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Dustin Kensrue - Please Come Home
Geschrieben von: Dark   
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Dustin Kensrue - Please Come Home

VÖ: 16.02.2007

Dustin Kensrue ist den meisten wohl eher als Sänger und Gitarrist der Band Thrice ein Begriff, und nun legt er mit Please Come Home ein überraschendes Solodebüt vor. Es ist aber nicht so, als ob sich Thrice - die 2003 mit dem Album The Artist In The Ambulance für reichlich Wirbel in der Szene sorgten - inzwischen aufgelöst hätten. Ganz im Gegenteil, denn in der letzten Zeit konnte man sich ausgiebig in deren Web-Blog (Alchemy Index) über die Studioarbeit und andere aktuelle Ereignisse der vier Kalifornier informieren.

Warum also ein Solo-Album? Wer sich diese acht Tracks hört, kann sich diese Frage bereits nach wenigen Sekunden beantworten: Mit dem Sound von Thrice hat diese Platte so ziemlich nichts mehr gemeinsam. Mit Please Come Home begibt sich Dustin Kensrue auf eine Reise zurück zur Basis. Zumeist bewaffnet mit Akustikgitarre spielt er glasklaren Blues mit einigen Country-Einflüssen. Ziemlich erdig das Ganze, und die Songs sind dabei sogar verdammt sexy! Der Opener I Knew You Before kommt gleich zur Sache und prescht so nach vorn, dass man sich wünscht, auf einen dieser Züge im Mittleren Westen zu springen, um einfach in den Sonnenuntergang zu fahren. Eine Nummer wie Pistol dagegen versetzt einen in eine dieser schummrigen Blues-Kneipen, in denen auch noch spät Nachts die hauseigene Band unermüdlich ihre Songs spielt. Ein weiteres Bier, noch eine Zigarrette und dabei leicht melancholisch diesem Stück lauschen, dass von dieser einen Frau handelt.

Der Mann hat aber auf Please Come Home noch mehr dieser klassischen Szenen zu bieten. Auch bei I Believe ist das nächste Déjà Vu schon in den Startlöchern: Der Song ist eine dieser Nummern, wie man sie von diesen typischen Strassenmusikern erwartet. Weary Saints dagegen katapultiert einen (mit Unterstützung der obligatorischen Mundharmonika) direkt auf eine alte hölzerne Veranda irgendwo in den Südstaaten ...Yeah! Klingt alles ein wenig nach Klischee - ich weiss - aber in diesem Fall wirkt das Ganze vollkommen authentisch und macht auch noch richtig Laune, denn Dustin Kensrue zeichnet hier mit seinen Songs sehr detaillierte Bilder. Was dabei abläuft nennt man das wohl umgangssprachlich Kopfkino . Nebenbei bemerkt sind die Stücke sogar auch noch richtig gut, und bleiben direkt hängen.

Die Referenzen für den gesamten Sound auf diesem Album sind aber ganz klar Musiker wie Tom Petty, Johnny Cash oder auch Ben Harper. Klassische amerikanische Singer/Songwriter und auch eine Menge Einflüsse von Traditionals finden sich hier in jeder einzelnen Nummer wieder. Verglichen mit den experimentierfreudigen Soundgewittern von Thrice, wird schnell klar, worum es dagegen auf Please Come Home geht: Vereinfachen, zurück zu den Wurzeln und, um es mit den Worten von Dustin Kensrue zu sagen: "Finding the heart of the song an playing it". Soviel dazu... Als Koproduzent stand ihm bei der Umsetzung dieses Langspielers übrigens sein Bandkollege Teppei Teranishi zur Seite, und diese Platte ist gelinde gesagt ziemlich gelungen. Das Label Equal Vision Records hat mit diesem Veröffenlichung mal wieder sein feines Gespür für exzellente und aussergewöhnliche Musik bewiesen. Und wenn Dustin Kensrue mir heute erzählen würde, dass er sein Leben lang musikalisch nichts anderes als diesen Sound gespielt hätte, ich würde es ihm nach diesem Album glauben...

Website: Dustin Kensrue

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Rating: 70%
 
Sounds Like Violence - With Blood On My Hands
Geschrieben von: Dark   
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Sounds Like Violence - With Blood On My Hands

VÖ: 12.02.2007

Deep Elm Records und Burning Heart Records - zwei Label, die schon seit ewigen Zeiten einen ganz hervorragenden Ruf in Sachen Musik haben - machen sich jetzt gemeinsam daran, ein echtes Sahnestück unters Volk zu bringen: Nachdem 2004 schon die Debüt-EP The Pistol auf Deep Elm Records veröffentlicht wurde, einigten sich die beiden Label wohl für den Release von With Blood On My Hands dem Ganzen nun eine etwas grössere Dimension zu verleihen. Für die Jungs von Sounds Like Violence eröffnet die neue amerikanisch-schwedische Achse Clover/Örebro einiges mehr an Möglichkeiten, zumal die Band ja selbst auch aus Schweden kommt. Aber wie üblich zählt der Prophet im eigenen Land ja nicht allzu viel...

Das enorme Potential dieser Band wurde allerdings schon 2004 deutlich - zumindest, wenn man sich musikalisch im Dunstkreis der Deep Elm Bands bewegte, und einem dadurch auch der Begriff Emo Diaries geläufig war. Auf dieser hauseigenen Sampler-Reihe machte bereits so mancher Musikliebhaber zum ersten mal Bekanntschaft mit dem schwedischen Quartett. Nun also das erste Album: With Blood On My Hands, von einer Band mit Namen Sounds Like Violence ...klingt ja eher nach Metal oder irgend welchem anderen bösartigen Zeug, oder? Kann schon sein, aber diese Band ist eigentlich eine echte Emo-Band. Allerdings nicht von der Art, die üblicherweise aus fünf bis sechs zornigen Jungen Männern bestehen, die infernalisch auf ihre Instrumente eindreschen und deren Gesang grösstenteils aus einem Wechsel zwischen zuckersüssen Melodien und hysterischen Geschrei besteht. Für eine musikalische Eigenständigkeit benötigt eine Band dann doch noch ein wenig mehr: Sounds Like Violence integrieren solche Elemente um ein vielfaches dezenter und wirken dadurch natürlich auch weit weniger wie ein Klischee. Hier steht ganz klar die Melodie im Vordergrund, und auch die Verzerrer sind bei den Gitarren nicht annähernd so übertrieben vertreten, wie bei den  tausenden von 08/15-Emo-Kapellen.

Auf das Schreiben von Songs versteht sich das schwedische Quartett jedenfalls bestens: Auf diesem Album ist kaum eine Nummer, die nicht sofort in's Ohr geht. Während der Opener Nothing wie eine schmutzig raus gerotzte Rock'n'Roll-Hymne daher kommt, teilt man die Wut bei Were You Ever In Love With Me? oder leidet bei Wrong gemeinsam mit dem Sänger. Liebe Kinder: Das ist echter Emo  ...und hier sollten sich einige Bands mal ein Beispiel daran nehmen! Ein echter Wahnsinn ist Changes, der Song hat soviel Hit in sich, dass hier wohl niemand still sitzen bleiben wird und stattdessen schon beim ersten Refrain begeistert mitschreit. Bei den danach folgenden Glad I'm Losing You ergeht es einem übrigens keinen Deut besser ...ein Hammerteil gleichen Kalibers. Spätestens hier wird einem auch sehr schnell klar, warum Sounds Like Violence als Ausnahmeband in diesen Genere gelten müssen, und warum sie geradezu perfekt zu Deep Elm Records passen: Hier ist mehr Indie-Spirit und Talent für grossartige Songs vereint, als bei vielen der sogenannten Hype-Bands. Stücke wie Heartless Wreck oder Cold Cold Blood haben einfach eine tiefe Seele, während Nummern wie Directions oder The Greatest bis zum letzten Takt durch rocken und einem emotional alles abverlangen. Daher können es sich Sounds Like Violence auch leisten, auf obligatorische Metall-Gitarren oder ähnliches Gepose zu verzichten: Hier sprechen die Songs halt einfach für sich!

Durch den enormen Variantenreichtum fällt eine Kategorisierung hier wirklich nicht gerade leicht. Die Band bewegt sich - wenn auch nicht direkt auf musikalischer - aber doch auf qualitativer Ebene mit Bands wie Samiam oder The Juliana Theory. Eine typische Deep Elm Band eben! Wer das Band-Rooster dieses Labels kennt und mit Namen wie Lakota oder Winter In Alaska etwas anfangen kann, der weiss genau was hier gemeint ist: Einfallsreiches Songwriting, immer ein bisschen schräg, und ein Sound der einem geradewegs den Boden unter den Füssen weg zieht. Um es mal mit dem Titel einer weiteren Sampler-Reihe von Deep Elm Records auf den Punkt zu bringen: This is Indie Rock...

Website: Sounds Like Violence

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Rating: 90%
 
Pull A Star Trip - An Internship In Optimism
Geschrieben von: Dark   
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Pull A Star Trip - An Internship In Optimism

VÖ: 01.02.2007

Die durchaus eigenwillige Definition der Musik von Pull A Star Trip lautet Acoustic-Emo/Screamo. Klingt ja schon mal interessant, und die erste Neugierde ist somit geweckt. Aber was zur Hölle soll man denn darunter verstehen...? Also jetzt noch mal einfach der Reihe nach: Paderborn 2005, die beiden Freunde Steffen Kelle und Bartholomäus Rhymek suchen nach geeigneten Mitstreitern, um ihre Vorstellung von Emo in die weite Welt hinaus zu tragen. Anfang 2006 wird die Debüt- EP Hooking Up With Hope... My Favorite Kind Of One-Night Stands veröffentlicht, und die Emo-Gemeinde scheint sie einfach zu lieben: Die CDs gehen weg wie warme Semmeln, und es folgen Konzerte, die Pull A Star Trip sogar über den grossen Teich bringen. Das definitive Highlight dürfte hierbei der Auftritt im alten CBGB's gewesen sein. From NRW to NYC, dass sind wahr gewordene Träume vom Punkrock-Mekka, die nicht vielen vergönnt sind...

Aber eigentlich ging's hier ja um Emo. Diese inzwischen recht fade anmutende musikalische Weltanschauung stellen die fünf Paderborner mit den zwölf Tracks von An Internship In Optimism erst einmal richtig auf den Kopf: Das hier ist schon eher Emo Unplugged! Extrem talentiertes Songwriting, wie man es sonst eher aus der Singer/Songwriter Ecke kennt, mischt sich mit Screamo-Einlagen vom Feinsten. Melodie und Harmonien werden ganz gross geschrieben, und mit der Dynamik eines richtig guten Rocksongs mächtig nach vorn getrieben. Das alles bewältigt dieses Quintett ohne die üblichen Marshall-Stacks und Tonnen von alles zersägenden Verzerrer-Tretminen. Wirklich erstaunlich, wieviel Druck eine einfache Akustik-Besetzung so produzieren kann.

Es wurden schon Vergleiche laut, die Pull A Star Trip bereits als die deutsche Antwort auf Dashboard Confessional rühmten, und auch die musikalische Nähe zu Death Cab For Cutie lässt sich nicht leugnen. Das ist an und für sich zwar gar nicht mal so verkehrt, aber immer noch zu unpräzise, um die Durchschlagskraft dieser Musik zu beschreiben. Neben der schlichten akustischen Instrumentierung, ist hier nämlich permanent eine unbändige Energie präsent, die man sonst eher von Bands wie z.B. Taking Back Sunday kennt. Dazu gesellen sich dann auch noch zahlreiche Spielereien innerhalb der Songs, die man oft erst realisiert, wenn diese bereits meilenweit an einem vorbei gezogen sind.

Das nenne ich doch mal ein anständiges Konzept: Mal eben so ein Dutzend verdammt emotionaler und hitverdächtiger Akustik-Songs schreiben, die auch noch den Drive einer bis zum Anschlag aufgedrehten Stromgitarrenband haben. Pull A Star Trip reissen dabei ungeniert verschiedene musikalische Schubladen auf, nehmen sich was sie brauchen, und verschwinden dann einfach wieder, um nicht irrtümlich in die eine oder andere gesteckt zu werden. Apropos Emo: Diese in Langweile vor sich hin vegetierende Szene benötigt ja schon lange mal wieder einen kleinen Vitaminschub, und An Internship In Optimism ist ganz sicher eines der Präparate, dass ein kompetenter Hausarzt in einem solchen Fall verschreiben würde...

Website: Pull A Star Trip

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Rating: 70%
 
Eyesight - Simplify Your Life
Geschrieben von: Dark   
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Eyesight - Simplify Your Life

VÖ: 29.01.2007

Beckingen im Saarland. Herr Seger, seines Zeichens Bürgermeister, plant für die Zukunft und bringt seine Vision von der Entwicklung der Stadt in der Präambel seines Masterplans auf den Punkt: "Beckingen muss an Attraktivität, insbesondere für Leistungserbringer, Besucher und Investoren gewinnen. Zur Profilierung müssen Entwicklungsziele zu den Standortfaktoren, zur Gemeindegestaltung, zur Kultur und Lebensqualität definiert werden. Alle Bürger sind dazu aufgerufen, an der Verwirklichung und Weiterentwicklung diese Leitbildes mitzuwirken." ...sprach er, und ahnte dabei wahrscheinlich nicht, dass sogar lokale Punkrock-Heroen diesen Worten folgen würde.

Auch wenn ich jetzt mal ernsthaft bezweifel, dass der gute Herr Seger sich die Sache so gedacht hat: Zwei seiner Ideen werden gegenwärtig schon in die Tat umgesetzt. Eyesight sind vier dieser Bürger, und ihr aktives Wirken bringt den restlichen - knapp 16.000 - Einwohnern der Region für den Anfang erst einmal ein wenig Kultur: Genauer gesagt ...Subkultur. Eine, die rotzig, laut und melodisch ist. Und um noch einmal auf die oben erwähnte Lebensqualität zurück zu kommen: Was die vier Beckinger hier auf Simplify Your Life konserviert haben, dass rockt einfach, macht richtig Spass und entspricht schon ziemlich genau meiner Vorstellung von Lebensqualität. Punkrock der guten alten Schule, auf seiner Mission als Entwicklungshelfer! Wer hätte das gedacht?

Das Album sorgt mit seinen zehn Songs bei allen Oldschool-Freunden für ein breites Grinsen im Gesicht: Kommt mir zwar alles irgendwie bekannt vor, klingt aber trotzdem taufrisch und authentisch. Songs wie Missing You oder My Friends halten die Fahne in bester Punkrock-Tradition hoch. Anständiges Tempo, massig Ohrwurm-Melodien und Sing-Alongs...einfach tanzbar, solche Stücke sollten auf keiner Party fehlen! Bei der Strophe von Explain The World hört man beim Gesang zunächst ziemlich deutlich recht klassische Hardcore-Einflüsse heraus, die Nummer wartet aber kurz darauf mit einem echt melodischen Gassenhauer-Refrain auf. I Did Not Sleep gestaltet sich zwar nach einem ähnlichen Strickmuster, aber man kann sagen, was man will: Alles in Allem eine wirklich schöne Mischung, die ordentlich Energie und einiges an Hitpotential hat!

Der Titeltrack Simplify Your Live zieht straight nach vorn, und als Zugabe haben Eyesight schliesslich noch einen wunderbar zweistimmigen Refrain in der Hinterhand. Überhaupt fällt auf, dass bei der zweiten Häfte des Albums das Tempo noch ein wenig angezogen wird - das geht schon in Ordnung, denn oft genug bekommen Platten irgendwann einfach einen Hänger. Hier gilt das jedenfalls nicht - das Ding wird von der Band gnadenlos durchgezogen! Wer in seiner Musiktruhe jetzt, neben den ganz alten Sachen von Green Day, auch solche Bands wie Itchy Poopzkid, Face To Face oder Rise Against findet, der ist geschmacklich bei Eyesight auf jeden Fall an der richtigen Adresse.

Website: Eyesight

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Rating: 60%
 
Future of Forestry - Twilight
Geschrieben von: Dark   
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Future of Forestry - Twilight

VÖ: 23.01.2007

Wenn man tief in der Nacht über lange Strecken auf der Autobahn oder einer Landstrasse unterwegs ist, hat man meistens die nötige Ruhe vorbei ziehende Lichter oder Reflektionen und das monotone Mantra seines Motors zu geniessen. Das ist eigentlich immer ein angenehmes Gefühl der Einsamkeit, und man sollte für diese geradezu meditativen Momente immer den richtigen Soundtrack mit sich führen.

Eine ausgezeichnete Wahl wäre da zum Beispiel das Album Twilight von Future of Forestry, dass uns von Credential Recordings beschert wird. Das kalifornische Quartett aus San Diego scheint seine Musik für eben solche zu Unternehmungen erfunden zu haben, und der Opener Open Wide klingt wie eine gelungene Mischung aus den frühen U2, den legendären Chameleons und The National Anthems. Die Nummer rockt, wird aber zusätzlich noch massiv durch eine klassische Orchester-Instrumentierung unterstützt. Recht ungewöhnlich, ...wenn man sich überlegt, dass kalifornische Bands im Allgemeinen eher wenig mit den eher melancholisch stimmenden meteologischen Gegebenheiten ihrer angelsächsischen oder skandinavischen Kollegen gemein haben. Derartige Songs beeindruckenden nachhaltig, zumal Future of Forestry ihre sphärisch-melancholischen Melodiebögen auch noch in ein richtig breit rockendes Fundament einbetten.

Irgendwann konzentriert man sich auch unweigerlich genauer auf die enorm flexible und fast hypnotische Stimme von Sänger Eric Owyoung, die über den Songs schwebt. Eine Stimme, die irgendwo zwischen den bereits genannten Bands liegt und gelegentlich sogar dezent an Incubus, Coldplay oder die texanischen Hundred Year Storm erinnert. Eine ziemlich gewagte Kombination, die aber zu 100% funktioniert, und sich aber dennoch weitab vom Mainstream bewegt. Bei solch intensiven Gesangsparts geht sogar mitten in der Nacht die Sonne auf! Neben ihren orchestral verstärkten Epen, haben Future of Forestry noch weitere Perlen wie Thinking Of You auf Lager, die es - zumindest anfangs - erst einmal viel ruhiger angehen lassen, einen aber rechtzeitig zum Refrain kompromisslos und mit geballter Wucht hinweg fegen. Gerne mehr davon!

Und spätestens hier wird einem klar, dass die Gesangslinien fast aller Songs auf Twilight das Attribut Eingängigkeit für sich gepachtet haben, während die Kollegen an den Instrumenten das gesamte Spektrum von recht unauffällig bis monumental abarbeiten, um damit etwas emotional sehr Berührendes zu erschaffen, dem man sich nicht so leicht entziehen kann ...aber wer will das schon? Ein Paradebeispiel für die Energie und die Dynamik innerhalb der Songs ist das Stück Sanctitatis, dass zu Beginn lediglich durch ein einziges Gitarrenriff getragen wird. Die Soundfläche wird im Verlauf der Nummer so dermassen verdichtet, dass man sich beinahe in dem Sog der Musik verliert. Aber eben nur beinahe, denn zum Ende reduziert sich schliesslich alles wieder auf eben dieses eine Riff und der Hörer wird (vielleicht ein wenig benommen) wieder sanft entlassen...

Angesichts einer solchen Gratwanderung zwischen Melancholie und unendlicher Hoffnung, dramatischen Spannungskurven, und dem - im besten Sinne - rockenden Pathos bietet Twilight zwölf einfach zeitlos schöne Stücke, in denen man am liebsten bis in alle Ewigkeit baden möchte.

Website: Future of Forestry

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Rating: 80%
 
Damiera - M(us)ic
Geschrieben von: Dark   
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Damiera - M(us)ic

VÖ: 23.01.2007

Das war mal wieder einer dieser berüchtigten Glückstreffer, die mich auf Damiera aufmerksam werden liessen. Ein beruhigend wirkend grünes Albumcover, auf dem der schlichte Titel M(us)ic prangt, dessen eingeklammerter Einschub sogar bereits ein wenig von der Band-Psyche preis gibt - aber das ahnt man zu diesem Zeitpunkt natürlich noch nicht. Der Silberling wandert also ohne Umwege erst einmal in meine, ihn gierig inhalierende, Abhöre. Holla, ...die ersten Klänge und der berühmt-berüchtigte erste Eindruck sind mehr als nur positiv. Ich bleibe sofort an diesem Sound hängen, und wenn sich dieses Gefühl nur halbwegs über die verbleibenden neun Songs hält, dann hätte dieses Jahr bereits jetzt schon einen ernstzunehmenden Anwärter auf eine der Platten für 2007.

Aber nähern wir uns dieser M(us)ic Stück für Stück, und für alle Ungeduldigen eine Frage - mit einer möglicherweise unbefriedigenden Antwort - erst einmal vorweg: In welchen musikalischen Breitengraden bewegen sich Damiera überhaupt? Wie bereits angekündigt: Schwierige Sache. Wer Schubladen mag, wird die Band vielleicht in solchen Kategorien wie "progressiver Indierock" oder möglicherweise auch "Emo ohne Screamo" verbuchen. Ersteres ist zwar die Variante für die sich die Band auch selbst entschieden hat, und möglicherweise liegt man damit auch garnicht so ganz falsch. Aber sein wir mal ehrlich: Das kann ja nun wirklich alles heissen und hilft hier dann auch leider nicht viel weiter...

Also zurück zur Basis: Das Album selbst schafft hoffentlich ein wenig Abhilfe. Als erstes fallen die äusserst angenehmen Lead-Vocals auf, eine Stimme, die unablässig einen wunderbaren Melodiebogen nach dem anderen auf den Hörer abschiesst. Diese Gabe ist aber allerdings ziemlich vielen guten Bands zu eigen, wäre da nicht noch, die zum Teil recht vertrackte Songstruktur und Rythmik, die Damiera ziemlich deutlich von einem Grossteil der anderen "guten Bands" abhebt. Diese Songs sind nicht einfach Songs, sondern hier bahnt sich vom ersten Augenblick eine ziemlich spannende Sache an, die den Hörer wie ein gutes Buch an sich fesselt. Sicherlich bedarf es, aufgrund der Nonkonformität der Nummern, hier anfangs einiger Konzentration. Aber je weiter man sich durch solche Perlen wie den Opener Immure, den Titeltrack M(us)ic , das treibende Via Invested oder das sphärische Departures durch arbeitet, desto mehr entdeckt man wieder die wesentliche Schönheit von Klängen und verliert sich in den vielen melodischen Spielereien innerhalb der einzelnen Songs ...von den ganzen Songalong-Hits die sich hier aneinander reihen mal ganz zu schweigen.

Wer jetzt aufgrund ihrer filigranen Vertracktheit vermutet, dass einen bei Damiera wohl vollkommen verkopfte Intellektuellenmusik erwartet, befindet allerdings mit Sicherheit auf dem Holzweg. Damiera rocken einfach! Denn das Quartett aus Buffalo wird ohne Probleme dem Anspruch gerecht, eben keine dieser 3-Akkord- und 4/4-Standardsongs zu schreiben ...und ausgefeilte Melodielinien mit Pop-Appeal gibt's obendrein noch als Zugabe. Damit wäre wieder einmal bewiesen, dass man anständige Musik mit richtigem Hitpotential offenbar also immer noch ohne die üblichen Komponenten des Rockband-Baukastensystems erschaffen kann. Und zwar mit Allem was es braucht, damit am Ende ein verdammt gutes und aussergewöhnliches - nennen wir es jetzt einfach mal - Indierock-Album dabei heraus kommt.

M(us)ic ist mal ein richtig amtliches Label-Debüt. Nach der in Eigenregie hergestellten und vertriebenen Debüt-EP One (2005), hat es dann auch nicht allzu lange gedauert, bis Equal Vision Records - die immer ein Händchen für innovative Bands haben - auf Damiera aufmerksam geworden sind und sie unter Vertrag genommen haben. Recht so! Damit solche guten Sachen auch mal über den grossen Teich gelangen, ist das Album hierzulande übrigens bei Cargo Records erhältlich. Und soviel sei am Schluss noch gesagt: Bei M(us)ic geht es einzig und allein um die Sache an sich. Mission erfüllt, bravourös gelöst - Danke dafür!

Website: Damiera

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Rating: 80%
 
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