leichte Angepisstheit im Raum, und wir schreien uns dann an "Egal, ...zerlegen wir den Schuppen!", und das klappt dann auch meisten ganz gut. Schlimm ist vielleicht, wenn irgend etwas kaputt geht - so etwas wirft einen dann schon eher mal aus der Bahn - aber das ist ja wohl bei jeder Band der Fall.

ND: Was geht denn bei euch so alles kaputt? Werdet ihr selbst dabei auch gelegentlich in Mitleidenschaft gezogen?

Sepcys: Ich glaube, das liegt in der Natur der Sache...

ND: ...sehr diplomatisch formuliert...

Sepcys: ... wenn etwas organisiert wird, und die Dinge dann aber schief laufen, gibt es natürlich schon einmal böses Blut, oder man kommt scheisse rüber. Wir haben zum Beispiel mal einen Gig gespielt, bei dem nach einander zuerst eine Gitarre, dann der Bass, und schliesslich noch die Ersatz-Gitarre kaputt gingen. Und wenn nach jeden Song irgend etwas nicht mehr funktioniert, dann hast du halt spätestens nach der fünften Nummer eigentlich echt keinen Bock mehr.

ND: Man kann dann aber doch immer noch unplugged loslegen...!?!

Sepcys: Ja, irgend wie so... Aber manchmal geht es auch anders: Auf dem Rock'n'Skate Festival hatte zum Beispiel damals die inzwischen aufgelöste Hardcore-Band Pornophon gespielt. Während ihrer Show fiel auf der Bühne grösstenteils der Strom aus, und alles was noch funktionierte waren die Monitore. Die Jungs haben dann die Monitore zum Publikum gedreht um darüber zu singen, während ihre Amps die Musik in die Menge rotzten. Wir waren im auch Publikum und haben mit der Band einfach ein geiles Fest aus dieser Situation gemacht. Deshalb gibt's da nur eines: Scheiss drauf, die Leute sind zum feiern da - und wenn irgend etwas schief geht, dann einfach weiter in die Vollen, solange der Spass dabei bleibt, wird's schon gut gehen!

ND: Yeah, das ist Rock'n'Roll - dazu fällt mir spontan nur der Song Party Hard von Andrew W.K. ein....

Sepcys: ...bei einem unserer Auftritte hatten wir übrigens auch mal einen - zumindest im nach hinein - lustigen Unfall. Wir hatten also unseren Auftritt, und Bobbes Verstärker - ein Topteil mit Speaker - stand am Rand der Bühne, die ungefähr einen halben Meter hoch war. Wir planten ein kleines Feature mit dem Sänger einer anderen Band, der zu diesem Zeitpunkt allerdings schon einiges getrunken hatte. Der Mann kam auf die Bühne, hat ordentlich abgerockt, ist aber schliesslich gestolpert und dabei in Bobbes Amp gefallen. Der ganze Verstärkerturm, inklusive Case, ist dann natürlich wie in Zeitlupe nach hinten weg gekippt, und nahm auf seinem Weg zum Boden selbstverständlich auch noch den besagten halben Meter mit. Von dem erwarteten Totalschaden blieben wir dann aber zum Glück verschont - der Verstärker war noch vollkommen in Ordnung...

ND: ...aber dieser unerwartete Show-Teil kam doch sicher gut an, oder?

Sepcys: (Lachen!) Ja, super ...besonders Bobbes mochte die ganze Nummer richtig gern!

ND: ...bleibt wenigstens im Gedächtnis, ha, ha! Soviel zum Thema Live und unterwegs. Aber gibt es auch ein paar Dinge die ihr im Studio wirklich hasst wie die Pest?

Sepcys: Was es generell bei Aufnahmen oder auch im Proberaum immer gibt diese Situation, in der man gerade an einem Song schreibt und einen bestimmten Teil ausarbeiten will. Du kannst absolut sicher sein, dass genau in dem Moment, in dem dir gerade jemand seine Idee dazu mitteilen will, ein anderer laut dazwischen spielt. Ich glaube, das kennt wohl jeder Musiker. Dann wird einfach kurz Ruhe geschrieen und anschliessend wieder weiter gemacht. Aber das gehört letzten Endes ebenso zu einer Band. Songwriting wie ein Uhrwerk zu betreiben funktioniert, meiner Meinung nach, auch nicht wirklich, weil dabei etwas wichtiges verloren geht. Die letzte Platte, die wir gemacht haben, entstand schliesslich auch nur, weil wir hier mit richtig Spass an die Sache heran angegangen sind. (Zwischenbemerkung aus dem Off: ...aber das gibt es ja schon lange nicht mehr bei uns!) ...Genau solche Leute werden bei uns jetzt einfach rausgeschmissen!

ND: Ha, ha, ja klar ...das Sepcys-Bootcamp ist kein Ort für Klassen-Clowns! Eine Frage hätte ich aber noch zur neuen Platte. Wisst ihr schon ungefähr wann das Teil heraus kommen soll?

Sepcys: Da ist noch gar nichts so richtig geplant. Zuerst einmal wollen wir gute Songs schreiben und die dann vernünftig aufnehmen. Wann und wie das Ganze dann veröffentlicht wird wissen wir bis jetzt noch gar nicht.

ND: Nehmt ihr die Sachen zuerst einmal nur in eurem Proberaum als Vorproduktion auf?

Sepcys: Nee, dass machen wir zuhause. Wir haben hier uns ein kleines Studio zusammen gebaut, und halten damit die ganzen Ideen erst einmal fest. Wenn es dann soweit ist, werden wir die Songs aber hoffentlich wieder bei Achim im Studio aufnehmen.

ND: Riesig, dann schreibt mal fleissig weiter. Ich hätte jetzt keine weiteren Fragen mehr - gibt es etwas, dass ihr an dieser Stelle noch los werden wollt?

Sepcys: Ja, ich möchte noch kurz ankündigen, was hier so die nächsten zwei Monate bei uns ansteht. Wir werden im Mai und Juni viel Live unterwegs sein: Beim Kliffrock Festival kann man uns dann u.a. mit End Of Green und Exilia spielen sehen. Natürlich sind wir auch beim Rock die Heide Festival - ebenfalls mit End Of Green - dabei. Und beim Rock am Härtsfeldsee werden wir dann mit sogar mit Motörhead und Saxon auf der Bühne stehen (diesmal gleich zwei Zwischenrufe aus dem Off: Saxon ...Motörhead!!!). Sehr, sehr geil! Radu - der für uns das Booking macht - hat, mit einem Kollegen aus Hamburg, inzwischen auch schon eine kleine Tour für uns auf die Beine gestellt, auf der wir dann im Juni zusammen mit Seamy Side unterwegs sein werden. Für die nächsten zwei Monate stehen inzwischen auch noch weitere Gigs an. Nachdem wir uns die letzten acht Wochen fast ausschliesslich mit dem Songwriting beschäftigt haben, und Live eher spärlich unterwegs waren, wird das dann eine richtig gute Sache für uns. Wir freuen uns schon riesig!

ND: Wo es gerade zur Sprache kam: Was ist mit Saxon? Ihr habt gerade diesen Termin so gross angekündigt... Riesensache? Die sind doch viel zu soft für euch!

Sepcys: Ach Quatsch, ...näh!!! Das ist Saxon, Alder! (Gelächter!) Hundert Jahre gibt's die schon...

ND: Ja, eben darum... (erneutes Lachen!)

Sepcys: Im Ernst, ...das ist genau das, was ich an uns als Band so mag: Es ist nicht so, dass wir irgendwie eingefahren sind. Wir haben nicht nur Metal- und Hardcore-Vorbilder, sondern finden einfach viele verschiedene Sachen gut. Un dann noch auf dem selben Festival wie Saxon zu spielen, oder auch mit Motörhead, dass ist einfach der Hammer.

ND: Na gut, Motörhead ist schon klar...

Sepcys: Ich finde das echt gut, und bei dem Line-Up ist mir in dem Fall die Unterscheidung zwischen Soft und Nicht-Soft ehrlich gesagt herzlich egal.

ND: Das ist doch mal ein klares Statement. Na dann, grüsst mir mal den alten Lemmy! Ich wünsche euch jedenfalls richtig viel Spass in diesem Sommer, ein erfolgreiches Songwriting für den Rest des Jahres, und zu guter Letzt möchte ich mich bei euch für dieses wirklich unterhaltsame Gespräch bedanken...
 
Website: Sepcys
 
The 101 - Universelle Prinzipien
Geschrieben von: Dark   
The 101 - Universelle Prinzipien
 
ImageAbgesehen davon, dass The 101 mit ihrem zweiten Album Numbers (VÖ: 30.06.2006) mal wieder ein wunderbares Stück Musik in diese Welt gebracht haben, ist nicht allzu viel über den Sänger und Gitarristen Eric Richter bekannt. Gut, inzwischen hat es sich herum gesprochen, dass er Mitte der Neunziger bei Christie Front Drive gespielt hat - einer der inzwischen als wegweisend anerkannten Bands, für eine damals noch recht junge Szene, die dann später allerorts mit dem Etikett Emo oder College-Rock versehen worden ist. Eric Richter zogen seine musikalischen Ambitionen aber schliesslich weiter zu seinem nächsten, wesentlich stärker elektronisch orientierten Projekt Antarctica - das offenbar auch an irgend einem Punkt nicht mehr auszureichen schien.

Dafür wurden The 101 in's Leben gerufen. Eine EP (2003) und ein Album (Green Street, 2005) folgten, und diesen Sommer gehen The 101 mit dem zweiten Longplayer Numbers, und elf wirklich aussergewöhnlichen neuen Songs, an den Start. Neben der Entstehung von Numbers und der anstehenden Tour, wäre es aber auch langsam an der Zeit, ein wenig mehr über die Band zu erfahren. Umso erfreulicher, dass sich Eric und sein Bandkollege Jeremy dazu bereit erklärt haben, der mir hierzu Rede und Antwort zu stehen...

ND: Hi Eric, hi Jeremy! Euer neues Album Numbers kommt Ende Juni heraus und zwei Wochen später werdet ihr eure Europa-Tour starten. Seid ihr dann zum ersten mal hier?

Eric: Nein, wir hatten schon letztes Jahr einige Auftritte hier - und es hat uns einfach umgehauen! Durch die gute Zeit damals, freuen wir uns natürlich auf die Konzerte hier in der Gegend, und Deutschland ist deshalb auch einer unserer persönlichen Tour-Favoriten.

ND: Ihr seid zur Zeit ja auch noch in den Staaten unterwegs, direkt danach kommt ihr nach Europa. Spielt ihr das ganze Jahr soviel Konzerte, oder hängt das einfach mit dem neuen Album zusammen?

Eric: Normalerweise sind wir nur im Sommer viel auf Tour und haben ansonsten alle ganz normale Jobs, weil das Leben in New York sehr teuer ist. Aber wenn es sich alles gut entwickelt und wie wir genug Angebote bekommen, würden wir auch unsere derzeitigen Jobs hinschmeissen, um öfters auf Tour zu gehen.

ND: Teuer ist New York ganz sicher, ...ich bin zweimal dort gewesen, und nach nur einer Woche hat mich fast der Schlag getroffen, als ich meinen Kontostand gesehen habe! Aber dort gibt es unglaublich viele Clubs und Bands. Wie sieht es denn für euch dort mit Gelegenheiten für Auftritte aus?

Eric: Das kann dort genauso leicht wie unglaublich schwierig sein. Hängt davon ab, wie cool du zu dem Zeitpunkt bleibst. Ich habe hier beides erlebt, und es sieht so aus, als ob sich die Leute nur für dich interessieren, wenn du ihnen etwas geben kannst.

ND: Musik bewegt einen oder eben nicht - das liegt in der Natur der Sache, allerdings sind mir persönlich Leute zu oberflächlich, bei denen in erster Linie der Coolness-Faktor eine Rolle spielt. Noch einmal eine Frage zu eurem Dasein in New York ... Womit verdient ihr denn in eurem richtigen Leben euren Unterhalt?

Eric: Wenn ich nicht gerade Musik mache arbeite ich als Vorschullehrer...

Jeremy: ...und ich habe ein Geschäft, für das ich Möbel und ähnliche Dinge aus Holz selbst herstelle.

ND: Na, eure beiden Jobs hören sich doch ziemlich solide an. Eric, Du bist aber meiner Meinung nach klar im Vorteil, weil Du quasi noch die Möglichkeit hast, aus den Kids frühzeitig richtige Rocker zu machen - so eine Art subtile Nachwuchsförderung...gefällt mir! Aber hattet ihr jemals so richtig miese Jobs, weil sich ein Nine-To-Five Job nicht mit der Musik vereinbaren liess?

Eric: Nein, so richtig schlechte Jobs musste ich deswegen eigentlich nie machen. Ausserdem bin ich jemand, der ziemlich schnell kündigt, wenn dass was bei meiner Arbeit abläuft mir nicht gefällt.

ND: Gab es trotzdem mal eine Zeit, in der Du aus beruflichen oder persönlichen Gründen, darüber nachgedacht hast mit der Musik aufzuhören?

Eric: Niemals, ...ich bin jemand, der einfach Musik machen muss!

ND: ...das merkt man spätestens dann, wenn man sich eure Platten anhört. Eric, Du warst ja immer recht umtriebig in Sachen Musik. Wie habt ihr euch eigentlich kennen gelernt? Kanntet ihr euch schon länger, oder war das mehr ein zufälliges Zusammentreffen das mit dem Satz "Hey, lasst uns eine Band gründen" endete?

Eric: Ben und ich waren schon seit sechs Jahren Nachbarn, und durch die Wand hörte ich ihn immer Bass spielen. Eines Tages bin ich rüber zu ihm und habe ihn gefragt, ob er mit mir in einer Band spielen wollte...

Jeremy: ...ich kannte Ben und Eric beide schon von früher. Ben und ich spielten schon zusammen in einer Band namens Sex And Cigarettes, deren Bandleader ein mexikanischer Saxophist war. Wir spielten so drei oder vier Auftritte, und während des letzten wurde der Kollege immer betrunkener, bis er schliesslich von der Bühne rannte um noch rechtzeitig die Toiletten zu erreichen. Wir durften ihm dann durch die Schwingtüren dabei beobachten, wie er sich übergab ...das war's dann mit der Band. Eric kannte ich aus meiner Zeit in Kansas City, als er noch mit Christie Front Drive unterwegs war. Die Mädchen, die ich damals kannte, waren alle total verrückt nach dieser Band, und als ich ihn dann später in New York wieder traf wurden wir richtig gute Freunde bevor ich schliesslich bei The 101 einstieg.

ND: Was mich schon seit geraumer Zeit beschäftigt ist, woher ihr eigentlich den Bandnamen The 101 habt. Hier geht z.B. unter anderem das Gerücht herum, dass dieser Begriff, in den Staaten bei der Einschreibung, so etwas wie die Bezeichnung für die Erstsemester an der Uni ist? Stimmt das?

Eric: Nein, das ist alles viel banaler: The 101 kommt aus einem Text, den ich vor einigen Jahren geschrieben habe. Ich mochte einfach den Gedanken, dieser Band eine Nummer zu geben anstelle eines gewähnlichen Bandnamens. Rückblickend habe ich mir natürlich auch schon des öfteren überlegt, ob das eine so besonders gute Idee war - aber was willst du machen - die Sache ist jetzt durch!

ND: Meiner Meinung nach - und verglichen mit den Stücken auf Green Street - haben sich eure Songs auf Numbers nicht nur weiter entwickelt, sondern euer Sound ist auch wesentlich signifikanter geworden. Viele Elemente erinnern auch inzwischen zum Teil sehr stark an so grossartige Bands, wie die späten Hüsker Dü, Buffalo Tom oder den frühen REM. Siehst Du das genauso, oder liege ich hier vollkommen daneben?

Eric: Da stimme ich Dir ganz eindeutig zu! Wir wurden schon immer mit Hüsker Dü, Buffalo Tom oder REM verglichen....

ND: ...aber ist das irgend eine Art von Bandkonzept?

Eric: ...nein, natürlich nicht. Ich denke, dass diese Bands Jeremy, Ben und mich bis heute beeinflussen - und ich muss zugeben, dass diese Faktoren in unseren Songs wahrscheinlich wesentlich prägnanter sind, als es von uns geplant war.

ND: Auf Numbers habt ihr gerade mit eurem Label-Kollegen Ian Love zusammen gearbeitet, der früher bei den Rival Schools an der Gitarre stand. Jetzt war er bei Numbers für die Aufnahmen und den Mix zuständig. In wie weit hat er die Aufnahmen und das Endergebnis beeinflusst? Glaubst Du, dass sich das Album, durch die Arbeit mit Ian, in eine andere Richtung entwickelt hat als ihr es euch vorgestellt habt?

Eric: Ich glaube, Ian war nicht so sehr involviert, wie er es gerne gehabt hätte. Das liegt in erster Linie daran, dass wir, wenn Aufnahmen anstehen, immer schon eine sehr genaue Vorstellung davon haben, wie sich unsere Songs am Ende anhören sollen. Aber Ian hat ohne Zweifel einen ganz phantastischen Job gemacht, denn wir sind alle drei verdammt glücklich mit dem Endergebnis.

ND: Na ja, Ian hat ja auch noch sein Solo-Projekt laufen, und ich schätze mal, dass es ihn nicht so besonders hart getroffen hat, weil er sich hier ja austoben kann. Durfte er den trotzdem noch einige Vorschläge machen?

Eric: Natürlich, ...wir proben neue Songs vor den Aufnahmen zwar solange bis alles perfekt sitzt, aber im Endeffekt verändern wir die Nummern sogar noch bis zur letzten Minute ...und das passiert dann eben im Studio. Man glaubt zwar jedes mal, dass es das jetzt definitiv war, aber im Studio hat man immer die Gelegenheit die Sachen in Ruhe jederzeit anzuhören, und dabei mit den einzelnen Tracks oder mit Abläufen herum zu experimentieren. Du kannst so sehr gut feststellen, was in einem Song funktioniert und was nicht. Dadurch ergeben sich oft neue Ideen, die wir dann entsprechend umsetzen. So gesehen hat Ian natürlich auch hier seinen Teil dazu beigetragen.

ND: Und wenn ihr jetzt die Aufnahmen von Numbers mit denen von Green Street vergleicht, könnt ihr mir dann sagen, ob euch hier irgendwelche Veränderungen oder Entwicklungen aufgefallen sind?

Jeremy: Die Aufnahmen zu Numbers kamen mir persönlich viel schneller vor, obwohl das nicht wirklich der Fall war ...

Eric: ...stimmt, wir haben ungefähr die gleiche Zeit und das gleiche Budget für beiden Alben benötigt. Die einzig wirkliche Veränderung war, dass jemand anderes bei den Aufnahmen an den Reglern stand.

ND: Eric, Du sagst, dass ihr vor den Aufnahmen ziemlich konzentriert an den neuen Songs arbeitet- zu Anfang entsteht aber immer die Idee für einen Song. Wie sieht bei The 101 die typische Entwicklung eines neuen Songs aus und wer hat beim Songwriting die Fäden in der Hand?

Eric: Ich bin zwar generell für einen Grossteil beim Songwriting verantwortlich, aber die wirklich grossartigen Momente sind diejenigen, wenn wir die einzelnen Teile gemeinsam als Band zu einem richtigen Song zusammen fügen. Ben ist hier übrigens immer ziemlich kreativ, wenn es darum geht ein neues Riff zu finden oder wenn wir den einzelnen Parts eine richtige Songstruktur geben wollen. Aber unabhängig davon, wer hier für welche Sachen verantwortlich ist, vertrete ich, wenn es um die Entwicklung von neuem Material geht, einen festen Standpunkt: Neue Ideen kommen nur auf ganz natürliche Weise, und wenn Du diese von Anfang an überdenken oder überarbeiten musst, bedeutet das eigentlich nur, das sie nicht funktionieren!

ND: Sehe ich genauso, ...genau genommen könnte man dieser Aussage sogar universelle Gültigkeit bescheinigen, die so ziemlich auf jeden Aspekt des Lebens anwendbar ist. Aber bei Deinen Texten ist mir noch aufgefallen, dass Sie sehr persönlich wirken und sich meistens um Beziehungen drehen: Sind die Inhalte eher biographisch oder frei erfunden?

Eric: Von beidem etwas, ...ich war immer ein wenig mehr der abstrakte Typ beim texten. Ich habe zwar immer persönliche Erfahrungen im Kopf wenn ich singe, aber Du kannst meine Texte eigentlich nicht als Erzählungen werten, sondern musst sie eher als Dichtung ansehen. Ich verwende gerne vage Andeutungen, und lasse so bei meinem Texte immer einen grossen Spielraum für Eigeninterpretationen, dadurch kann man sie auf verschiedene Situationen anwenden.

ND: Das ähnelt Deiner universellen Weisheit über das Songwriting von vorhin. Unterrichtest Du in der Vorschule etwa auch Philosophie? ...Aber um mal auf das Gegenteil zum gesprochenen Wort so kommen: Wie sieht es denn bei euch mit der Praxis aus? Seid ihr in irgendeiner Art politisch aktiv oder unterstützt ihr Tier-, Umwelt-, Menschenrechtsorganisationen oder ähnliches?

Eric: Ich persönlich bin kein besonders politischer Mensch. Ich bin eher ein Realist in dem Sinne, dass ich erkenne, dass hier weltweit eine ganze Menge aus dem Ruder läuft, und dieser Mist trotzdem passiert - ob ich mich nun engagiere oder nicht...

Jeremy: ...ich bin zumindest ein registrierter Wählen und mache auch regelmässig von diesem Recht gebrauch.

ND: Ich finde, zu wählen ist so ziemlich das Mindeste was drin sein muss. Aber realistisch betrachtet magst Du mit Deiner Einstellung derzeit wohl recht haben, da bei euch aktuell in den höchsten Positionen einige Leute ihre Finger an den Knöpfen haben, die sich für mich durch ein besonders unrealistisches Weltbild auszeichnen - und wenn Du das mit Mist meinst, ist es ja hoffentlich nur eine Frage der Zeit bis sich dort was ändert... Soviel dazu, aber habt ihr noch musikalische Nebenprojekte oder andere Aktivitäten neben The 101?

Eric: Ich spiele ein Solo-Konzert diesen Monat, allerdings ist das nichts, was ich auf einer regulären Basis mache...

Jeremy: ...ich gehe, wann immer ich die Gelegenheit dazu habe, zum Surfen - und bin ansonsten während der Pflanzzeit in meinem Garten zu finden.

ND: Pflanzzeit? ...bei euch klingt alles immer so harmonisch und bodenständig. Habt ihr den während der ganzen Zeit die ihr jetzt als The 101 zusammenspielt überhaupt schon irgend wann einmal mit Problemen innerhalb der Band zu kämpfen gehabt, durch die The 101 auf der Kippe stand?

Jeremy: Ja, ...

Eric: Natürlich, in jeder Band gibt einen Zeitpunkt, an dem sich Kleinigkeiten aufzustauen beginnen, und deren Summe später zu ernsthaftem Streit und grossen Krisen führen. Meistens sind wir aber ganz gut im Umgang mit solchen Situationen, obwohl wir auch hier noch eine ganze Menge lernen müssen...

ND: OK, ich lasse das einfach mal so stehen und verzichte auf die Frage nach zu intimen Details. Dann eben eine 180 Grad Wende und zu einem angenehmeren Thema: Was war denn für euch das bemerkenswerteste Ereignis in dieser Band?

Eric: Wow, das ist eine schwierige Frage! Für mich gibt es hier eigentlich nichts Spezielles. Es gibt zwar immer ein paar Tage an denen es nicht so toll läuft, aber für die meiste Zeit war die Band und allen drum herum bisher einfach nur eine unglaublich grossartige Erfahrung. Du weißt ja: Ich bin da eher der Realist...

ND: Schon klar! In den letzten Jahren gab ja immer wieder die nicht enden wollende Diskussion um die Internet-Problematik in Sachen Musik. Wie stehst Du dazu, Eric?

Eric: Ehrlich gesagt, eine endgültige Entscheidung in dieser Angelegenheit ist für mich auch heute noch extrem schwierig: Es gibt hier - und so wird wohl auch weiterhin bleiben - nach wie vor ein Pro und ein Kontra. Deshalb habe ich mich bei diesem Thema auch immer noch nicht festgelegt.
 
ND: Da kommt wieder der Realist durch! Aber zugegeben, diese Sache ist wirklich nicht einfach, weil die Möglichkeiten hier natürlich ebenso gross sind, wie der Missbrauch der damit betrieben wird - alles nur eine Frage des Bewusstseins. Eric, Jeremy, ...ich bin durch mit euch! Einen Riesendank an euch beide, dass ihr mir die Gelegenheit gegeben habt ein wenig hinter die Kulissen von The 101 zu schauen. Ich hoffe, dass ihr eine richtig gute Zeit auf eurer gesamten Tour haben werdet, und dass ich in Zukunft noch einige Alben von euch erwarten kann.

Eric: Der Dank geht an Dich zurück! Das mit Alben und der Tour sollte kein Problem werden, weil wir beides lieben: Ob wir Live spielen oder im Studio an einem neuen Album arbeiten ist mir dabei egal - jeden einzelne Aspekt der Musik ist mir einfach wichtig, und möchte damit auch solange wie möglich weiter machen...

Jeremy: Ich habe viel mehr das Gefühl, dass wir gerade erst am Anfang stehen...

ND: Ich bin ja gespannt, wie weit es The 101 bringen werden, und wünsche euch dafür jedenfalls viel Glück! Wir sehen uns aber demnächst auf jeden Fall erst einmal in München, ...bis dahin!
 
Website: The 101
 
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